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Gaza-KriegDie Rettung der israelischen Geiseln wird immer unwahrscheinlicher

US-Außenminister Blinken gibt sich im Nahen Osten optimistisch, dass es bald einen Waffenstillstand in Gaza und einen Geiseldeal gibt. Tatsächlich gibt es für die Zuversicht kaum einen Grund.Inga Rogg 20.08.2024 - 16:07 Uhr Artikel anhören
Protest in Tel Aviv: Demonstrantinnen und Demonstranten appellieren an US-Präsident Biden, Druck auf Israel für einen Waffenstilstand in Gaza zu machen. Foto: REUTERS

Jerusalem. Antony Blinken gibt sich zuversichtlich, dass die Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas noch zu einem erfolgreichen Ergebnis führen. Der US-Außenminister ist seit dem Wochenende im Nahen Osten und hat sich am Montag mit israelischen Regierungsvertretern getroffen.

Israel habe einen von der amerikanischen Regierung vorgelegten Kompromissvorschlag akzeptiert, sagte Blinken nach einem fast dreistündigen Treffen mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu. Der Vorschlag kläre einige der noch offenen Fragen.

Es sei „die wahrscheinlich beste, vielleicht letzte Gelegenheit“, einen Waffenstillstand und die Freilassung der noch verbliebenen Geiseln in Gaza zu erreichen, sagte Blinken. „Es liegt nun an der Hamas, dasselbe zu tun.“

Netanjahu wertet Blinkens Vorschlag als „positiv“

Netanjahu nannte das Treffen „positiv“. Israel stehe hinter dem jüngsten amerikanischen Vorschlag, der Israels Sicherheitsbedürfnissen Rechnung trage, teilte sein Büro mit. Darauf bestehe Netanjahu.

Nimrod Goren, Leiter des außenpolitischen Thinktanks Mitivim, der sich für Frieden einsetzt, teilt den Optimismus nicht. „Derzeit sehe ich keine Aussichten auf Fortschritte“, sagte er dem Handelsblatt. „Warten wir ab, was Blinken in Kairo und Doha hört oder erreicht.“

Blinken ist am Dienstag weitergereist in die ägyptische und die katarische Hauptstadt, wo diese Woche Experten über weitere Einzelheiten verhandeln. Vergangene Woche hatten sich Vertreter der drei Vermittlerstaaten USA, Ägypten und Katar auf neue Formulierungen geeinigt.

Israel – die aktuelle Lage

Massenproteste in Tel Aviv für Geisel-Deal und gegen Netanjahu

Die Vermittlerstaaten bezeichneten die Gespräche als quasi letzte Chance, um einen möglichen Angriff des Irans auf Israel abzuwenden. Der Iran hatte nach der Ermordung von Hamas-Chef Ismail Hanija, für die er Israel verantwortlich macht, mit einem Militärschlag gedroht.

Die Hamas habe dem vom amerikanischen Präsidenten Joe Biden Ende Mai vorgestellten und später vom Uno-Sicherheitsrat unterstützten Vorschlag zugestimmt, sagte Osama Hamdan in einem Interview mit dem Fernsehsender „Al Dschasira“. Er hat in den vergangenen Monaten stets die offizielle Position der Islamisten verkündet.

Die israelische Seite aber habe in den jüngsten Gesprächen keine Zugeständnisse in den zentralen noch strittigen Punkten gemacht. Die Islamisten bezeichneten die jüngsten Vermittlungsbemühungen als gescheitert.

„Seal Deal“: „Besiegelt die Vereinbarung“, fordert ein Demonstrant in Tel Aviv. Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Der Vorschlag erfülle sämtliche Bedingungen Netanjahus, der einen „dauerhaften Waffenstillstand“ und den „umfassenden Abzug“ der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen ablehne, heißt es in einer offiziellen Hamas-Erklärung. Netanjahu sei für das Scheitern der Vermittlungsbemühungen verantwortlich.

Derweil drängt die Zeit für die noch lebenden Geiseln. Sie befinden sich seit mehr als zehn Monaten in der Gewalt der Extremisten.

Die Armee gab am Dienstag bekannt, dass sie in der Nacht im Gazastreifen die sterblichen Überreste von sechs Geiseln geborgen habe. Die Leichen der sechs Männer im Alter zwischen 35 und 80 Jahren seien in einem Tunnel in der Gegend um die Stadt Chan Junis im südlichen Gazastreifen entdeckt worden.

Israel werde auch künftig alles tun, um die Geiseln – die lebenden wie die verstorbenen – zurückzubringen, erklärte Netanjahu. Verteidigungsminister Joaw Galant pries die „gewagte und gefährliche“ Operation und kündigte an, die Streitkräfte würden die Militäroperation im Gazastreifen fortsetzen, bis die Hamas gestürzt und alle Geiseln zurückgeholt seien.

Netanjahu als Einziger gegen das Abkommen

Die Opposition übte indes scharfe Kritik. Der ehemalige Armeechef und Abgeordnete Gadi Eizenkot, der dem inzwischen aufgelösten Kriegskabinett angehört hatte, sagte in einem Radiointerview: Die Bergung der Leichen erinnere daran, dass die Zeit für die restlichen Geiseln knapp werde.

Die meisten Minister und das Sicherheitskabinett hätten einem Rahmenabkommen zugestimmt, bei dem alle Geiseln und alle palästinensischen Gefangenen in einem Schritt freikommen sollten. Netanjahu sei als Einziger dagegen gewesen, sagte Eizenkot.

Jair Lapid (r.) mit US-Außenminister Blinken: „Wir müssen einen Deal machen. Jetzt“, sagt Israels Oppositionsführer. Foto: via REUTERS

Die nun geborgenen Geiseln hatten noch gelebt, als die Kämpfer der Hamas sie verschleppten. Ob sie von den Islamisten oder durch israelische Angriffe getötet wurden, ist unklar.

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Oppositionsführer Jair Lapid erklärte, mit jedem Tag, der vergehe, würden mehr und mehr Geiseln ihr Leben verlieren. Auf der Plattform X schrieb Lapid: „Wir müssen einen Deal machen. Jetzt.“

Doch der Nahostexperte und ehemalige Vermittler Gershon Baskin ist ebenfalls skeptisch, dass es zwischen Israel und der Hamas diese Woche noch zu einer Einigung kommt. Gegenüber dem Handelsblatt sagte Baskin: „Die Gräben sind noch immer tief.“

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