Geopolitik: Die gefährlichste Insel der Welt: Taiwan kämpft um den Umgang mit China
China sieht das demokratische Taiwan als Teil der Volksrepublik.
Foto: Getty Images, Reuters [M]Taipeh. Joshua Tai lernt heute in der Kirche den Krieg. Vor ihm im Seminarraum im Keller der Chinan-Kirche in Taiwans Hauptstadt Taipeh liegt Verbandsmaterial. Gerade hat der Rechtsanwalt gehört, wie Triage funktioniert, also die Behandlung von Verletzten nach Schweregrad. Gleich wird er üben, wie man klaffende, blutende Wunden verbindet.
Zuvor hat er gelernt, wie am besten auf Desinformationskampagnen des möglichen Angreifers reagiert werden kann. Aus dem Feind macht Tai kein Geheimnis. „Ich habe Angst, dass China uns eines Tages angreift“, sagt er. „Deshalb bin ich hierher gekommen, um zu hören, wie ich mich, meine Familie und mein Umfeld im Kriegsfall schützen kann.“
Veranstalter ist die „Kuma Academy“, deren Logo martialischer ist als die Mission. Ein blauer Bär in Armeegrün mit einem Sturmgewehr vor der Brust grüßt die 24 Seminarteilnehmer. Doch hier wird nicht schießen geübt, sondern Zivilschutz, erklärt Gründer Puma Shen, ein in Taipeh bekannter Professor: „Uns geht es vor allem um die psychologische Vorbereitung, um die Denkweise.“ Nach dem Seminar sollen die Teilnehmer wissen, was zu tun ist, sollte morgen ein Krieg mit China ausbrechen.