China: Alles außer Liebe
Shanghai. Eigentlich gibt es in Qingdao auch einen Heiratsmarkt, aber der hier in Shanghai ist der größte, bekannteste und wohl auch erfolgversprechendste in China. Deswegen sind Eric und sein Vater an diesem Samstag mehr als 700 Kilometer in die südchinesische Wirtschaftsmetropole im Jangtse-Delta gefahren, um eine Frau zu finden.
Genauer gesagt: eine Frau für Eric.
Der junge Mann mit dem Bürstenhaarschnitt und der Brille ist 34 Jahre alt und auf den ersten Blick eine wirklich gute Partie. Jahrgang 1990, 185 Zentimeter groß, 75 Kilogramm schwer, seine Figur sportlich. Er ist nicht geschieden, einziges Kind seiner Eltern. Die Familie besitzt mehrere Wohnungen in Qingdao. Eric hat sogar einen Universitätsabschluss vorzuweisen.
Den hat er in Toronto, Kanada, gemacht – und damit fangen die Probleme an. Seine Zukünftige soll nach der Hochzeit mit ihm nach Kanada ziehen. „Das dürfte vielen Eltern nicht gefallen“, sagt Eric schmunzelnd in fließendem Englisch.
Vielen chinesischen Eltern, die nach Jahrzehnten staatlicher Geburtenkontrolle nur einen Sohn oder eine Tochter haben, fällt es schwer, ihr Kind in ein fernes Land zu schicken, das sie vielleicht noch nie gesehen haben. Sie wollen sich in der Heimat um ihre künftigen Enkel kümmern und sie setzen auf die Unterstützung ihrer Kinder im Alter.