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Trotz Corona „Digitale Dekade der Superlative“: Studie prophezeit deutscher Internetwirtschaft rasantes Wachstum

Die Coronakrise bremst die deutsche Internetwirtschaft nur kurzfristig. Laut einer neuen Studie geht die Branche langfristig gestärkt aus der Krise hervor.
23.06.2020 Update: 23.06.2020 - 08:54 Uhr Kommentieren
„Katalysatoreffekt“ durch die Coronakrise: Mittelfristig wird der Ausbau digitaler Infrastrukturen und das Implementieren digitaler Geschäftsmodelle befördert, schätzen Experten. Quelle: dpa
Digitalisierung

„Katalysatoreffekt“ durch die Coronakrise: Mittelfristig wird der Ausbau digitaler Infrastrukturen und das Implementieren digitaler Geschäftsmodelle befördert, schätzen Experten.

(Foto: dpa)

Berlin Das Coronavirus wird der deutschen Wirtschaft noch länger schwer zu schaffen machen. Zwar habe Europas größte Volkswirtschaft im April ihre Talsohle durchschritten. „Allerdings wird die vollständige Erholung von der Krise einige Zeit in Anspruch nehmen“, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Prognose des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Die Folgen der Pandemie treffen indes nicht alle Branchen gleichermaßen hart. Die Internetwirtschaft in Deutschland könnte sogar als großer Profiteur aus der Krise hervorgehen. Das legt zumindest eine neue Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little im Auftrag des Digitalverbands Eco nahe.

„Trotz einer weltweiten, nahezu alle Lebensbereiche betreffenden Pandemie geht die Internetwirtschaft langfristig gestärkt aus der Krise hervor“, heißt es in der Analyse, die am Dienstag vorgestellt wird und die dem Handelsblatt vorab vorlag. Dank funktionierender Heimarbeitsplätze und Videokonferenzen via Internet habe die Digitalwirtschaft die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Krise mindern können. Die Macher der Studie schätzen, dass die Branche in diesem Jahr in Deutschland etwa 145 Milliarden Euro umsetzen wird. Bis 2025 soll sich der Umsatz um knapp 75 Prozent auf circa 253 Milliarden Euro erhöhen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von zwölf Prozent entspricht.

„Die nächsten Jahre sind der Start in eine digitale Dekade der Superlative“, sagt der Eco-Vorstandsvorsitzende Oliver Süme. „Die Digitalisierung – das zeigt nicht nur Corona – wird auch in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle innerhalb der deutschen sowie europäischen Wirtschaft einnehmen, und langfristig steigt der Anteil der Internetwirtschaft in allen Branchen.“

Die Entwicklung wird durch die aktuelle Pandemie allenfalls leicht gebremst, aber nicht aufgehalten. Mit einem Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr von 1,2 Prozent infolge der Lockdown-Maßnahmen gehe die Internetwirtschaft im Vergleich zu anderen Sektoren „robust“ durch die Coronakrise, heißt es in der Studie. Soll heißen: Viele Bereiche werden sich wohl von dem kurzfristigen negativen „Schock“ rasch erholen, und durch die Krise bedingte Wachstumsrückgänge können bis Ende 2022 komplett kompensiert werden.

E-Commerce-Geschäft als „dominante Umsatzquelle“

Die Studienautoren sprechen von einem „Katalysatoreffekt“ durch die Coronakrise, der mittelfristig den Ausbau digitaler Infrastrukturen und das Implementieren digitaler Geschäftsmodelle befördern werde. In der „langfristigen Perspektive“ erhalte die Internetwirtschaft dadurch einen „zusätzlichen Wachstumsschub“. „Im Zeitraum von 2020 bis 2025 erwarten wir ein Wachstum des Umsatzes von 9,5 Prozent jährlich“, heißt es in der Studie.

Die Analyse gliedert die Internetwirtschaft in vier Bereiche: Die erste Ebene umfasst alles, was einen stationären oder mobilen Zugang zum Internet ermöglicht. Zur zweiten Ebene gehören beispielsweise Hosting- und Domain-Anbieter. Zur dritten Ebene zählen die Experten neben dem E-Commerce-Geschäft im B2B-Bereich zahlreiche Anbieter von B2C-E-Commerce-Plattformen sowie Betreiber von beitragspflichtigen Portalen. Auf der letzten Ebene befinden sich bezahlte Inhalte. Akteure dieser Ebene generieren Informationen oder erwerben sie von Dritten und stellen sie zur Vermarktung oder zur kostenpflichtigen Nutzung bereit. In diese Ebene gehören Gaming-, TV- und Videoanbieter.

Allein das E-Commerce-Geschäft (dritte Ebene) generiere 2020 rund 40 Prozent des Gesamtumsatzvolumens (57 Milliarden Euro). Der Bereich bleibt der Studie zufolge mit einem Wachstumspotenzial von durchschnittlich 10,3 Prozent pro Jahr eine „dominante Umsatzquelle“ der Internetwirtschaft in Deutschland. Demnach dürften die Umsätze hier bis zum Jahr 2025 auf rund 93 Milliarden Euro steigen. Ein weiteres Drittel des gesamten Umsatzvolumens werde 2020 durch digitale Geschäftsmodelle in Anwenderindustrien (Smart Industries) und durch die Vermarktung digitaler Inhalte (Paid Content) erwirtschaftet. Die Experten erwarten in diesem Bereich eine Verdopplung des Umsatzes von 44 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 88 Milliarden Euro bis 2025.

Der Bereich der Hosting- und Domain-Anbieter hat mit knapp 14 Milliarden Euro Umsatz 2020 einen vergleichsweise kleinen Anteil am Gesamtvolumen. Jedoch rechnen die Studienautoren aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Public-Cloud-Diensten bis 2025 mit einem starken Wachstumsschub, sodass sich das Umsatzvolumen mehr als verdoppeln dürfte. Deutlich weniger Wachstum wird hingegen in der ersten Ebene, der technischen Infrastruktur, erwartet.

Digitalpolitiker: Vorhandene Potenziale jetzt entfesseln

Der Beauftragte des Bundeswirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft und Start-ups, Thomas Jarzombek (CDU), rechnet durch die Digitalisierung mit positiven Effekten auf Wachstum und Wohlstand in Deutschland. „Und zwar vor allem dann, wenn wir sie möglichst schnell in vielen Bereichen erfolgreich umsetzen: in den Schulen, den Unternehmen, den Städten“, sagte Jarzombek dem Handelsblatt. Durch die derzeitige Coronakrise zeige sich einmal mehr, wie wichtig die Digitalisierung für Deutschland sei. „Es ist deshalb in unser aller Interesse, den gegenwärtigen Digitalisierungsschub auch künftig aufrechtzuerhalten.“

Aus Jarzombeks Sicht komme hier die Coronakrise als „Katalysator“ ins Spiel. „Sie hat die Umsetzung von Industrie 4.0 in Deutschland weiter beschleunigt und auch zu einem Durchbruch der Homeoffices geführt“, erläuterte der CDU-Politiker. Wer heute schon Industrie 4.0-Lösungen einsetze, wer Schüler und Arbeitnehmer auch mobil unterrichten und einsetzen könne, der sei klar im Vorteil. „Die Digitalisierung erlaubt es uns, schneller, flexibler, effizienter und kreativer zu sein. All das müssen wir nutzen.“

Das größte Wachstumspotenzial sieht Jarzombek bei den digitalen Schlüsseltechnologien wie etwa Künstlicher Intelligenz, den Netzwerktechnologien, Quantencomputing oder Blockchain. Wachstum werde es auch in den Branchen IT-Sicherheit, Automobil, Energie und Gesundheit geben. Dass gut bezahlte Arbeitsplätze in der Digitalwirtschaft dennoch vor allem im Silicon Valley entstehen, sieht der CDU-Politiker gelassen. Gut bezahlte Arbeitsplätze gebe es auch in Deutschland. „Es ist aber unser Ziel, hier noch konkurrenzfähiger zu werden“, sagte Jarzombek. „Wir arbeiten daran, die Standortbedingungen für Start-ups weiter zu verbessern.“ Wichtige Punkte seien dabei der Zukunftsfonds für die Wachstumsfinanzierung und der Ausbau der Möglichkeiten für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen.

Die Pandemie werde vor allem bestehende Trends beschleunigen, insbesondere im Bereich Plattformen und Software, sagt auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Tankred Schipanski. Es sei dabei aber wichtig, „dass wir in diesen Bereichen die Monopolisten zügeln“. Hierzu werde derzeit das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen „fit für das digitale Zeitalter“ gemacht.
Die geplante europäische Cloud Gaia-X helfe zudem, auch kleinen und mittleren Unternehmen im Wettbewerb mit dominanten Plattformen und Softwaredienstleistern eine faire Chance zu geben.

Der SPD-Politiker Jens Zimmermann geht ebenfalls davon aus, dass die Potenziale der Internetwirtschaft in Deutschland nach der Coronakrise „entfesselt“ werden können. „Mit annähernd einer Million Entwicklern stellt die Branche bereits heute einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor dar“, sagt der Bundestagsabgeordnete. „Ich mache mir dabei weniger Sorgen, dass hochqualifizierte Jobs anderswo entstehen, sondern vielmehr, dass es in Deutschland zu wenig qualifiziertes Personal gibt, um alle potenziellen Stellen zu besetzen.“

Daher seien insbesondere die Bundesländer gefordert, ihre Anstrengungen im Bereich der digitalen Bildung massiv zu beschleunigen. „Corona hat gerade hier schonungslos Defizite bei Hard- und Software, aber auch Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte offengelegt.“

Mehr: Lesen Sie hier, wie die Gründerszene Deutschland zur Digitalisierungshochburg machen will.

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