Interview: Larry Summers Inflationswarnung: „Die Ähnlichkeiten zu den 60er-Jahren sind besorgniserregend“
Der neuen Bundesregierung empfiehlt der ehemalige US-Finanzminister unter Bill Clinton, die notwendigen Zukunftsinvestitionen im Blick zu behalten.
Foto: © 2016 Bloomberg Finance LPBerlin . Larry Summers liebt es, gegen den Strich zu denken. So hat der eigentlich linksliberale Harvard-Ökonom Anfang des Jahres das erste Konjunkturprogramm des damals gerade neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden als völlig überzogen kritisiert und vor einer Inflationswelle gewarnt.
Das hat ihm auch in Europa viel Beifall von eher konservativen Politikern und Volkswirten eingebracht. „Ich glaube, dass die Inflationsrisiken in den USA und global unterschätzt werden“, warnt Summers und zieht Parallelen zur Lage Ende der 1960er-Jahre, als sich Inflationserwartungen sukzessive aufbauten, die dann kurze Zeit später die Weltwirtschaft in eine lange Phase der Stagflation stürzten.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt warnt Summers jedoch die Europäer vor einem übereilten Kurswechsel in der Finanzpolitik und einem Einschwenken auf einen Sparkurs. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um dem traditionellen Wunsch Deutschlands nach einer Sparpolitik nachzugeben“, sagt der 66-Jährige.
Der neuen Bundesregierung empfiehlt der ehemalige US-Finanzminister unter Bill Clinton, nicht nur auf die Verschuldung zu achten, sondern auch die notwendigen Zukunftsinvestitionen im Blick zu behalten. Die Gefahr, wichtige Weichenstellungen für die Zukunft durch mehr öffentliche Investitionen zu verpassen, sei größer als das Risiko neuer Schulden bei negativen Realzinsen.