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Coronavirus Norditaliens Wirtschaft im Ausnahmezustand – „Maßnahmen sind radikal, aber richtig"

Unternehmen versuchen den Spagat zwischen Weitermachen und Regierungsdekret. Die Produktion läuft wieder an, doch unter größeren Hygienevorschriften.
09.03.2020 - 17:12 Uhr Kommentieren
Für die ganze Lombardei und 14 weitere Provinzen, darunter Venedig, Parma und Modena, gilt eine beschränkte Mobilität. Quelle: dpa
Polizeikontrollen in Italien

Für die ganze Lombardei und 14 weitere Provinzen, darunter Venedig, Parma und Modena, gilt eine beschränkte Mobilität.

(Foto: dpa)

Rom Auf zwei Wochen Ausnahmezustand hatten sich die Mailänder eingestellt – mehr nicht. Eigentlich sollte also Normalität einkehren, Schulen und Universitäten wieder öffnen, und vor allem die Wirtschaft in der Lombardei wieder anlaufen. Diese trägt ein Drittel zum italienischen Bruttoinlandsprodukts bei. „Mailand bleibt nicht stehen“ hatte der Bürgermeister als Hashtag in einem viel geklickten Imagefilm gepostet.

Doch es ist noch schlimmer gekommen: Seit diesem Montag sind drastische Maßnahmen in Kraft, die die Regierung in Rom in der Nacht zu Montag beschlossen hatte: Für die ganze Lombardei und 14 weitere Provinzen, darunter Venedig, Parma und Modena, gilt eine beschränkte Mobilität. 

Die „roten Zonen“ sind aufgehoben. Doch jeder, der hinein oder heraus will aus den nunmehr „orangenen Zonen“, muss seine Begründung bei einer der zahlreichen Polizeikontrollen vorzeigen. Die Regelung betrifft immerhin 16 Millionen Menschen. Im Netz gibt es bereits ein Formular zum Ausfüllen.

„Wir bekommen sehr viele Anfragen, wie die Situation ist, aber wir sind keineswegs unter Vollquarantäne, wie das von außen scheinen mag“, sagt Jörg Buck, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Mailand. 

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    „Die Transporte sind nicht beeinträchtigt und die Logistik ist nicht betroffen. Lieferungen aus und nach Italien laufen.“ Wichtig sei, dass die geltenden Hygienevorschriften eingehalten werden und jeder Fahrer eine Selbsterklärung habe, dass er nicht zuvor in einer der Gemeinden gewesen sei, die unter Quarantäne standen.

    „Wir sind jetzt alle im Home Office“, sagt die Kommunikationschefin eines Modeunternehmens in Mailand. „Auch die letzten Mitarbeiter in den Büros sind zuhause, aber das geht ja glücklicherweise problemlos.“ Das bestätigen auch Mitarbeiter anderer Branchen. Nur das Privatleben sei sehr eingeschränkt, da alles geschlossen sei. Hamsterkäufe hat keiner der Befragten gesehen, die Supermärkte seien normal befüllt.

    Grafik

    Im Norden läuft die Produktion derweil weiter. Viele Unternehmen, die international arbeiten, melden von sich aus Normalität. So auch der Reifenhersteller Pirelli, der seine Verwaltungszentrale im Mailänder Stadtteil Bicocca hat. Es gebe keine Einschränkungen bei der Produktion. Alle Businessleistungen seien garantiert, heißt es in einer Mitteilung.

    3247 Mitarbeiter seien für die Produktion in Italien notwendig, teilt Pirelli mit. Die Gesundheit der Arbeiter sei zu keiner Zeit gefährdet. Auch in China kehre der Konzern langsam zur Normalität zurück.

    Betroffen von den neuen Maßnahmen sind nicht nur die Lombardei und Venetien. Auch die Provinz Modena, wo sich das Hauptquartier von Ferrari befindet, unterliegt den Restriktionen. Wie Pirelli bestätigt Ferrari volle Einsatzfähigkeit: Die notwendigen Vorkehrungen seien getroffen worden. Das Personal könne bestmöglich arbeiten, heißt es aus der Zentrale in Maranello. Die Kontinuität hänge jedoch von den Zulieferern ab, mit denen man in regelmäßigem Austausch sei.

    Zu den betroffenen Gebieten in Italien gehört auch die Provinz Parma, wo die Zentrale von Barilla liegt. „Wir haben sofort damit begonnen, zum Schutz der Gesundheit und zur Sicherheit des Personals alle beschlossenen Maßnahmen umzusetzen“, heißt es bei dem Nudelhersteller. Zum gegenwärtigen Stand gebe es keinerlei Einschränkungen in den Produktionsstätten. „Unsere Produkte sind sicher und gesund“, so ein Sprecher von Barilla.

    Auffällig: Kein Unternehmer kritisiert die drastischen Entscheidungen der Regierung – wohl aber die Konfusion und Kommunikation der ersten Stunden. „Die Maßnahmen sind radikal, maximal, aber richtig“, sagt Jörg Buck, Chef der Deutsch-Italienischen Handelskammer. Der Verband vertritt 1.900 deutsche Unternehmen in Italien, von denen die Hälfte im Norden angesiedelt ist. Dazu gehören Lidl, Allianz, die Deutsche Bank, Beiersdorf, BASF, viele Unternehmen des Maschinenbaus und Autozulieferer.

    Großzügige Spenden

    „Es geht vor allem um die gesundheitliche Versorgung, um die Anzahl der Betten auf den Intensivstationen“, sagt Buck. Und es gehe um einen deutlichen Appell an Bürgersinn und Selbstverpflichtung. Es sei schwer, Voraussagen zu machen, aber Italien werde es schaffen, sagte Premier Giuseppe Conte zu Wochenbeginn. Bei allem guten Willen: Viele Unternehmer warten vor allem auf Finanzhilfen der Regierung, an denen seit einer Woche gearbeitet wird und die Ende der Woche erst durchgesetzt werden sollen.

    Die Modebranche, wie auch die Banken, zeigen sich großzügig in der Notsituation. Modeschöpfer Giorgio Armani spendete am Montag 1,25 Millionen Euro an Krankenhäuser und den Zivilschutz. Zuvor hatten schon Dolce & Gabbana, Bulgari und andere für Forschungsinstitute gespendet.

    Mehr: Die Wirtschaft leidet unter den Folgen der Corona-Epidemie, das ganze Ausmaß muss sich erst zeigen. Doch staatliche Konjunkturprogramme helfen nicht.

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