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Machtkampf Erdogan: Türkei beginnt mit Entsendung von Soldaten nach Libyen

Der türkische Präsident schickt Soldaten in das Bürgerkriegsland Libyen. Sie sollen die international anerkannte Regierung im dortigen Machtkampf stützen.
05.01.2020 Update: 06.01.2020 - 05:51 Uhr Kommentieren
Der türkische Präsident will die international anerkannte Regierung Libyens stärken. Quelle: AP
Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident will die international anerkannte Regierung Libyens stärken.

(Foto: AP)

Istanbul Mit der Entsendung von Soldaten nach Libyen hat die Türkei eine neue Phase des Konflikts in dem Bürgerkriegsland eingeläutet. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gab am späten Sonntagabend in einem Interview des Senders CNN Türk zu verstehen, erste Truppen seien bereits entsandt worden. Das türkische Parlament hatte Erdogan dafür am Donnerstag grünes Licht gegeben.

„Im Moment gehen sie nach und nach ohnehin schon“, sagte er. Wie viele Soldaten und welche Art Truppen die Türkei schickt, blieb zunächst unklar. Erdogan sprach dem Bericht zufolge von „unterschiedlichen Teams“. Sie sollen demnach zunächst Koordinationsaufgaben übernehmen. Das türkische Militär will Erdogan zufolge aber auch ranghohes Personal entsenden. In der „Operationszentrale“ werde auch ein General eingesetzt, sagte er.

Erdogan will damit die international anerkannte Regierung unter Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch in Tripolis stützen. Diese liefert sich einen Machtkampf mit dem einflussreichen General Chalifa Haftar.

Der Türkei geht es mit der Zusammenarbeit mit Libyen auch um die eigenen Interessen im Mittelmeerraum und Nordafrika. Hier fühlt sich die Türkei unter anderem im Streit um Erdgasvorkommen im Mittelmeer von anderen Anrainerstaaten wie Griechenland ausgeschlossen. Al-Sarradsch und Erdogan hatten bereits im November zwei umstrittene Abkommen unterzeichnet. Dabei ging es einerseits um die militärische Zusammenarbeit, andererseits auch um Seegrenzen im Mittelmeer. Damit erhebt die Türkei Anspruch auf Gebiete nahe der griechischen Insel Kreta, wo reiche Erdgasvorkommen vermutet werden.

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    In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkriegschaos. Haftar kontrolliert mit seiner selbst ernannten Libyschen Nationalarmee (LNA) Gebiete im Osten des Landes, will aber die Macht über das ganze Land. Im vergangenen Jahr begann er einen Angriff auf Tripolis, wo die Sarradsch-Regierung sitzt. Diese wird von lokalen Milizen unterstützt, konnte ihre Macht aber bisher kaum über die Hauptstadt hinaus ausbauen.

    Außerdem sind internationale Mächte in den Konflikt verstrickt. Die Regierung in Tripolis wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von Katar und Italien unterstützt, General Haftar unter anderem von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

    Bei einem Luftangriff auf eine Militärakademie in Libyens Hauptstadt Tripolis waren zuletzt mindestens 28 Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden. Die Vereinten Nationen verurteilten den Angriff. Auch die EU drückte große Besorgnis aus.

    In Telefonaten von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Boris Johnson habe Einigkeit bestanden, dass eine politisch-diplomatische Lösung des Konfliktes geboten sei, teilte ein Regierungssprecher am Sonntagabend mit. Frankreich und Großbritannien hätten ihre Unterstützung für die deutschen Vermittlungsbemühungen unterstrichen.

    Deutschland plant zum Thema Libyen für Anfang des Jahres eine Konferenz in Berlin, um die wichtigsten internationalen Akteure an einen Tisch zu bringen.

    Für den Montag kündigte Erdogan zudem ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Es solle um die Situation im Iran und im Irak gehen. In der irakischen Hauptstadt Bagdad hatten die USA in der Nacht zum Freitag den hohen iranischen General Ghassem Soleimani mit einem Luftangriff getötet.

    Mehr: Im Fall Libyen wirkt der Westen schwach – und Russland nutzt das aus, meint Handelsblatt-Korrespondent Ozan Demircan.

    • dpa
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