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TECHDigitale Wallet, Start-ups – das sind Wildbergers ehrgeizige Ziele

Karsten Wildberger spricht auf der Fachkonferenz TECH erstmals über seine Pläne für das Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung – und die haben es in sich.Thomas Jahn 26.05.2025 - 18:15 Uhr Artikel anhören
Karsten Wildberger: Der Digitalminister spricht auf der TECH über seine Pläne und Ziele. Foto: Marc-André Hergenröder

Heilbronn. Die Besucher standen Schlange, als Karsten Wildberger (CDUauf der TECH seinen ersten öffentlichen Auftritt außerhalb des Bundestags hatte. Der Bundesdigitalminister versprach in seiner Rede eine Modernisierung der Regierung durch Digitalisierung. Auch solle es weniger und verständlichere Gesetze geben, sagte er.

Als sein „persönliches Anliegen“ sieht Wildberger die digitale Wallet, die bis Ende 2026 oder Anfang 2027 fertiggestellt sein soll. Damit sollen Bürger „Führerschein, Zertifikate oder Kreditkarte“ an einem digitalen Ort sicher aufbewahren und verwenden können. Die Funktionen sollen Schritt für Schritt freigeschaltet und in Kooperation mit anderen europäischen Ländern koordiniert werden.

Die Technologie werde von der öffentlichen Hand entwickelt. Er, sagte Wildberger, würde aber „den Wettbewerb von privaten Anbietern einladen“. Denn er denke nicht, „dass der Staat der beste Entwickler für all diese Dinge ist“.

Daher will Wildberger ein Umfeld schaffen, das mehr Dynamik in Deutschland freisetzen kann. Es müsse einfacher werden, Start-ups zu gründen. Deutschland solle ein Magnet dafür werden, sagte Wildberger. Sein Ziel sei es, in vier Jahren fünfmal mehr Start-ups in digitaler Technologie in Deutschland zu haben als bisher.

Es dürfe nicht sein, dass Start-ups 200.000 Euro für eine KI-Zertifizierung zahlen müssten, sagte der Digitalminister auf der TECH. Die Konferenz richtet das Handelsblatt gemeinsam mit der Schwarz-Gruppe und weiteren Partnern aus.

„Wir müssen den Menschen mehr Freiheit geben und das Eingehen von Risiko belohnen“, so Wildberger, der vor seiner Berufung als Minister Chef des Einzelhandelskonzerns Ceconomy war.

Wildberger will Deutschland unabhängiger von den USA machen

Jens Böcker, Professor für Marketing an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, beurteilt den Auftritt als gelungen. „Das war eine ambitionierte und mutige Grundsatzrede mit den richtigen Akzenten. Europa muss eine eigene digitale Infrastruktur entwickeln und dabei seine Werte bewahren“, sagte er.

Weiterhin forderte Wildberger, digital unabhängiger zu werden. Für ihn sei es schwer verständlich, dass in Europa 75 Prozent aller Cloud-Daten in den Händen der sogenannten Hyperscaler seien – damit sind die drei größten Cloud-Anbieter AWS (von Amazon), Azure (von Microsoft) und Google Cloud gemeint. Alle sitzen in den USA.

Auch in Deutschland würden 65 Prozent der öffentlichen Cloud von drei Anbietern beherrscht. „Das ist kein Modell für die Zukunft“, sagte Wildberger und verwies auf China. Die Volksrepublik habe auch ihre eigene digitale Infrastruktur aufgebaut.

Vor wenigen Tagen hatte Wildberger in einer Rede vor dem Bundestag seine Ziele nur grob umrissen. Deutschland müsse für Start-ups und Gründer die erste Wahl sein. Der Staat müsse „effizient, beweglich und als Dienstleister“ auftreten, sagte er. Und auch: Die Bürokratie müsse abgebaut werden und „auf die gestalterische Kraft der Menschen vertrauen“.

Zugleich versuchte Wildberger die Erwartungen an das von ihm geführte neue Ministerium zu bremsen. „Für die Digitalisierung gibt es keinen Schalter, den man einfach umlegt“, sagte er. Sie sei vielmehr ein Prozess, der Zeit, Mut, Geduld und Partner benötige. Er sei aber überzeugt, mit der Zeit und mit Beharrlichkeit voranzukommen.

Ein politisch gut vernetzter Unternehmer

Die Berufung des Topmanagers überraschte sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. In seinem neuen Amt stehen ihm zwei erfahrene Politiker als parlamentarische Staatssekretäre zur Seite: Philipp Amthor und Thomas Jarzombek. Amthor gilt als Experte für Staatsmodernisierung, Jarzombek ist Digitalexperte der CDU.

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Dazu hat der 55-jährige Wildberger in seiner Karriere viel Erfahrung mit technologischen Umbrüchen gesammelt. So war er von 2016 bis 2021 beim Energiekonzern Eon unter anderem für die digitale Transformation zuständig und hatte zuvor viele Jahre in der Telekommunikationsbranche gearbeitet.

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Vor seiner Ernennung hatte Wildberger wenig Ambitionen auf größere politische Aufgaben gezeigt. Der promovierte Physiker gilt jedoch als Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrates in der Politik bestens vernetzt.

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