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Coronavirus-Krise Chinas Wirtschaft bricht so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr ein

Neue Konjunkturdaten zeigen, wie hart die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt von den Folgen der Epidemie im Januar und Februar getroffen worden ist.
16.03.2020 - 18:47 Uhr Kommentieren
Coronakrise Folgen: Chinas Wirtschaft am Tiefpunkt Quelle: dpa
Industrie in China

Die Industrieproduktion in China ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus im Januar und Februar um 13,5 Prozent eingebrochen.

(Foto: dpa)

Peking Die Coronapandemie und ihre Folgen haben der chinesischen Wirtschaft einen harten Schlag versetzt. Wie am Montag veröffentlichte Konjunkturdaten zeigen, brach die Industrieproduktion der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Januar und Februar laut der chinesischen Statistikbehörde um 13,5 Prozent ein – das größte Minus seit 30 Jahren.

Auch der Einzelhandel ist betroffen, die Verkäufe sackten um 20,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab. Investitionen in Anlagen wiederum brachen um 24,5 Prozent ein. Es sind die ersten offiziellen Daten, die zeigen, wie heftig das Coronavirus die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den vergangenen zwei Monaten getroffen hat.

Über mehrere Wochen war die Volksrepublik lahmgelegt. Selbst als die zwangsverlängerten Betriebsferien Mitte Februar beendet waren, konnten Millionen Menschen wegen Quarantänemaßnahmen nicht an ihren Arbeitsort gelangen. Auch der Konsum hat stark gelitten. Die Autoverkäufe brachen im Februar so stark ein wie noch nie.

Teilweise fallen die Konjunkturdaten nun noch schlechter aus als von Experten erwartet. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Mittel mit einem leichten Anstieg der Industrieproduktion von 1,5 Prozent gerechnet. „Es gibt nichts in der Geschichte dieser Daten, das sich mit dieser Sammlung miserabler Zahlen vergleichen ließe“, schreibt Iris Pang, die für China zuständige Volkswirtin der ING Bank.

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    Auch bei den chinesischen Außenhandelszahlen hatte die Krise bereits deutliche Spuren hinterlassen. Nach Angaben der Zollverwaltung Chinas brachen die Exporte im Januar und Februar im Vergleich zu den ersten zwei Monaten des Vorjahres um 17,2 Prozent ein. Die Einfuhren gingen um vier Prozent zurück.

    Obwohl China sich derzeit auf dem Weg zurück zur Normalität befindet und die Zahl der infizierten Personen deutlich gesunken ist, erwarten Beobachter eine schwierige Zeit in den kommenden Monaten.

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    Die chinesische Regierung versucht, mit fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen die Folgen der Coronavirus-Krise für die Wirtschaft einzudämmen. Die Zentralregierung fürchtet vor allem große Jobverluste, die zu sozialen Unruhen und offener Kritik an der Regierung führen könnten. Laut der chinesischen Statistikbehörde stieg die Arbeitslosenquote im Februar bereits auf einen Rekordwert von 6,2 Prozent.

    Neben Nachlässen auf Steuern und Sozialabgaben, die viele Lokalregierungen gewährt haben, wurden zur Unterstützung der Unternehmen auch mehrere geldpolitische Instrumente eingesetzt. Das soll vor allem kurzfristig mehr Liquidität in den Markt bringen. Banken wurden gleichzeitig angewiesen, mehr Kredite auszugeben.

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    Vor allem kleinere Unternehmen haben wegen der extremen Einnahmeausfälle Probleme, ihre Rechnungen zu bezahlen, da sie nur über wenig Rücklagen verfügen. Erst am Freitag hatte die chinesische Zentralbank die Anforderungen an die Mindesteinlagen der Banken, die sogenannte Reserveanforderungsrate (RRR), gelockert. Je geringer die Summe ist, die die Banken halten müssen, desto mehr Geld haben sie zur Verfügung, um es zu verleihen. Es wird erwartet, dass die Senkung 550 Milliarden Yuan (70 Milliarden Euro) an Liquidität freisetzt.

    Doch auch wenn die Wirtschaft durch den Staat gestützt wird und sich der Betrieb in China langsam wieder normalisiert, geben Experten noch keine Entwarnung. Denn im Ausland gibt es nun immer mehr Infizierte und immer striktere Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der weiteren Verbreitung des Coronavirus. Beobachter passten ihre Prognosen für das erste Quartal daher weiter nach unten an. Viele Analysten glauben inzwischen, dass das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf ein Rekordtief von unter sechs Prozent fallen wird. 

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    Die Industrieproduktion werde sich auch im März und April nicht erholen, schätzt etwa ING-Analystin Pang. Denn die Ausbreitung von Covid-19 in fast allen Ländern bedeute einen großen Schock für die globale Nachfrage. Außerdem blieben die globalen Lieferketten immer noch unterbrochen, da viele Fabriken auf der ganzen Welt ihren Betrieb einstellen.

    Entscheidend ist nun, wie die Wirtschaftszahlen in dem so wichtigen Monat März ausfallen. Ein Sprecher der chinesischen Statistikbehörde erwartet, dass dieser Monat „deutlich besser“ ausfallen werde als die ersten zwei Monate des Jahres.

    Mehr: Was Deutschland im Kampf gegen das Coronavirus von Südkorea und Taiwan lernen kann.

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