Interview: Russischer Exilautor Arkadi Babtschenko: „Die Russen haben verloren“
Am 24. Februar 2022 überfielen russische Truppen die Ukraine.
Foto: dpaHerr Babtschenko, Sie analysieren den Krieg in der Ukraine seit dem Überfall Russlands, an manchen Tagen beinahe minütlich. Am 24. Februar um 10.13 Uhr schrieben Sie: „Der Blitzkrieg ist eindeutig gescheitert, dieser Anfang war lahm und unsicher, für Russland ist das ein Fehler, das ist bereits der Beginn seiner Niederlage.“ Die russischen Truppen waren gerade erst fünf Stunden vorher einmarschiert. Woher nahmen Sie Ihre Überzeugung?
Ich habe als Soldat in zwei Kriegen im Kaukasus in der russischen Armee gedient. Jetzt lebe ich seit einigen Jahren in der Ukraine. Aus allen Informationen, die ich hatte, ließ sich schließen, dass es bei den Russen nicht gut lief. Gar nicht gut.
In diesen Tagen, mehr als ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn, scheint Ihnen die Offensive der ukrainischen Verteidigung recht zu geben.
Es ist offensichtlich, dass es bemerkenswerte taktische Erfolge gibt. Der Generalstab hat kürzlich mitgeteilt, man sei innerhalb von drei Tagen 150 Kilometer vorgerückt. Das ist eine gewaltige Geschwindigkeit. Wenn Sie mich fragen: Die ukrainische Armee ist derzeit die beste in ganz Europa – was die Kampferfahrung angeht, die moralischen Qualitäten und den Willen, das Land von den Okkupanten zu befreien. Das Einzige, wovon die ukrainische Armee nicht genug hat, sind Waffen, Waffen, Waffen.