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Belastetes Verhältnis Syrien-Konflikt: Der Ton zwischen der Türkei und Russland wird schärfer

Es knirscht gewaltig zwischen Moskau und Ankara. In Kiew solidarisiert sich der türkische Präsident Erdogan mit der Ukraine und kritisiert Russlands Vorgehen in Syrien.
04.02.2020 - 16:26 Uhr Kommentieren
Der türkische Präsident geht auf Konfrontationskurs zu Russland. Quelle: dpa
Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident geht auf Konfrontationskurs zu Russland.

(Foto: dpa)

Moskau, Istanbul „Slawa Ukraine“ („Ruhm der Ukraine“) begrüßte Recep Tayyip Erdogan in Kiew die Ehrengarde. Ein vielkehliges „Slawa Herojam“ („Ruhm den Helden“) schallte ihm entgegen. Der Gruß stammt noch aus den Zeiten, als ukrainische Nationalisten während und nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetmacht kämpften.

Zu neuer Popularität gelangte der Spruch während der Bürgerproteste 2014, die zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch und zum Bruch zwischen Russland und der Ukraine führten. Der türkische Staatschef dürfte den Gruß als bewussten Affront gegenüber Moskau gewählt haben.

Der gesamte Besuch Erdogans war überschattet vom sich zunehmend verschlechternden russisch-türkischen Verhältnis. Eigentlich sollten die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und der Ukraine im Mittelpunkt stehen. Doch es dominierten die Sticheleien Erdogans Richtung Moskau. So kritisierte er in Kiew noch einmal dezidiert die „illegale Annexion der Krim“ durch Russland.

Die Türkei setze sich für die territoriale Unversehrtheit der Ukraine ein und sei besorgt über die Lage der Krimtataren, erklärte der türkische Präsident. In diesen Punkten würden Ankara und Kiew zusammenarbeiten, versprach Erdogan.

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    Die Episoden zeigen, wie angespannt das Verhältnis zwischen der Türkei und Russland derzeit ist, nachdem Erdogan und der russische Staatschef Wladimir Putin sich Anfang Januar noch in ungewohnter Einheit für eine Waffenruhe in Libyen eingesetzt hatten. Doch weder in Libyen schweigen die Waffen, noch im Bürgerkriegsland Syrien.

    Erste türkische Soldaten umgekommen

    Dort werden die selbst ernannten Partner Russland und Türkei mehr und mehr zu Rivalen: In der Region Idlib sind bei Angriffen der syrischen Armee am Montagmorgen sechs türkische Soldaten ums Leben gekommen. Es war die erste direkte Konfrontation zwischen der Türkei und dem Assad-Regime in dem Krieg. Und sie könnte weitreichende Folgen haben.

    Erdogan macht für die Toten auch Russland verantwortlich. „Wir waren geduldig. Wegen der Attacken des syrischen Regimes, vor denen Russland seine Augen verschließt, fliehen mehr als eine Million Menschen zu unseren Grenzen“, kritisierte er von Kiew aus die Kremlpolitik. Die Türkei werde sich mit dem Tod ihrer Militärs nicht abfinden. Die Türken haben bereits am Montag Gegenschläge gegen die syrische Armee gestartet und Erdogan warnte Russland, „sich nicht in den Weg zu stellen“.

    Idlib: Türkisches Militär tötet 76 syrische Soldaten bei Vergeltungsschlag

    In Syrien prallen im Falle der Türkei sowohl innen- als auch außenpolitische Interessen aufeinander. Einerseits muss Ankara den Flüchtlingsstrom ins eigene Land aufhalten. Das ist auch wichtig, damit Erdogans regierende AKP der oppositionellen CHP keine Angriffsfläche bietet. Die CHP hatte in den vergangenen Wahlkämpfen gegen die Schutzsuchenden gewettert. Andererseits verfolgt Präsident Erdogan in der Region inzwischen eine Doktrin, die als präemptiv bezeichnet werden kann: Jede mögliche Bedrohung für die Türkei soll möglichst noch vor ihrem Erreichen mit allen Mitteln bekämpft werden.

    In Syrien ist das der Kampf gegen Terrorgruppen wie der IS oder die PKK. Im Mittelmeer wäre das analog die Suche nach Erdgas durch verschiedene Anrainerstaaten. Ankara versucht hier derzeit, mit Bohr- und Kriegsschiffen ein eigenes Revier zu markieren. 

    In Syrien sorgt die Doktrin dafür, dass Erdogan immer wieder mit Putin aneinandergerät. Nun kommt hinzu, dass der syrische Zentralstaat unter Assad inzwischen wieder derart erstarkt ist, dass er sich Erstschläge gegen das Nato-Mitglied Türkei zutraut. Und hier kommt der Westen ins Spiel: Die türkischen Truppen sind auch deswegen noch in Syrien stationiert, weil kein einziges anderes europäisches Land mehr dort aktiv ist.

    Offener Konflikt mit Russland droht

    Der Vorfall mit mehreren toten türkischen Soldaten könnte daher weitreichende Folgen haben. Ankara könnte seine alten Partner erneut um mehr Unterstützung bitten.

    Dies würde unweigerlich zu einem offenen Konflikt mit Russland führen, das dort mehr und mehr die Kontrolle übernommen hat. Schon 2015 nach dem Beginn der russischen Luftangriffe kam es zu einer direkten Konfrontation zwischen russischen und türkischen Militärs.

    Die Türken schossen damals ein russisches Kampfflugzeug ab, woraufhin das türkisch-russische Verhältnis für etwa ein Jahr extrem gespannt war. Russland führte Sanktionen gegen die Türkei ein und stellte zur Abschreckung moderne Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 in Syrien auf, um seine Militäroperationen abzudecken.

    Erst nach einer Entschuldigung Erdogans und auf der Basis ihrer gemeinsame Ablehnung des Westens lockerten sich die Beziehungen langsam wieder. Ankara und Moskau vereinbarten – zusammen mit dem Iran als drittem Akteur in der Region – eine Kooperation in Syrien und steckten die Interessensphären ab. Doch inzwischen zeigt sich, dass die Interessen nur zeitweise übereinstimmten.

    Das gleiche trifft auf Libyen zu, wo sich Russland und die Türkei auch immer stärker in Gegensätze verwickeln. Russland unterstützt dort den aufständischen General Chalifa Haftar. Erdogan hingegen kündigte im Januar Militärhilfe für die Regierung in Tripolis unter Fajis al-Sarradsch an. Vorerst schwelt dieser Konflikt auf kleiner Flamme.

    Russland und die Türkei haben sich zu einer diplomatischen Lösung bereit erklärt. Doch wenn die Lage in Syrien eskaliert, dann dürften Putin und Erdogan den Kampf um Einflusssphären auch aktiv auf Libyen ausweiten.

    Mehr: US-Streitkräfte sollen wieder Landminen unbegrenzt nutzen.

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