Nahost: Netanjahu balanciert zwischen Vergeltung und dem großen Krieg
Washington. Joe Biden zeigte sich fast erleichtert. „Es sieht so aus, als hätten sie nichts anderes als militärische Ziele getroffen. Ich hoffe, dass dies das Ende ist“, sagte er Reportern am Samstag in Philadelphia.
Mit „Ende“ meint der US-Präsident das Ende der Eskalationsspirale im Nahen Osten, was auf den ersten Blick befremdlich anmuten mag. Denn in der Nacht von Freitag auf Samstag hatte Israel den bisher größten israelischen Angriff auf iranisches Territorium durchgeführt.
Die erste Welle der Luftangriffe konzentrierte sich auf das iranische Luftverteidigungssystem, die zweite und dritte Welle auf Raketen- und Drohnenstützpunkte sowie Waffenproduktionsstätten. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna sollen vier Soldaten ums Leben gekommen sein.
Es war eine angekündigte Vergeltungsaktion des israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. Am 1. Oktober hatten Teherans Revolutionswächter fast 200 Raketen auf Israel abgeschossen. Sie rächten sich damit nach eigenen Angaben unter anderem für die Tötung des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah sowie des Hamas-Führers Ismail Hanija. Der heftige Angriff hatte in Israel zwar nur Sachschaden angerichtet – trotzdem schwor die israelische Regierung umgehend Vergeltung.