Handelskrieg: Mexiko ist verärgert über US-Zölle und plant Gegenmaßnahmen
Mexiko-Stadt. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum reagierte am Dienstag erkennbar verstimmt auf die Verhängung der von US-Präsident Donald Trump zuvor bereits angedrohten Zölle. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, sagte sie. Diese Strafzahlungen seien „beleidigend, diffamierend und unbegründet“ und verstießen gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA, betonte Sheinbaum.
Mexiko wolle keinen „Handelskrieg, der den Menschen nur schadet“, unterstrich sie und kündigte Gegenmaßnahmen an. Ihre Regierung werde von Sonntag an mit „tarifären und nicht tarifären Maßnahmen“ auf die verhängten Zölle reagieren, sagte sie. Am Dienstag waren die US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus Mexiko in Kraft getreten.
Sheinbaum will allerdings nach eigener Aussage noch einmal versuchen, Trump in einem Gespräch umzustimmen. „Mit der US-Entscheidung gewinnt niemand“, unterstrich sie - am wenigsten die Verbraucher in den Vereinigten Staaten. Im Februar war es ihr gelungen, einen Aufschub der Zölle um einen Monat zu erreichen.
Mexiko hatte in der Zwischenzeit zahlreiche Zugeständnisse an die USA gemacht. So lieferte die Regierung in Mexiko-Stadt 29 Kartellbosse aus, sicherte darüber hinaus die Nordgrenze des Landes mit Tausenden Nationalgardisten. Die Regierung beschlagnahmte ferner die Droge Fentanyl in nie gesehenem Ausmaß. Auch bremst Mexiko nach eigener Angabe Investitionen aus China aus.
Für Mexiko ist der Beginn eines Handelskrieges mit dem seit Jahrzehnten aufs engste verbundenen Wirtschaftspartner ein harter Schlag. Das Land liefert über 80 Prozent seiner Exporte in die USA, vor allem Autos und Autoteile sowie Haushaltswaren. Auch für die USA ist Mexiko bedeutender Handelspartner. Die beiden Länder tauschen pro Jahr Waren im Wert von rund 740 Milliarden Dollar.
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Für die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas dürften Trumps Strafzölle allerdings existenzbedrohend werden. Analysten fürchten, dass die Strafabgaben das mexikanische Wirtschaftsmodell zum Kippen bringen, das Land in eine Rezession stürzen. Das Researchhaus Moody's Analytics schätzt, dass die jetzt erhobenen Zölle die mexikanische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,5 bis ein Prozent schrumpfen lassen. Im Jahr 2024 ist das Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent gestiegen.
Die Einführung der Zölle setzten denn auch die Finanzmärkte unter Druck. Die Währung Peso verlor gegenüber dem US-Dollar um bis zu zwei Prozent und bewegte sich im Tagesverlauf auf einem Ein-Monatstief. Auch der führende Aktienindex des Lande IPC verlor zunächst ein Prozent. Später erholte sich der Index allerdings wieder. Aktuell preisen Investoren die Folgen der Zölle noch nicht wirklich ein, sagt Währungsexperte Brad Bechtel von der US-Investmentbank Jefferies. Offenbar setzten sie noch auf einen Verhandlungserfolg von Präsidentin Sheinbaum.
Dauerhafte US-Zölle hätten massive Folgen für die Wirtschaft
Wenn allerdings die Zölle blieben, dürften neben den Exporten auch ausländische Direktinvestitionen FDI zurückgehen, erwarten Analysten. Und falls weitere Zölle auf bestimmte Produkte wie Stahl und Aluminium in Kraft treten, fürchten sie einen Kaskadeneffekt auf andere Branchen wie die Automobilindustrie, das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und den Technologiesektor.
Von den Folgen der Zölle werden auch Hunderte deutsche Unternehmen betroffen sein, die von Mexiko aus in die USA exportieren. Alle großen deutschen Autobauer unterhalten in Mexiko Werke. Bis zur Endfertigung wechseln die Komponenten eines Fahrzeugs oft mehrfach die Grenze.
Die Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer hatte bereits im Februar erklärt, dass Zölle für viele der 2100 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung im Land „ein harter Schlag“ seien und die „Attraktivität des Produktionsstandortes Mexiko“ schädigten.
Die Mehrzahl der deutschen Unternehmen beliefert von Mexiko aus den US-Markt. Mexiko ist seit Jahren der wichtigste Investitionsstandort der deutschen Wirtschaft in Lateinamerika. Allein seit der Jahrtausendwende haben die Unternehmen mehr als 45 Milliarden Dollar im Land investiert.