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Mehr Jüngere betroffen US-Infektionszahlen steigen – vor allem in Staaten mit früher Lockerungspolitik

Die US-Ostküste bleibt das Epizentrum der Corona-Pandemie. Doch während dort die Zahl der Neuinfektionen fällt, geht es in anderen Staaten erst los.
25.06.2020 - 18:59 Uhr Kommentieren
Der Ballungsraum in Texas wird zu einem neuen Epizentrum der Epidemie in den USA. Quelle: AP
Drive-In-Tests in Houston

Der Ballungsraum in Texas wird zu einem neuen Epizentrum der Epidemie in den USA.

(Foto: AP)

San Francisco Gut vier Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie verzeichnen die Vereinigten Staaten massive Anstiege bei den Fallzahlen. Texas, Florida, Arizona und Kalifornien meldeten am Dienstag neue Rekorde bei den täglichen Neuinfektionen, insgesamt wurden mehr als 35.000 neue Fälle gemeldet, fast so viele wie am bisherigen Höhepunkt der Pandemie vor zwei Monaten. „Es ist ein verstörender Anstieg“, sagte Anthony Fauci, Direktor des nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten und Amerikas führender Experte für ansteckende Krankheiten.

Insgesamt sind in den USA bisher mehr als 2,34 Millionen Personen an Covid-19 erkrankt und mehr als 121.000 an den Folgen gestorben. Die Fallzahlen in Amerika sind derart hoch, dass die EU gemäß der „New York Times“ erwägt, das Einreiseverbot für Amerikaner zu verlängern, wenn die Region am 1. Juli ihre Grenzen öffnet.

Der Anstieg der absoluten Fallzahlen erklärt sich unter anderem damit, dass nun mehr getestet wird. Am Samstag hatte Präsident Trump deswegen bei einem Wahlkampfauftritt gefordert, weniger Tests durchzuführen. Einzig um seine Wiederwahl besorgt, gab er unumwunden zu: „Indem wir mehr testen, finden wir mehr Fälle. Und wenn wir mehr Fälle haben, klingt das schlecht.“

Die Argumentation ignoriert jedoch, dass der Anteil der positiv Getesteten stark zunimmt. Auch andere Indikatoren weisen darauf hin, dass sich das Virus wie ein Lauffeuer verbreitet: Arizona meldete am Montag die bisher höchste Zahl an Spitaleinweisungen, auch in Texas sind doppelt so viele Personen hospitalisiert wie noch Anfang Juni.

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    Die Ostküstenstaaten – allen voran New York und New Jersey – sind nach wie vor die Epizentren in Amerika, doch die Fallzahlen dort nehmen stark ab. Dafür greift das Virus nun zunehmend in vorstädtischen und auch ländlichen Regionen um sich, insbesondere in den Südstaaten – also dort, wo als Erstes ein „reopening“ propagiert wurde und Gesichtsmasken oft belächelt werden. Erstmals seit Beginn der Pandemie sind nun republikanisch dominierte Gemeinden stärker von Neuinfektionen betroffen als solche, die traditionell für die Demokraten stimmen.

    Durchschnittsalter sinkt stark

    Die Neuanstiege lassen sich auch nicht mehr auf einzelne „Hotspots“ in Fabriken, Altersheimen oder Kirchen zurückführen. Vielmehr scheint es sich teils um den normalen Verlauf einer Pandemie zu handeln, die das Land allmählich durchdringt, teils um regionale Faktoren, welche die Ausbreitung zusätzlich anfeuern.

    Florida etwa war einer der ersten Gliedstaaten, die Geschäfte und Restaurants wieder öffneten. Vor allem junge Leute stürmten in den vergangenen Wochen Bars und Restaurants, die wiederum die empfohlenen Schutzmaßnahmen ignorierten. Das Durchschnittsalter der auf Sars-CoV-2 positiv Getesteten sei von 65 Jahren Mitte März auf nun 35 Jahre gefallen, sagte Gouverneur Ron DeSantis. Nachdem er die Regelverstöße lange toleriert hatte, verurteilte DeSantis am Montag die „Partystimmung“ und versprach, mithilfe der Polizei die Einhaltung der Sicherheitsregeln zu forcieren.

    Auch in anderen Teilen des Landes sind Jüngere nun stärker von der Pandemie betroffen. In Texas sind die Fälle von Neuerkrankungen inzwischen unter 20-, 30-, 40- und 50-Jährigen fast gleich verteilt. Speziell der Großraum Houston scheint sich zu einem neuen Epizentrum im Land zu entwickeln, seit Anfang Juni hat sich dort die Rate der Neuinfektionen verdreifacht. Der Chef der lokalen Gesundheitsbehörde rang um Erklärungen und verwies auf eine Häufung von sozialen Anlässen wie den Muttertag, den Memorial-Day-Feiertag und die Proteste gegen Polizeigewalt in den vergangenen Wochen.

    Doch diese fanden auch in anderen Landesteilen statt, in denen die Fallzahlen nicht so sprunghaft angestiegen sind. Zudem zeigte eine Studie jüngst, dass die landesweiten Proteste nicht zu einem signifikanten Anstieg bei Covid-19-Erkrankungen führte.

    Den drei neuen „Hotspots“ Florida, Texas und Arizona ist gemein, dass ihre Gouverneure allesamt stramme Anhänger des Präsidenten sind und punkto Corona nach seiner Pfeife tanzen – auch auf Kosten der öffentlichen Gesundheit: Trotz rasant steigenden Fallzahlen hielt Trump am Mittwoch just in Arizona Wahlkampfveranstaltungen mit jeweils Tausenden Besuchern ab.

    Steigende Fallzahlen durch Hochfahren der Wirtschaft

    Ebenso verlegte der Präsident wesentliche Teile des republikanischen Parteikonvents im August nach Florida, obwohl auch dort die Neuinfektionen explodieren. Damit belohnte er die Loyalität des dortigen Gouverneurs DeSantis, der ihm eine riesige Veranstaltung garantierte – ein Versprechen, das der Gouverneur des vorherigen Austragungsortes North Carolina in Pandemie-Zeiten nicht geben wollte.

    Das Missachten von Schutzmaßnahmen erklärt aber nicht, warum auch in Kalifornien die Fallzahlen massiv zunehmen; der Westküstenstaat hatte das Coronavirus bisher mit frühen und strengen Schutzmaßnahmen weitgehend im Zaum gehalten. Doch auch Kalifornien meldete am Mittwoch 7149 Neuinfektionen, so viele wie noch nie über einen Zeitraum von zwei Tagen.

    Die Zahlen erklären sich mit dem Wiederöffnen der Wirtschaft. Fast der gesamte Gliedstaat befindet sich seit kurzem in Phase 3 von 5, in der Fitnessstudios und Bars wieder geöffnet haben. Allerdings verzeichnen auch mehrere Countys im Großraum San Francisco, die diese Phase noch nicht eingeläutet haben, mehr Neuinfektionen, was Experten ratlos macht. Gouverneur Gavin Newsom sagte, man müsse einen gewissen Anstieg der Neuinfektionen in Kauf nehmen. Im Gegensatz zu anderen Gouverneuren hat er das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit vorgeschrieben.

    Um die Gründe für den Anstieg der Fallzahlen besser zu verstehen, seien mehr Tests entscheidend, sagte der Gesundheitsexperte Fauci diese Woche vor dem Kongress. Die USA brauchten mindestens sechs Millionen Tests pro Woche, um die Wirtschaft wieder sicher zu öffnen – doppelt so viele, wie derzeit durchgeführt werden.

    Mehr: EU-Staaten vertagen Entscheidung über Einreiseverbot für US-Bürger.

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