Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto: Kleines Hoch für den Hoffnungslosen
Der Mann, der mal ein Frauenschwarm und Dauerlächler war, wirkt ausgebrannt und grau.
Foto: dpaMexiko-Stadt. In diesen für Mexiko so aufwühlenden Tagen passiert gerade etwas Bemerkenswertes. Das tief zerstrittene Land, in dem links und rechts, Arm und Reich und Nord und Süd gewöhnlich keinen Nenner finden, steht plötzlich einig hinter einem Wort: Nein. Dass Staatschef Enrique Peña Nieto einen für Dienstag geplanten Besuch beim neuen US-Präsidenten Donald Trump abgesagt hat, hält ganz Mexiko für richtig. Hintergrund sind mehrere Affronts im Zusammenhang mit dem von Trump angestrebten Bau einer Grenzmauer.
Die Mexikaner schließen die Reihen hinter ihrem Staatschef, der wegen seiner Zauderei und Zögerlichkeit zuletzt schon fast den Status einer Persona non grata hatte. Seine Zustimmungswerte lagen zur Jahreswende bei zwölf Prozent. Aber dann eilte ihm Donald Trump mit seiner rabaukenhaften Politik ungewollt zu Hilfe. Wäre der 50-jährige Peña Nieto trotz der Demütigungen Trumps geflogen, es wäre sein sicheres politisches Ende gewesen.
So aber versammeln sich Mexikos Politik, viele Intellektuelle und auch die Wirtschaft hinter dem Staatschef. Selbst Großunternehmer und Multimilliardär Carlos Slim sprang ihm öffentlich bei. „Der Präsident hat genau richtig gehandelt“, sagte der viertreichste Mensch der Welt auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Wenn die sensiblen Mexikaner ihren Nationalstolz verletzt sehen, treten für einen Moment sogar die innenpolitischen Probleme in den Hintergrund.