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Appell an Altmaier So will die Gründerszene Deutschland zur Digitalisierungshochburg machen

Der Start-up-Verband fordert vom Wirtschaftsminister bessere Bedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen. Dazu legt er eine Umfrage in eigener Sache vor.
22.06.2020 - 04:25 Uhr 1 Kommentar
Der Start-up-Investor und Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups sieht Erleichterungen für Beteiligungsprogramme als wichtigstes Mittel, um Deutschland bei der Digitalisierung konkurrenzfähig zu machen. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
Christian Miele

Der Start-up-Investor und Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups sieht Erleichterungen für Beteiligungsprogramme als wichtigstes Mittel, um Deutschland bei der Digitalisierung konkurrenzfähig zu machen.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

Düsseldorf Der Bundesverband Deutsche Startups übergibt Wirtschaftsminister Peter Altmaier am diesem Montag die Ergebnisse einer Erhebung zur Beteiligung von Mitarbeitern an jungen Firmen. Sie bekräftigen Forderungen nach rechtlichen und steuerlichen Erleichterungen: Start-ups sollen es künftig leichter haben, Angestellten Unternehmensanteile zu übertragen.

Dem Handelsblatt liegt das Papier mit einer Umfrage unter 1900 Menschen aus dem Start-up-Sektor und Vorschlägen zur Implementierung einer neuen Anteilsklasse exklusiv vor.
Es ist das wichtigste Vorhaben des neuen Verbandschefs Christian Miele. Dabei hat der Partner des Start-up-Investors Eventures die Szene ‧hinter sich. Unter den Umfrageteilnehmern sagen 81 Prozent der Mitarbeiter, 88 Prozent der Gründer und 94 Prozent der Investoren, Beteiligungsprogramme seien essenziell für den Erfolg von Start-ups.

Es geht um Motivation, Fachkräfte und mehr Geld im Start-up-Ökosystem. All das könnte Deutschland zu einer stärkeren Start-up-Kultur nach dem Vorbild des Silicon Valley verhelfen. Johannes Reck, Gründer des Reisestart-ups Getyourguide, sagt über mögliche Verbesserungen bei den Beteiligungen: „Das wäre für uns wichtiger als 100 Millionen Finanzierung.“

Besonders junge Start-ups setzen auf Beteiligungsprogramme, um Talente zu gewinnen. Denn am Anfang sind die finanziellen Ressourcen für Gehälter besonders knapp. Das Risiko für Fachkräfte, einen Vertrag zu unterschreiben, ist dafür umso größer. Aber der Mut kann sich auszahlen, wenn die Geschäftsidee tatsächlich aufgeht und sich das Start-up am Markt durchsetzt. Bei einem erfolgreichen Exit, also dem Börsengang oder Verkauf der Firma, können die Unternehmensanteile der ersten Mitarbeiter sogar Millionen wert sein.

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Standort erkennen

    Die deutschen Start-ups beklagen für dieses Instrument aber schon lange einen Standortnachteil. In den USA, in Großbritannien, Frankreich und Israel etwa wirke es viel effektiver. „Wir sind ein super attraktives Land für Toptalente, bis auf diesen entscheidenden Punkt“, sagt Reck.

    Im Prinzip gibt es in Deutschland drei Varianten der Beteiligung, die stark vereinfacht so aussehen:

    • Die sogenannte „echte“ Beteiligung ist laut der Umfrage des Start-up-Verbands am wenigsten verbreitet. Dabei werden Angestellte sofort zu Gesellschaftern der Firma. Das Problem: Nach dem Gesellschaftsrecht müssen sie dann auch bei allen wichtigen Entscheidungen beteiligt werden, zum Beispiel bei Finanzierungsrunden. Das ist aus Sicht vieler Start-ups nicht praktikabel.
    • Mit Anteilsoptionen erhalten Mitarbeiter den Anspruch, in der Zukunft „echte“ Anteile an der Firma zu erhalten. Dazu wird häufig bereits ein Preis festgelegt, der sich am Marktwert beim Eintritt in die Firma orientiert. Das Problem: Werden die Optionen dann tatsächlich umgewandelt, bezieht der Mitarbeiter aus Steuersicht einen geldwerten Vorteil, den er sofort als Einkommen versteuern muss – obwohl kein Geld geflossen ist. Um den Betrag zu zahlen, müssten viele ihre Anteile teilweise verkaufen. Das ist aus Start-up-Sicht vor dem Exit gar nicht möglich und etwa im Moment des Börsengangs auch nicht wünschenswert. Die Start-ups verweisen auf international bessere Bedingungen für die „ESOPs“ (Employee Stock Option Plans).
    • Die meisten deutschen Start-ups mit Beteiligungsprogrammen behelfen sich mit „virtuellen“ Anteilen. Damit werden Ansprüche auf Zahlung eines Geldbetrags beim Exit verbrieft. Für diesen Betrag wird mit dem Vertrag eine Formel vereinbart, ähnlich wie bei echten Optionen. Das Problem: Mit Unternehmensanteilen hat das eigentlich nichts zu tun. Es handelt sich bloß um eine Art finanziellen Bonus im Erfolgsfall. Zudem kritisiert die Start-up-Szene auch hier die Behandlung als Einkommen.

    Beim Wirtschaftsminister setzen sich die Start-ups nun für eine neue Anteilsklasse ein, angelehnt an stimmrechtslose Vorzugsaktien. Sie fordern eine Besteuerung erst im Moment der Liquidierung von Anteilen und mittels Kapitalertragsteuer. Und sie schlagen Freibeträge vor, wenn Mitarbeiter ihr Geld aus Beteiligungen in Start-ups reinvestieren.

    Grafik


    Aus Angestellten sollen Gründer und Investoren werden. Das ist das Hauptargument, mit dem die Start-ups Steuervorteile rechtfertigen wollen. Laut Umfrage passiert das bereits: 38 Prozent der Teilnehmer, die in der Vergangenheit von Mitarbeiterbeteiligungen profitiert haben, haben mit dem Geld selbst gegründet oder dieses investiert.

    Die Erhebung hat der Start-up-Verband zusammen mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), dem Inkubator BCG Digital Ventures, der Internet Economy Foundation (IE.F) und der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller durchgeführt. Sie erfolgte zwar nicht nach wissenschaftlichen Standards. Vielmehr handelt es sich um eine aufwendige Kampagne.

    Aber Andreas Kuckertz, Professor für Unternehmensgründungen an der Universität Hohenheim, bekräftigt das Ergebnis: „Denken Sie an all diejenigen, die früh als Mitarbeiter an erfolgreichen Silicon-Valley-Start-ups beteiligt waren und damit sehr reich geworden sind. Wir beobachten unter diesen Personen, dass sie die Mittel wieder in neue Start-ups investieren, auch als Gründer“, sagt er.


    Politik hat Bereitschaft zu Änderungen signalisiert

    Christian Miele nennt die eigenen Forderungen „ambitioniert“. Sie sollen die Situation für Start-ups nicht nur verbessern, sondern ihnen international sogar einen Vorsprung verschaffen. Aber er will die deutsche Politik damit bewusst herausfordern: „Einerseits wollen wir mit der Digitalisierung künftig unsere Wettbewerbsfähigkeit und unseren Wohlstand sichern. Andererseits sind wir bei Mitarbeiterbeteiligungen schlechter als andere. Wie passt das zusammen?“, fragt er.

    Die Regierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, neue Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung zu prüfen. Gerade hat der Koalitionsausschuss Verbesserungen für Mitarbeiterbeteiligungen allgemein angekündigt und will auch auf die besondere Situation von Start-ups eingehen. Nun geht es für die Start-up-Szene darum, die Rahmenbedingungen mitzugestalten.

    Laut Umfrage des Verbands bieten 58 Prozent der Gründer in Deutschland schon Mitarbeiterbeteiligungen an. Unter besseren Rahmenbedingungen würden aber 88 Prozent der Gründer ein solches Angebot machen.

    Auch Gründern wie Reck, der schon alle 700 Mitarbeiter virtuell beteiligt hat, würde das noch helfen: „Mit den Top 30, 40 Mitarbeitern verhandeln wir nicht mehr über das Gehalt, denen geht es nur um die Beteiligungen.“ Getyourguide ist eines der wertvollsten deutschen Start-ups und gilt als Einhorn, wird also mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Wie stark die Angestellten und die deutsche Start-up-Szene insgesamt von einem möglichen Börsengang profitieren können, ist noch offen.

    Mehr: Start-ups müssen der Gesellschaft auch etwas zurückgeben.

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    1 Kommentar zu "Appell an Altmaier: So will die Gründerszene Deutschland zur Digitalisierungshochburg machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es wird geclaimt dass diese Mitarbeiter auf Lohn verzichten würden. Wie wäre es wenn sie nicht verzichten würden und den Über-Lohn in Geld ins Unternehmen stecken würden? Wie ein richtiger Investor. Dann würde selbstverständlich Lohnsteuer gezahlt worden sein und nur das Netto wäre investiert. Bei dieser Kampagne scheint es mehr um Vorteile der Venturegesellschaften zu gehen.

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