Coronavirus: 37 Millionen Infektionen täglich in China – Angst vor neuen Virus-Varianten steigt
Die Impfquote in China steigt. Ausländische Impfstoffe möchte die Regierung aber weiterhin nicht einsetzen.
Foto: dpaPeking. China erlebt eine massive Corona-Welle: Nach Schätzungen der Nationalen Gesundheitskommission infizierten sich diese Woche täglich fast 37 Millionen Menschen mit dem Coronavirus. Damit haben sich rund 248 Millionen Chinesen in den ersten 20 Tagen des Dezembers mit Corona angesteckt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Kreisen der wichtigsten chinesischen Gesundheitsbehörde. Das sind fast 18 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Wie die Gesundheitskommission allerdings zu diesen Zahlen kam, ist unklar. Mit der Öffnung Chinas zu Monatsbeginn wurden die PCR-Teststellen geschlossen.
Die stark steigenden Zahlen lassen die Sorgen über die Entwicklung neuer Virus-Varianten wachsen. Chinas Gesundheitsbehörde forderte die Provinzämter auf, regelmäßig Proben des Virus zu analysieren und über die Ergebnisse zu berichten. In einem Telefonat mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi unterstrich US-Außenminister Antony Blinken am Freitag im Umgang mit dem Ausbruch „die Notwendigkeit von Transparenz für die internationale Gemeinschaft“.
Aus Angst vor neuen Virus-Varianten forderte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, einen Stopp der Flugverbindungen mit der Volksrepublik. Die durch die verfehlte Corona-Politik „verursachten explodierenden Covid-Zahlen in China bedrohen die ganze Welt mit einer neuen Infektionswelle“, sagte der CDU-Abgeordnete dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Erst wenn wir sicher sind, dass aus China keine neue, gefährliche Mutation droht, sollten wir die Flugverbindungen wieder aufnehmen.“
Über die Risiken gab es aber auch andere Einschätzungen. „Ich denke nicht, dass die Lage in China eine bedeutende zusätzliche Gefahr für viele andere Länder darstellt“, sagte der britische Medizinprofessor Paul Hunter von der University of East Anglia in Norwich. „Schließlich hat der größte Rest der Welt hybride Immunität“, sagte der Experte und verwies damit auf den Schutz sowohl durch Impfungen als auch Ansteckungen. Neue Varianten entstünden ständig, aber jedes Mal schienen die Fähigkeiten abzunehmen, sagte Hunter.
China will nach neuen Corona-Varianten suchen
Um neue Varianten zu entdecken, wies Chinas Gesundheitsamt die Provinzen an, drei Krankenhäuser in jeweils drei Städten auszuwählen, die jede Woche Proben von 15 Infektionen, zehn schweren Erkrankungen und allen Toten sammeln.
Nach der Entschlüsselung der Genome sollen die Ergebnisse innerhalb einer Woche berichtet werden. So könnten „mögliche Symptome, Übertragungsfähigkeiten und Pathogenität neuer Varianten mit potenziellen biologischen Veränderungen“ in Echtzeit beobachtet werden, sagte der Direktor des Virus-Instituts des Gesundheitsamtes, Xu Wenbo, laut Nachrichtenagentur Xinhua.
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Die Entwicklung in China wird im Ausland mit Sorge betrachtet, da die Regierung das Ausmaß und die Schwere der Infektionswelle herunterspielt. So melden Gesundheitsbehörden nur wenige Tausend Infektionen täglich.
Modellrechnungen des in London ansässigen Forschungsinstituts Airfinity gehen gegenwärtig von wahrscheinlich mehr als einer Million Infektionen und mehr als 5000 Toten am Tag aus. Die Welle wird demnach im Januar und März zwei Höhepunkte mit möglicherweise 3,7 Millionen beziehungsweise 4,2 Millionen Fällen täglich erleben.
Nach fast drei Jahren mit Lockdowns, Zwangsquarantäne und Massentests hatte das bevölkerungsreichste Land am 7. Dezember seine harte Null-Covid-Politik abrupt aufgehoben. Die Kehrtwende wurde damit begründet, dass die Infektionen mit den neuen Omikron-Varianten nicht mehr so schwer verliefen. Doch sahen Experten den Grund vor allem darin, dass die strikten Maßnahmen angesichts der explosionsartigen Ausbreitung nicht mehr durchgehalten werden konnten. Auch hatten die Beschränkungen die zweitgrößte Volkswirtschaft zunehmend belastet.
Seither verbreitet sich das Virus mit hoher Geschwindigkeit im Milliardenvolk. Vielerorts sind Krankenhäuser voll. Modellrechnungen sagen Hunderttausende Tote voraus.
Coronavirus in China: Impfquote steigt
Währenddessen steigt die Impfquote in China, aber Angebote Corona-Impfstoffe aus dem Westen zu nutzen, werden von der Regierung weiter abgelehnt. Chinas inländische Produktion mit Blick auf die medizinische Versorgung werde ausgeweitet und sei im Allgemeinen ausreichend, sagt ein Sprecher des Außenministeriums auf die Frage nach einem Hilfsangebot der USA.
Zuletzt war auch im Gespräch, ob der deutsche Hersteller Biontech seinen Impfstoff an China liefert. Die Regierung in Peking hat aber nicht erkennen lassen, dies in Erwägung zu ziehen. Dennoch sind erste Impfdosen von Biontech aus Deutschland nach China verschickt worden. Mit den Dosen können in China lebende deutsche Staatsbürger geimpft oder geboostert werden, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch in Berlin mit. Derzeit leben rund 20.000 Deutsche in China.
Es ist die erste Freigabe dieser Art für einen westlichen Coronavirus-Impfstoff. Für die Impfung Deutscher mit Biontech hatte sich Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in Peking vergangenen Monat eingesetzt. Die Erlaubnis der chinesischen Behörden bezieht sich nur auf Deutsche.