Bundespräsident: Gauck erwartet von Brasilien offeneren Handel
Bundespräsident Joachim Gauck betonte die gemeinsamen Werte Brasiliens und Deutschlands.
Foto: apSão Paulo. Bundespräsident Joachim Gauck hat Brasilien aufgefordert, seine Märkte weiter zu öffnen. Gauck sagte am Montag in São Paulo zum Auftakt der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage, brasilianische Unternehmen, die sich in Europa engagierten, profitierten von offenen Märkten. Er wolle hier, in Brasilien, dazu ermutigen, ebenfalls „die Bedingungen für freien Handel und Austausch weiter zu verbessern“.
Gauck sagte im Beisein von Präsidentin Dilma Rousseff weiter, wenn es Brasilien gelinge, weitere Wachstums- und Wohlstandbarrieren aus dem Weg zu räumen, dann werde die Bedeutung Brasiliens für die Weltwirtschaft noch weiter wachsen. Gauck machte deutlich, dass Deutschland umgekehrt Brasilien bei seinen Ambitionen in den internationalen Organisationen unterstützen wolle - etwa beim Bemühen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
Rousseff verwies selbstbewusst auf die Reduzierung der Staatsschulden von 64 auf 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - „wo wir doch weltweit eine hohe Verschuldung sehen“. Dabei hatte sie wohl vor allem die USA und Europa vor Augen.
Von deutscher Regierungsseite werden Zollbeschränkungen, Bevorzugung brasilianischer Unternehmen, Widerstand Brasiliens bei einem Doppelbesteuerungsabkommen sowie überbordende brasilianische Bürokratie moniert.
Deutschland und Brasilien sollten von einander lernen und gemeinsam wachsen, so wie es in einer guten Partnerschaft sein sollte. „Das Fundament dafür ist unsere Wertegemeinschaft“, sagte der Bundespräsident wiederholt.
Die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen, die eine lange Tradition haben, sind derzeit eingetrübt. Der Besuch Gaucks zum Auftakt des Deutschlandjahres und der 31. deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage in der Elf-Millionen-Metropole São Paulo soll den Beziehungen neuen Schwung geben und die Bedeutung der siebtgrößten Volkswirtschaft für Deutschland unterstreichen - zumal Brasilien gerade dabei ist, auch England und Frankreich zu überholen.
Die rund 1300 vor allem im Großraum São Paulo ansässigen deutschen Firmen - der größte Wirtschaftsstandort außerhalb Deutschlands - sind ein wesentlicher Faktor der brasilianischen Wirtschaft. Brasilien ist zudem Deutschlands größter Handelspartner in Lateinamerika.
Am Abend (Ortszeit) wollte der Bundespräsident das Deutschlandjahr in Brasilien eröffnen, das unter dem Titel „Deutschland + Brasilien 2013-2014“ steht. Es soll ein umfassendes und aktuelles Bild von Deutschland zeigen. Gauck, der zuvor in Kolumbien war, bleibt bis Dienstag in São Paulo und fliegt dann weiter nach Rio de Janeiro.