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Afghanistankonflikt Taliban und Afghanistans Regierung beginnen Friedensgespräche

Jahrelang lehnten die aufständischen Taliban Verhandlungen mit der Regierung ab. Nun haben die Konfliktparteien erstmals Friedensgespräche aufgenommen.
12.09.2020 Update: 12.09.2020 - 16:08 Uhr Kommentieren
Sher Mohammad Abbas Stanikzai (5.v.r), Verhandlungsführer der Taliban, nimmt mit seiner Delegation an der Eröffnungssitzung der Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban teil. Quelle: dpa
Friedensgespräche

Sher Mohammad Abbas Stanikzai (5.v.r), Verhandlungsführer der Taliban, nimmt mit seiner Delegation an der Eröffnungssitzung der Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban teil.

(Foto: dpa)

Doha, Brüssel Fast zwei Jahrzehnte nach der US-geführten Militärinvasion Afghanistans haben in Katar innerafghanische Friedensgespräche begonnen. Delegationen der Taliban und der Regierung Afghanistans kamen am Samstag in Doha für eine Eröffnungszeremonie zusammen.

US-Außenminister Mike Pompeo forderte die Konfliktparteien auf, den historischen Moment zu nutzen und den Friedensprozess zu schützen. „Wir hoffen, dass dieses Kapitel ein Kapitel der Versöhnung und des Fortschritts ist und nicht eine weitere Chronik der Tränen und des Blutvergießens“, sagte Pompeo, der in Doha als Gast geladen war. Außenminister Heiko Maas (SPD) forderte, dass Frauenrechte und Minderheiten geschützt werden. Doch „nur das afghanische Volk kann über seine Zukunft entscheiden“, sagte Maas per Video.

Delegationen beider Seiten trafen sich nach dem Auftakt bereits in großer Runde, wie die Deutsche Presse-Agentur aus gut informierten Diplomatenkreisen erfuhr. Die Atmosphäre soll entspannt gewesen sein, es seien sogar Witze gemacht und gelacht worden. Dennoch war der Ernst während der öffentlichen Veranstaltung zu spüren, beide 21-köpfigen Teams hatten sich in den vergangenen Wochen akribisch vorbereitet.

Der Beginn der Gespräche ist mit großen Hoffnungen verbunden. Die Regierung hat einen Waffenstillstand als Forderung zur obersten Priorität gemacht, wie der Chef-Unterhändler der afghanischen Regierung, Masum Staneksai, in Doha sagte.

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    Der Vorsitzende des afghanischen Hohen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, bezeichnete den Beginn der Friedensgespräche in Doha als einen Moment, der in Afghanistans Geschichte als Ende der Gewalt eingehen werde. „Wir sind mit gutem Willen und in guter Absicht hierher gekommen, um das 40-jährige Blutvergießen zu beenden und einen landesweiten und dauerhaften Frieden zu erreichen“, sagte Abdullah.

    Taliban blicken gespannt auf nächstes Treffen

    Taliban-Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar sagte, dass die militante Gruppe die Friedensverhandlungen ehrlich weiterführen wird. „Wir wollen, dass Afghanistan in Zukunft in der Region und auch mit anderen Ländern der Welt ein positives und auf gegenseitigem Respekt basierendes Verhältnis hat“, sagte Baradar.

    Auf das nächste Treffen, das bereits an diesem Sonntag in kleiner Runde stattfinden soll, blicken die Taliban gespannt. „Wir sind hoffnungsvoll für die künftigen Verhandlungen und hoffen, dass beide Seiten zeigen, dass sie sich auf gemeinsame Werte einigen, um die Probleme Afghanistans zu lösen“, sagte ein Mitglied der Taliban-Delegation, Suhail Schahin, der Deutschen Presse-Agentur.

    Das Golfemirat Katar als Gastgeber ist eines von fünf Ländern, die sich für die Friedensgespräche engagieren. Auch Deutschland, Norwegen, Usbekistan und Indonesien gehören zu der Gruppe. Die Nationen unterstützen den Friedensprozess als Vermittler, wollen aber in die direkten Verhandlungen nicht eingreifen. Bereits im Juli 2019 wurde eine von Katar und Deutschland ausgerichtete Konferenz in Doha veranstaltet. Katar betonte, dass ihnen Neutralität wichtig sei.

    Ein Abkommen der Taliban mit den USA von Ende Februar verpflichtete die Islamisten zur Aufnahme der Friedensverhandlungen mit Kabul. Die Vereinigten Staaten wollen ihre Soldaten abziehen; erst am Donnerstag kündigte US-Präsident Donald Trump einen weiteren Truppenabbau an.

    Trump, wirbt im derzeitigen US-Wahlkampf damit, die „endlosen Kriege“ zu beenden. Dass die Gespräche nun beginnen, ist das wichtigste Zugeständnis, dass die Amerikaner den Taliban im Gegenzug für ihr Abzugsversprechen abringen konnten.

    Nato will Friedensprozess weiterhin unterstützen

    Die Verhandlungen der afghanischen Regierung und der Taliban in Doha seien ein wichtiger Schritt für dauerhaften Frieden und Stabilität in Afghanistan, erklärte der Nordatlantikrat der Nato am Samstag in Brüssel. Das Niveau der Gewalt sei aber immer noch zu hoch. „Wir rufen die Taliban auf, entscheidende Schritte für ein Ende der Gewalt zu unternehmen“, hieß es weiter.

    Zum möglichen Abzug der Nato-Truppen erklärte der Nordatlantikrat: „Wir werden weiter über unsere Militärpräsenz beraten und sie, sollten es die Umstände erlauben, anpassen, um diesen von Afghanen verantworteten und von Afghanen geführten Friedensprozess zu unterstützen. Wir sind zusammen nach Afghanistan hineingegangen, wir passen gemeinsam an und, wenn die Bedingungen stimmen, werden wir zusammen rausgehen.“

    Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nannte den Beginn der Gespräche in Doha einen „bahnbrechenden Moment“ und den Anfang eines echten Friedensprozesses. Die Europäische Union fordere die Parteien auf, dies mit einer sofortigen umfassenden und bedingungslosen Waffenruhe zu begleiten. Eine Verringerung der Gewalt sei nicht genug. Der Prozess müsse von Afghanen verantwortet und geführt werden und seit 2001 erreichte Fortschritte erhalten.

    Bis zuletzt ging der Konflikt in Afghanistan brutal weiter. Ein Gefangenenaustausch, der vor den Gesprächen eigentlich Vertrauen aufbauen sollte, hatte für erhebliche Verzögerungen geführt. Die Taliban hatten seit dem Abkommen mit den USA zwar keine Nato-Soldaten mehr getötet, ihren Kampf gegen die afghanischen Sicherheitskräfte aber intensiv weitergeführt. Jahrelang hatten die Islamisten Gespräche mit Kabul abgelehnt und die Regierung als „Marionette des Westens“ bezeichnet.

    Mehr: Was in der Debatte um Boltons Enthüllungsbuch bislang unterging.

    • dpa
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