Interview: Russland-Experte zu Folgen der Teilmobilmachung: „Junge Männer werden auswandern“
300.000 Reservisten sollen einberufen werden.
Foto: IMAGO/SNAIn einer TV-Ansprache hat der russische Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte angeordnet. Stefan Meister, Russlandexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), sieht darin vor allem einen „Befreiungsschlag“ des Präsidenten nach innen. „Nun ist klar: Er will keine Verhandlungen, sondern eine weitere Eskalation“, sagt er.
Herr Meister, erleben wir mit Russlands Teilmobilmachung den Eintritt in eine neue Phase des Angriffskriegs gegen die Ukraine?
Putin hat eine Richtungsentscheidung getroffen. Er ist durch die Gebietsverluste in der Ukraine unter Druck geraten. Für ihn ist die Teilmobilmachung nun ein Befreiungsschlag vor allem nach innen. Nun ist klar: Er will keine Verhandlungen, sondern eine weitere Eskalation.
Russlandexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)
Foto: Robert Bosch-ZentrumBis hin zu einem Atomkrieg?
Wir sollten Putins Drohungen nicht zu ernst nehmen, wir kennen sie aus der Vergangenheit. Werden Teile der besetzten Ukraine annektiert, kann er dort Nuklearwaffen stationieren. Hier geht es Putin aber um Abschreckung, um seine Gebietsgewinne abzusichern. Er schraubt den Preis für einen Angriff nach oben.