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mRNAKennedy streicht Impfstoffförderung – und gefährdet die Forschung

500 Millionen Dollar weg: Der US-Gesundheitsminister will kein Geld für Forschung an mRNA-Impfstoffen ausgeben. Der US-Konzern Moderna ist irritiert, kleinere Unternehmen stehen unter Druck. 06.08.2025 - 13:58 Uhr Artikel anhören
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.: Er ist als Impfskeptiker bekannt. Foto: AFP

Düsseldorf. US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. will Bundesmittel in Höhe von 500 Millionen US-Dollar für die Entwicklung von Impfstoffen streichen. Das Gesundheitsministerium werde Verträge mit Impfstoffprojekten beenden, die auf die Bekämpfung von Atemwegsviren ausgerichtet sind, kündigte der Minister am Dienstag (Ortszeit) an.

Der seit Jahren als Impfkritiker bekannte Kennedy sagte, das Gesundheitsministerium solle sich von mRNA-Impfstoffen abwenden und stattdessen in „bessere Lösungen“ investieren. Andere Anwendungen der mRNA-Technologie seien von der Ankündigung nicht betroffen.

Die Einsparungen treffen insgesamt 22 Projekte. Neben verschiedenen Universitäten sind zahlreiche Unternehmen betroffen.

  • Der Vertrag des Biotech-Unternehmens Tiba Biotech wird gekündigt.
  • Das Beratungsunternehmen Luminary Labs, die Biotech-Firma Modex und der Grippemittelhersteller Seqirus sollen im Rahmen bestehender Verträge weniger an mRNA arbeiten.
  • Das Ministerium will mehrere Ausschreibungen vor der Vergabe stornieren, darunter Vorschläge von Pfizer, Sanofi Pasteur, CSL Seqirus und Gritstone.
  • Moderna, HDT Bio und Astra-Zeneca müssen ihre Zusammenarbeit mit staatlicher Seite bei nukleinsäurebasierten Impfstoffprojekten umstrukturieren.

Bei Moderna sorgte die Ankündigung offenbar für Verwirrung. Ein Sprecher sagte verschiedenen US-Medien, man sei sich nicht sicher, um welche Zusammenarbeit es gehe. Schon im Mai hatte Kennedys Ministerium noch unter der Vorgängerregierung unterzeichnete Verträge im Wert von 766 Millionen Dollar mit Moderna gekündigt. Die Verträge sahen die Entwicklung, Erprobung und Zulassung von Impfstoffen gegen Grippeviren vor. Die anderen betroffenen Unternehmen äußerten sich bislang nicht.

Bei mRNA geht es nicht nur um Grippe oder Covid

Mehrere Experten kritisierten die Maßnahmen der Regierung. Diese könnten Innovationen verhindern, die potenziell Leben retten könnten. „Wenn Sie ein kleineres Biotech-Unternehmen oder nur ein kleinerer Hersteller sind, kann dies ein Unternehmen wirklich davon abhalten, weitere Investitionen zu tätigen“, sagte Richard Hughes, ehemaliger Vizepräsident für öffentliche Ordnung beim mRNA-Impfstoffhersteller Moderna und Impfstoffrechtler an der George Washington University Law School, der „Washington Post“.

Jake Scott, außerordentlicher Professor an der Stanford University und Experte für Infektionskrankheiten, betont auf X, wie schnell und wirksam mRNA-Impfstoffe entwickelt wurden. „Die Einstellung der staatlichen Unterstützung opfert nun genau die Geschwindigkeit und Flexibilität, die Leben gerettet hat“, beklagte er.

Nach dem Erfolg der mRNA-Impfstoffe während der Covid-Pandemie investieren Pharmahersteller Milliarden in die Technologie. Schätzungen zufolge könnte der Markt für mRNA-Impfstoffe bis 2030 auf 18,28 Milliarden Dollar wachsen. Dabei geht es nicht nur um Grippe und Covid: Nach Angaben von „Business Wire“ befinden sich aktuell rund 60 Krebsimpfstoffe in klinischen Studien.

Kennedy streicht auch auf internationaler Ebene Gelder für die Förderung von Impfstoffen. Ende Juni stellte er die Mittel für die globale Impfallianz Gavi ein. Die Organisation habe „die Wissenschaft ignoriert“ und „das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren“.

Der langjährige Impfskeptiker erklärte, er und US-Präsident Donald Trump seien besorgt darüber, wie Gavi und die WHO mit Social-Media-Unternehmen in der Corona-Pandemie zusammengearbeitet hätten, um abweichende Meinungen zu unterdrücken und die freie Meinungsäußerung einzuschränken.

mRNA-Impfstoffe wichtig gegen künftige Pandemien

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Tatsächlich sind es die Impfgegner, die Falschinformationen in den sozialen Medien verbreiten. Die mRNA-Technologie setzt an den Bauplänen körpereigener Eiweiße an, bekannt wurde sie durch Corona-Impfstoffe. Nach Ansicht der allermeisten Experten sind mRNA-Impfstoffe nicht nur sicher, sondern auch entscheidend dafür, künftige Pandemien bekämpfen zu können.

Experten sprechen mRNA-Impfstoffen eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Corona-Pandemie zu. Doch der US-Gesundheitsminister zweifelt an ihrer Sicherheit und will rund eine halbe Milliarde US-Dollar fortan in „bessere Lösungen“ investieren.

In einem Video erklärte Kennedy, dass sich sein Ministerium statt auf mRNA-Impfstoffe „auf die Entwicklung sicherer, breiter angelegter Impfstoffstrategien“ konzentrieren werde. Als Beispiel nannte er Ganzkeimimpfstoffe, also Impfstoffe mit abgetöteten oder abgeschwächten Erregern, wie sie etwa gegen Hepatitis A, Polio oder Cholera zum Einsatz kommen.

jsb
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