Energieversorgung: Neue Zahlen: Gas reicht wohl „in diesem und im nächsten Winter“
Reicht das Gas in Europa für den Winter?
Foto: Gilles ROLLE/REA/laifBerlin. Russland kürzt erneut: Der Staatskonzern Gazprom schickt ab Mittwoch nur noch 20 Prozent der vollen Kapazität über die Ostseepipeline Nord Stream 1. Die Hoffnung, in Deutschland könnten die Gaslieferungen nach der Pipelinewartung wieder vollständig ankommen, schwindet damit. Im Gegenzug wächst die Sorge, ob das Gas für den Winter reicht.
Eine vorsichtige Entwarnung kommt jetzt von den vier führenden deutschen Wirtschaftsinstituten. Sie haben berechnet, was passiert, wenn die russischen Gaslieferungen dauerhaft bei 20 Prozent blieben. Das Ergebnis von IWH Halle, RWI Essen, IfW Kiel und Ifo München: Im wahrscheinlichsten Fall kommt es nicht zu einem Gasmangel im Winter.
„Wenn unsere Annahmen so eintreten, würde das Gas sowohl in diesem als auch im nächsten Winter reichen“, sagte IWH-Ökonom Christoph Schult, der die Berechnungen durchgeführt hat. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.
Gas: Im Worst Case würden Deutschland sieben Milliarden Kubikmeter fehlen
Es bleibt jedoch ein Restrisiko. Die Berechnungen zeigen: Mit einer Wahrscheinlichkeit, von deutlich unter 20 Prozent kann es doch zu Szenarien kommen, in denen das Gas nicht reicht. Gaslücken würden dann im April, Mai und Dezember 2023 auftreten. Im ungünstigsten Fall würden dann sieben Milliarden Kubikmeter Gas fehlen. Zum Vergleich: 2021 hat Deutschland 90,5 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. „Da müsste allerdings schon sehr vieles schiefgehen“, sagte IfW-Vizepräsident Stefan Kooths.