Wasserstoff-Gipfel: Wie die Bundesregierung energieintensiven Unternehmen helfen will
Noch mangelt es an der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff. Die Bundesregierung will nun eingreifen.
Foto: HandelsblattDie Bundesregierung stellt den energieintensiven Unternehmen in Deutschland umfassende Hilfen in Aussicht, damit sie das Ziel der Klimaneutralität erreichen können. „Wir werden den Transformationsprozess der Industrie mit massivem Mitteleinsatz unterstützen. Dabei geht es um eine Förderung sowohl von Investitionen als auch Betriebskosten“, sagte Stefan Kaufmann, Wasserstoffbeauftragter der Bundesregierung, dem Handelsblatt. „Die Industrie muss sich jetzt auf die Transformation einstellen können, es stehen kurzfristig wichtige Investitionsentscheidungen an“, ergänzte der CDU-Politiker.
Die betroffenen Firmen aus Branchen wie Stahl, Chemie, Zement, Glas, Kupfer oder Aluminium betonen, dass sie auf Hilfe angewiesen sind. Sie haben zuletzt erhebliche Zweifel geäußert, ob es der Bundesregierung gelingt, noch rechtzeitig verlässliche Konzepte zu entwickeln.
Die Unternehmen sind in einer schwierigen Situation. Investitionen in konventionelle Technik scheiden wegen der gestiegenen Klimaschutzanforderungen aus. Klimafreundliche Verfahren aber, die etwa auf dem Einsatz von klimaneutralem Wasserstoff basieren, sind viel teurer. Das betrifft die Investitionen selbst, aber auch die laufenden Kosten. Die Produkte wären international nicht wettbewerbsfähig. Die Lücke muss nach Überzeugung der Unternehmen der Staat füllen. Das Thema wird auch beim Wasserstoff-Gipfel des Handelsblatts diskutiert, der heute beginnt.
„Differenzverträge bieten sich als Instrument an“
Kaufmann setzt auf ein von den Unternehmen favorisiertes Mittel, um den Transformationsprozess zu unterstützen: „Differenzverträge bieten sich als Instrument an.“ Im Fachjargon werden diese meist Carbon Contracts for Difference (CCfDs) genannt. Sie gleichen die Mehrkosten des Umstiegs auf klimaneutrale Prozesse ganz oder teilweise aus und können für die Investition in eine neue Anlage genutzt werden, aber auch für den Ausgleich höherer Betriebskosten. Der CCfD wird zwischen Staat und Unternehmen geschlossen.
Kaufmann verwies auf eine entsprechende Förderrichtlinie, die derzeit im Bundesumweltministerium erarbeitet wird. Ob es tatsächlich gelingt, ein brauchbares Instrument zu entwerfen, hänge von der EU ab: „Am Ende kommt es sehr darauf an, dass die Kommission mitspielt“, sagte er. Das europäische Beihilferecht erweise sich als Bremsklotz. „Die EU-Kommission sortiert sich in dieser Frage gerade. Es muss eine vordringliche Aufgabe der Bundesregierung sein, eine Reform des europäischen Beihilferechts voranzutreiben“, sagte Kaufmann.
Die Befürchtung der Wirtschaft, der Transformationspfad zur Klimaneutralität scheitere daran, dass es an grünem Wasserstoff fehle, teilt Kaufmann nicht. Ende des Jahrzehnts werde es relevante Mengen geben. Die Verfügbarkeit gehöre zu den Grundvoraussetzungen, um den Wandel zu Klimaneutralität hinzubekommen.
Der Wasserstoffbeauftragte setzt dabei auf Wasserstoffpartnerschaften. Es gebe vielversprechende Entwicklungen in Ländern wie Australien, Kanada oder Saudi-Arabien, „an denen deutsche Unternehmen maßgeblich beteiligt sind“. Auch in Afrika seien die Potenziale groß.
Für eine Übergangsphase sei es auch möglich, nicht allein auf grünen Wasserstoff zu setzen, sagte Kaufmann. „Sollten deutsche Unternehmen beispielsweise blauen Wasserstoff aus Norwegen oder den Niederlanden kaufen, dann ist das eine marktgetriebene Entscheidung, die wir nicht verhindern werden.“