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Gaza-KriegHamas offen für Waffenruhe – jetzt muss Israel entscheiden

Die Hamas zeigt sich offen für einen Waffenstillstandsvorschlag. Welches Motiv verfolgt sie? Und zieht Israel nun nach? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.Pierre Heumann 19.08.2025 - 13:03 Uhr Artikel anhören
Helikopter Israels über Gaza: Bald könnte es eine Waffenruhe geben. Foto: REUTERS

Zürich/Tel Aviv. Die radikalislamische Hamas hat einem neuen Vorschlag für einen Waffenstillstand im Gazastreifen zugestimmt. Der von den USA, Katar und Ägypten vermittelte Entwurf beinhalte eine 60-tägige Waffenruhe sowie Geiselfreilassungen im Tausch gegen palästinensische Häftlinge.

Perspektivisch könnte die Waffenruhe als erster Schritt in längere Verhandlungen über eine dauerhafte Regelung dienen. Nun muss Israels Regierung entscheiden, ob sie den Vorschlag annehmen oder ablehnen will. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zur Lage in Nahost.

Was sieht der Vorschlag für eine Waffenruhe konkret vor?

Vorgesehen ist eine vorübergehende Einstellung der Kampfhandlungen, eine gestufte Freilassung israelischer Geiseln im Austausch gegen palästinensische Gefangene sowie eine deutliche Ausweitung der humanitären Hilfe für Gaza.

Internationale Akteure sollen dabei die Einhaltung der Waffenruhe überwachen, während über die längerfristige Frage der künftigen Verwaltung des Gazastreifens verhandelt würde. Entscheidend ist, dass die Hamas auf Garantien der USA und der internationalen Gemeinschaft drängt, wonach Israel nach der Feuerpause nicht sofort wieder zu umfassenden Militäroperationen zurückkehrt.

Das Abkommen entspricht fast vollständig einem Vorschlag des US-Sondergesandten Steve Witkoff vom Mai.

Warum stimmt die Hamas jetzt einem Waffenstillstand zu?

Die Hamas steht unter Druck. Israel hat einen Plan verabschiedet, Gaza‑Stadt zu erobern. Die Ziele: die Hamas entwaffnen, alle Geiseln freibringen, eine demilitarisierte Zone einrichten und eine zivile Verwaltung schaffen, der weder die Hamas noch die Palästinensische Autonomiebehörde angehören.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist überzeugt, dass die Drohung, Gaza-Stadt zu erobern, die Hamas dazu gebracht hat, dem Vorschlag zur Waffenruhe zuzustimmen.

Nach fast zwei Jahren sind die militärischen Strukturen im Gazastreifen stark geschwächt, viele Kommandanten ausgeschaltet. Ein Waffenstillstand könnte der Hamas Zeit verschaffen, ihre Kräfte für eine Fortsetzung des Kriegs zu sammeln und innenpolitisch wieder an Legitimität zu gewinnen.

Welches Interesse hat Netanjahu?

Der Premier will kein Teilabkommen – am Ende müssten alle 50 Geiseln freikommen, die immer noch von der Hamas gefangen gehalten werde, fordert er. Er strebt zudem einen „absoluten Sieg“ über die Hamas an, eine Entwaffnung und eine Entmachtung der Radikalislamisten in Gaza. Netanjahu betonte, dass die Hamas den Gazastreifen nach dem Krieg nicht mehr regieren dürfe.

Netanjahu: Ebenfalls unter Druck. Foto: Abir Sultan/Pool EPA/AP/dpa

Auffällig ist jedoch, dass Netanjahu das vorliegende Teilabkommen bisher nicht öffentlich ausgeschlagen hat – ein mögliches Signal dafür, dass Jerusalem seine Optionen weiterhin abwägt.

Was würde es für Netanjahu bedeuten, wenn er zustimmt?

Auch der israelische Premier steht unter Druck – und zwar von zwei Seiten. International würde er für eine Zustimmung zwar Anerkennung bekommen, dass er Leid in Gaza lindert und die Rückkehr von Geiseln ermöglicht. Innenpolitisch könnte er kurzfristig die wachsende Kritik an seinem Krisenmanagement entschärfen.

Gleichzeitig riskiert er aber, als schwach wahrgenommen zu werden – gerade von seiner rechten Basis, die ein „endgültiges Zerschlagen der Hamas“ fordert.

Nahost

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Die rechtsextremen Parteien in Netanjahus Regierungsbündnis sehen in jeder Waffenruhe eine Gefahr: Sie befürchten, dass die Hamas dadurch überlebt und als Sieger wahrgenommen wird. Für sie zählt nur ein vollständiger militärischer Sieg, selbst wenn dieser schwer erreichbar ist. Sie drohen Netanjahu offen mit dem Bruch der Koalition, sollte er einem Waffenstillstand zustimmen – was seine politische Handlungsfreiheit massiv einschränkt.

Wie reagiert die israelische Bevölkerung?

Israelis sind gespalten. Familien von Geiseln haben Massenproteste organisiert und fordern von der Regierung, Abkommen zu priorisieren, die alle Geiseln nach Hause bringen – wozu eine Unterbrechung der Militäroperationen erforderlich wäre. Viele in der breiteren Öffentlichkeit sympathisieren mit dieser Haltung und sehen das Schicksal der Geiseln als moralische wie nationale Verpflichtung.

Aber ein Teil der israelischen Gesellschaft bleibt dem ursprünglichen Kriegsziel verpflichtet: der Ausschaltung der Hamas als militärische und politische Kraft. Für sie wäre ein Waffenstillstand vor Erreichen dieses Ziels ein inakzeptabler Kompromiss.

Diese Spaltung hat die innenpolitischen Spannungen verschärft: Oppositionsparteien werfen Netanjahu vor, den Krieg zu verlängern, um sein eigenes politisches Überleben zu sichern, während seine Anhänger argumentieren, dass nur unnachgiebiger Druck Israels langfristige Sicherheit garantieren könne

Wie reagiert die internationale Gemeinschaft?

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US-Präsident Donald Trump schrieb am Montag auf Truth Social, dass „wir die Rückkehr der verbleibenden Geiseln erst sehen werden, wenn die Hamas konfrontiert und zerstört wird“. Auf die Gespräche über eine Waffenruhe ging er nicht ein.

Europäische Staaten fordern seit Monaten ein Ende der Kampfhandlungen. Ägypten und Katar spielen weiterhin ihre traditionelle Rolle als Mittler mit der Hamas. Sie drängen auf ein Rahmenabkommen, das der Gruppe eine gewisse Rolle belässt und zugleich einen völligen Abbruch der Gespräche vermeidet.

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