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Diplomatische Beziehungen„Himmlische Verbindung“: Abkommen zwischen Israel und Emiraten sorgt für Hochstimmung bei Unternehmern

Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Jerusalem und Abu Dhabi entsteht in der Region eine ökonomische Kraft-Achse. Davon profitieren beide Länder.Pierre Heumann 17.08.2020 - 11:24 Uhr

Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist eine gute Nachricht für die Wirtschaft.

Foto: AFP

Tel Aviv. Seit US-Präsident Donald Trump am Donnerstag die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) verkündet hat, sind die Unternehmer in beiden Ländern in Hochstimmung. Seit Jahrzehnten habe die Region unter Kriegen gelitten, sagte Ali El Adou von Daman Investments in Dubai dem Sender „Bloomberg TV“. Das Abkommen könnte nun ein Ausweg aus dem politischen Stillstand sein und biete Chancen auf Frieden und Wohlstand in der Region.

Ähnlich sieht es in Israel Erel Margalit, der CEO des Wagniskapitalfonds Jerusalem Venture Capital, der früher für die Arbeiterpartei im Parlament politisiert hat. Er sieht „neue Hoffnungen für Israel und die Region“ – falls die regionale Allianz der Gemäßigten gegen die Radikalen erfolgreich geführt werde.

Yoel Guzansky, der am Tel Aviver Institute for National Security Studies (INSS) die Golfregion analysiert, erwartet für die nächste Zeit eine Intensivierung der bereits beachtlichen bilateralen Kooperation. „Israel hat Technologien, die VAE haben Kapital“, sagt Guzansky. Diese Kombination, schwärmt er, sei eine geradezu „himmlische Verbindung“.

Das sei die Gelegenheit, auf die israelische Firmen gewartet haben, sagt Doron Perskin, der mit seiner Beratungsfirma Concord seinen Kunden hilft, am Persischen Golf Fuß zu fassen. Sein Optimismus ist verständlich: Denn auch ohne Unterstützung der Handelsdiplomatie oder von Wirtschaftskammern wurden in den vergangenen Jahren die bilateralen Geschäfte laufend ausgebaut.

Jetzt werden die Kontakte erleichtert: So wurde bereits eine Telefonverbindung zwischen den beiden Staaten eingerichtet, und sobald die Coronakrise ausgestanden ist, soll eine Direktverbindung zwischen den Emiraten und Israel aufgenommen werden.

Schnelle Entwicklung von bilateralen Beziehungen

Laut einer Schätzung der Tel Aviver Wirtschaftszeitung „Kalkalist“ sind derzeit 200 israelische Firmen in den Emiraten aktiv. Israels Exportvolumen in die Golfländer habe vor vier Jahren rund eine Milliarde Dollar betragen, hieß es 2018 in einer Studie des Tony Blair Institute for Global Change. Zum Vergleich: Das war damals mehr als Israels Ausfuhren nach Japan oder Russland und immerhin zwei Drittel der Exporte nach Deutschland.

Wie schnell sich die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln können, zeigt das Beispiel zweier Firmen aus Abu Dhabi und Tel Aviv. Noch bevor die gegenseitigen Beziehungen schriftlich besiegelt sind, haben die beiden Firmen eine Kooperation angekündigt.

Bis vor wenigen Tagen hätten es die arabischen Geschäftspartner aus Angst vor negativen Reaktionen im Mittleren Osten nicht gewagt, über das Joint Venture in einer Pressemitteilung zu informieren, da sie wegen ihrer Kooperation mit Israel als „Normalisierer“ und „Verräter der Palästinenser“ beschimpft worden wären. Jetzt aber stellen sie sich als Pioniere einer neuen Ära dar.

Das angekündigte Joint Venture zielt auf die Entwicklung eines Testkits für Covid-19 mithilfe elektromagnetischer Wellen ab. Es wird in den Emiraten vom Finanzhaus Apex National Investment und in Israel von der Terra Group getragen, einem Spin-off des renommierten Weizmann-Instituts.

Die Kooperationspalette ist breit. Sie beinhaltet zum Beispiel MedTech, Fintech oder die Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Zudem geht es um militärische Güter. Mit israelischer Cybertechnologie und Sensoren haben sich die Emirate zum regionalen Spionagezentrum entwickelt. Da die Emirate sehr nahe am Iran liegen, ist das für Israel auch ein strategischer Vorteil, wenn man davon ausgeht, dass Abu Dhabi die Offiziere in Tel Aviv an den Informationen teilhaben lässt.

Win-win-Situation

Interessiert sind die Emirate zudem an israelischer Agrartechnologie. „Die Coronakrise hat uns die Risiken der Nahrungsmittelsicherheit gezeigt“, sagt ein Berater der Emirate, die zu 90 Prozent von Nahrungsmitteleinfuhren abhängig sind. So wird zum Beispiel mithilfe von Bewässerungsanlagen aus dem Kibbuz Hazor die Eigenproduktion gefördert, sagt der Analyst Yohanan Ben-Jaacov.

Manager aus den VAE wirtschaften mit israelischen Gesellschaften seit Jahren, so als ob es die selbstverständlichste Sache der Welt wäre, dass sich Investoren aus Dubai und Tel Aviv zusammentun. Auf eine lange Geschäftsbeziehung blickt zum Beispiel die in Haifa beheimatete Schifffahrtgesellschaft ZIM zurück, die mit DP World mehrere Joint Ventures abgeschlossen hat. Staatsgelder aus den Emiraten flossen auch ins Start-up WeWork, das der Israeli Adam Neumann gegründet hatte, der 2019 beim Bürovermieter entlassen wurde.

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Pragmatismus und Geschäftstüchtigkeit gehören zur DNA der Emirate. So meinte zum Beispiel der Chef der Airline Emirates in einem Interview vor vielen Jahren auf die Frage, ob er allenfalls auch Tel Aviv anfliegen würde: „Selbst wenn unser Staat eines Tages diplomatische Beziehungen zu Israel haben sollte, werden wir diese Frage letztlich aufgrund wirtschaftlicher Kriterien entscheiden.“ Die Antwort darauf dürfte nun, viele Jahre später, positiv ausfallen.

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