China: Wirtschaft schwächelt – Druck auf Regierung in Peking wächst
Peking. Enttäuschende Konjunkturdaten aus China erhöhen den Druck auf die Regierung in Peking, die Wirtschaft mit weiteren Maßnahmen anzukurbeln. Die Industrieproduktion wuchs im August so langsam wie seit zwölf Monaten nicht mehr. Auch die Umsätze im Einzelhandel steigen langsamer. Das zeigen Daten, die Chinas Statistikbehörde (NBS) am Montag veröffentlichte. Sie dürften Forderungen nach einem Konjunkturprogramm wieder lauter werden lassen.
Von „enttäuschenden“ Daten sprach Lynn Song, China-Chefökonom der niederländischen Investmentbank ING. Er fühle sich an die Abschwächung des Wachstums im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres erinnert. Song geht davon aus, dass die jüngste Abkühlung „die Argumente für die Einführung neuer Konjunkturmaßnahmen stärken wird“.
Chinas Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr offiziellen Angaben zufolge um 5,2 Prozent. Zuletzt mehrten sich jedoch Anzeichen, dass sich das Wachstum abschwächt. Ökonomen betonen bereits seit Längerem, dass das offizielle Wachstumsziel von „rund fünf Prozent“ nur mit stärkerer staatlicher Unterstützung erreichbar ist.
Immobilienkrise bremst Chinas Wirtschaft weiter
Vor allem die anhaltende Immobilienkrise belastet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach wie vor schwer. Wie das Statistikbüro in einem separaten Datensatz mitteilte, fielen die Preise für neue Eigenheime im August um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auf Jahresbasis betrug der Rückgang 2,5 Prozent.
Aufgrund der Unsicherheit halten sich viele chinesische Haushalte mit Ausgaben zurück. Deutlich wird das an den geringen Umsätzen im Einzelhandel. Diese legten um 3,4 Prozent zu und damit so langsam wie seit November 2024 nicht mehr.
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Verstärkt wird die Unsicherheit durch die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Im August waren Chinas Exporte in die USA um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Trotz der Zollpause, auf die sich beide Länder geeinigt haben, erheben die USA weiterhin vergleichsweise hohe Zölle auf chinesische Importe. Im Schnitt werden in den USA aktuell Zölle von 50 Prozent auf chinesische Importe fällig, schätzt das Peterson Institute for International Economics (PIIE). In China gilt für US-Importe ein Zoll von zehn Prozent.
Handelsgespräche zwischen China und den USA in Madrid
Vertreter der beiden größten Volkswirtschaften der Welt treffen sich derzeit in Madrid zu einer vierten Runde der Handelsgespräche. Größte Streitpunkte sind dabei neben den Zöllen, Chinas Exportbeschränkungen für Seltene Erden, die US-Tech-Ausfuhrbeschränkungen, ausbleibende chinesische Bestellungen für US-Sojabohnen, die Zukunft der Kurzvideoplattform Tiktok in den USA, sowie chinesische Vorprodukte für die Droge Fentanyl.
Zudem verhandeln beide Seiten über einen möglichen Besuch von US-Präsident Trump in Peking im Herbst.
Der Handelsstreit zwischen China und den USA verschärft auch ein weiteres Problem der Volksrepublik: die Negativspirale aus Überproduktion und ruinösem Preiswettbewerb in vielen Industriebereichen, etwa bei E-Autos und grünen Technologien. Zwar versucht die Staatsführung, dagegen vorzugehen, bislang jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.
Im August wuchs die Industrieproduktion um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dies war der niedrigste Wert seit August 2024. Die Anlageinvestitionen stiegen den Statistikern zufolge in den ersten acht Monaten nur um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Erwartet worden war ein Anstieg von 1,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote legt im August leicht auf 5,3 Prozent zu, nach 5,2 Prozent im Vormonat.
„Der starke Jahresauftakt hält die diesjährigen Wachstumsziele zwar noch in Reichweite“, sagte Ökonom Song. „Jedoch könnten weitere Konjunkturmaßnahmen erforderlich sein.“ Der Chef der staatlichen Planungsbehörde, Zheng Shanjie, hatte vergangene Woche erklärt, Peking werde fiskalpolitische und geldpolitische Maßnahmen in vollem Umfang nutzen, um die jährlichen Wirtschaftsziele zu erreichen.
Mit Material von Reuters.