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Wissenschaftszentrum Berlin Studie: Reisebeschränkungen sind wirksam gegen Corona-Ausbreitung

Länder, die früh auf Reisebeschränkungen setzten, habe eine geringere Sterblichkeitsrate. Eine Quarantänepflicht scheint dabei wirksamer zu sein als Einreiseverbote.
16.10.2020 - 12:44 Uhr Kommentieren
„Reisebeschränkungen sollte ein viel größeres Gewicht beigemessen werden.“ Quelle: dpa
Reisende im internationalen Flughafen von Honolulu

„Reisebeschränkungen sollte ein viel größeres Gewicht beigemessen werden.“

(Foto: dpa)

Berlin Frühzeitige Reisebeschränkungen haben wesentlich dazu beigetragen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die durch Covid-19 verursachten Todesfälle niedrig zu halten. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin. Demnach hatten Länder, die bereits im Februar oder Anfang März Einreisebeschränkungen verhängten, bis zur Jahresmitte deutlich weniger Corona-Tote zu beklagen, ergab die Untersuchung von Reisebeschränkungen und Sterberaten in 181 Ländern. 

Vergleiche man die Gruppe der Länder, die bis Anfang März Reisebeschränkungen einführten, mit der Gruppe jener Länder, die dies erst später oder auch gar nicht taten, zeige sich: Die Mortalität ist in der ersten Ländergruppe um etwa gut 60 Prozent niedriger als in der zweiten Gruppe, so Autor Ruud Koopmans, Direktor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Bis Mitte März 2020 äußerten sich die Weltgesundheitsorganisation WHO, die EU und auch zuständige Behörden in Deutschland immer wieder, dass sich das Virus durch Grenzschließungen nicht aufhalten lasse. „Diese Annahme war ein fataler Irrtum“, sagt Koopmans nun. Er fordert daher: „Reisebeschränkungen sollte ein viel größeres Gewicht beigemessen werden. Das gilt für die Eindämmung bevorstehender Wellen der aktuellen Pandemie, aber auch für ähnliche Pandemien in Zukunft.“

In seiner Studie wendet Koopmans soziologische Theorien auf die Verbreitung von Covid-19 an und liefert damit eine Erklärung für die zum Teil erheblichen internationalen Mortalitätsunterschiede. Länder, die stark dem internationalen Reise- und Tourismusverkehr ausgesetzt sind – wie Frankreich, Italien und die USA – haben deutlich mehr Todesfälle infolge von Covid-19 zu verzeichnen. Dagegen verzeichnen Länder mit einem niedrigen Reiseverkehrsaufkommen sowie Inselstaaten wesentlich niedrigere Sterblichkeitsraten.

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    Angesichts dieser großen Bedeutung von Reiseverkehrsströmen untersucht die Studie die Wirkung von Einreiseverboten und verpflichtenden Quarantänen für Reiserückkehrer in Bezug auf die Zahl der Todesfälle durch das Virus. Diese Maßnahmen seien umso wirksamer gewesen, je früher ein Land reagiert habe, so das Ergebnis der Studie. Entscheidend sei dabei gewesen, dass die Reisebeschränkungen zu einem Zeitpunkt erfolgten, als die lokale Verbreitung des Virus noch überschaubar gewesen war. 

    Zu den Ländern, die frühzeitig Reisebeschränkungen einführten und dadurch die Todesfälle erheblich begrenzen konnten, gehören zum Beispiel Australien, Israel und Tschechien. Länder, die spät reagierten, sind etwa Großbritannien, Frankreich und Brasilien. Auch Deutschland führte Reisebeschränkungen eher spät ein, jedoch im Verhältnis früher als ebenjene Länder.

    Die Studie liefert auch Hinweise darauf, welche Art von Reisebeschränkungen den größten Effekt hatten. So erzielten obligatorische Quarantänen für Einreisende mehr Wirkung als Einreiseverbote. Der Grund dafür dürfte sein, dass Einreiseverbote oft Ausnahmen für zurückkehrende Bürger enthalten, vermuten die Forscher.

    Im Gegensatz dazu gelten Quarantäne-Maßnahmen in der Regel für alle Einreisenden, unabhängig von ihrer Nationalität oder ihrem Aufenthaltsstatus. Die Studie zeigt ebenfalls, dass gezielte Reisebeschränkungen – die die WZB-Autoren anhand von Einreiseverboten und Quarantänen für Reisende aus China und Italien untersuchten – effizienter waren als Beschränkungen, die auf alle ausländischen Länder abzielten.

    Mehr: Es ist in der Coronakrise dringend Zeit für den Strategiewechsel. Ein Kommentar von Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.

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