Bonitätsbewertung: China droht Rating-Herabstufung
Frankfurt. Chinas Führung bemüht sich seit Monaten, die ökonomischen Aussichten der Volksrepublik trotz schwächelnder Wirtschaft und einer umfangreichen Immobilienkrise möglichst positiv darzustellen. Doch nun droht eine schlechtere Bonitätsnote der US-Ratingagentur Moody’s.
Die Agentur senkte am Dienstag ihre Aussichten für die Bonitätsbewertung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt von „stabil“ auf „negativ“ – und begründete diesen Schritt mit den Risiken im Immobiliensektor und beim Wirtschaftswachstum. Das chinesische Finanzministerium reagierte in einer ersten Stellungnahme mit Kritik.
Moody’s teilte mit, es gebe zunehmend Anzeichen dafür, dass die Regierung in Peking schwache Regionen finanziell unterstützen werde, was „weitreichende Abwärtsrisiken für Chinas fiskalische, wirtschaftliche und institutionelle Stärke“ mit sich bringe. Peking steht derzeit unter Druck, den überhitzten Immobilienmarkt weiter abzukühlen und zugleich die Schuldenkrise in finanziell klammen Provinzen abzumildern.
Einnahmequelle der Regionen ist versiegt
Viele Regionalregierungen hatten im Immobiliengeschäft durch den Verkauf von Land lange viel Geld verdient – diese Einnahmequelle ist nun weitgehend versiegt. Zugleich kämpft China mit den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie.
Nach der Erklärung von Moody’s teilte das chinesische Finanzministerium mit, man sei „enttäuscht über diese Entscheidung“. Chinas Wirtschaft erhole sich weiter, und „die qualitativ hochwertige Entwicklung schreitet stetig voran“. Und weiter: „Es ist unnötig, dass sich Moody’s Sorgen um Chinas wirtschaftliche Wachstumsaussichten und fiskalische Nachhaltigkeit macht.“
Chinas langfristige Wirtschaftsdaten hätten sich nicht geändert, die Volksrepublik sei „auch in Zukunft ein wichtiger Motor für das globale Wirtschaftswachstum“. Die Folgen des verlangsamten Immobiliengeschäfts auf die Haushalte der lokalen Regierungen und Pekings seien „kontrollierbar“, erklärte das Finanzministerium.
Wirtschaft kommt schwerer in Gang als erhofft
Chinas Führung rechnet weiter mit einem Wirtschaftswachstum von fünf Prozent für das laufende Jahr. Moody’s erwartet vier Prozent für die kommenden beiden Jahre 2024 und 2025. Viele Analysten rechnen mit einer baldigen Erholung der chinesischen Wirtschaft – und halten das Fünfprozentziel der Pekinger Regierung für realistisch. Allerdings kommt die Wirtschaft nach der Coronapandemie schwerer in Gang als erhofft.
Die Verunsicherung ist nach wie vor groß: Internationale Investoren haben in den vergangenen vier Monaten mehr als 22 Milliarden Euro von den chinesischen Festlandbörsen abgezogen. Chinas Leitindex CSI 300, der die meistgehandelten Aktien an den Standorten Shenzhen und Shanghai umfasst, hat seit Jahresbeginn mehr als zehn Prozent verloren. Der Index sank am Dienstag nach der Moody’s-Erklärung um 1,9 Prozent – und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2019.