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PorträtWladimir Putin, der „starke Führer“

Mit ungebrochenem Machtwillen will Wladimir Putin das Riesenreich Russland nun wieder als Präsident führen. Viele sehen ihn „Retter des russischen Volks“. Andere machen ihn verantwortlich für Korruption und Justizwillkür. 02.03.2012 - 08:32 Uhr Artikel anhören

Moskau. Als „starker Führer“ lässt sich der machthungrige Wladimir Putin auf den Plakaten für die Präsidentenwahl am 4. März präsentieren. Der 59 Jahre alte Ex-Geheimdienstchef gilt auch nach zwölf Jahren an der Macht - 1999 kurz als Ministerpräsident, dann acht Jahre als Kremlchef und nun wieder als Premier - weiter als angesehenster Politiker im eigenen Land. Zwar hat er zuletzt bei bisher beispiellosen Anti-Putin-Protesten erstmals überhaupt starken Gegenwind gespürt. Doch der Vollblut-Politiker mit einem scharfen Machtinstinkt macht auch immer deutlich, dass er im Rennen um das höchste Staatsamt nicht nachgibt.

Er selbst und seine zu Zehntausenden mobilisierten Unterstützer betonen, dass Putin dem Riesenreich nach dem Zerfall der Sowjetunion und nach den chaotischen 1990er Jahren mit Hunger, Armut und Rubelabwertung wieder zu Stärke und nationalem Stolz verholfen habe. In einem an sowjetische Zeiten erinnernden Personenkult lobt ihn etwa der Spitzenfunktionär Wladislaw Surkow als „Gottgesandten“. Als „Retter des russischen Volks“ preist ihn nun auch der Ohrwurm-Popsong „WWP“ - kurz für Wladimir Wladimirowitsch Putin.

Dabei machte der am 7. Oktober 1952 in Leningrad (St. Petersburg) als Sohn einer Arbeiterfamilie eine kommunistisch-sowjetische Karriere. Nach Jura-Studium, KGB-Spionageschule und Einsatz als Geheimdienstoffizier in den letzten Jahren der DDR in Dresden arbeitete der Vater zweier Töchter in der Petersburger Stadtverwaltung, bevor er nach Moskau kam. Seine Frau Ljudmila ist inzwischen kaum noch öffentlich zu sehen.

„Russland liefert niemals niemanden nirgendwohin aus und plant dies auch nicht.“

Kremlchef Wladimir Putin über den Fall des von den USA gejagten Informanten Edward Snowden, der im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo festsitzt. Auf dem Bild taucht er allerdings gerade ab - und zwar im Mini-U-Boot. Über seine Fahrt im Tauchboot ließ der sportliche Präsident wie üblich bei solchen Unternehmungen das öffentlich-rechtliche Fernsehen berichten.

Foto: Reuters

„Wenn er hierbleiben möchte, gibt es eine Bedingung: Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen - so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag.“

Wladimir Putin am Montag über den Fall des von den USA gejagten Informanten Edward Snowden.

Foto: ap

Und hier lässt er sich auf eine Fahrt in einem Mini-U-Boot ein. Eine besonders spektakuläre Expedition lieferte einmal Bilder Putins, wie er im Pazifik Wale mit einer Armbrust jagte. Allerdings nur mit dem Ziel, ihnen Peilsender zu verpassen.

Foto: dpa

Auch eine Waffe nimmt der Kremlchef zu Hand bei seinen Show-Streifzügen durch die sibirische Wildnis.

Foto: Reuters

„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“

Mai 2005 über sein Studium. Das mit dem Bier gilt wohl immer noch...

Foto: ap

„Wenn ihr den ganzen Tag Scheiße über mir ausschüttet, bin ich nicht beleidigt. Aber Sie sind beleidigt, dabei habe ich nur zwei Worte gesagt.“

Putin im Januar 2012 zu dem Journalisten Alexej Wenediktow, nach dem er seinem Radiosender Moskauer Echo „Gequassel“ vorgeworfen hatte. Der Tag war wohl ganz gut. Denn hier spielt er auf einem Charity-Konzert für Kinder.

Foto: Reuters

„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“

Januar 2006 über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen. Nach fetten Katern sehen Merkel, Putin (links) und der damalige US-Präsidenten Bush aber gar nicht aus, oder?

Foto: dpa

Wobei er hin und wieder auch angezogen auf die Jagd geht.

Foto: ap

Für Kremlchef Wladimir Putin ist das Jahr 2016 so gut gelaufen wie für kaum einen anderen Politiker. Russland bestimmt, was in Syrien geschieht. Barack Obama wird von Donald Trump abgelöst, der das Verhältnis zu Moskau verbessern will. Und die internationale Isolation des Kremls scheint auch vorbei. Aber warum genau ist Putin derzeit so stark?

Foto: Reuters

„Schießen können sie, aber keine Ordnung schaffen.“

Oktober 2007 zur US-Militärpolitik im Irak. Hier hat er allerdings nur ein Bomber-Modell in der Hand.

Foto: Reuters

„Ich werde (Georgiens Präsidenten Michail) Saakaschwili an den Eiern aufhängen.“

November 2008 auf die Frage von Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy nach Russlands Plänen im Krieg gegen Georgien. Hier sitzt Putin auf einer Konferenz in Moskau.

Foto: AFP

„Russland verhandelt nicht mit Terroristen. Es vernichtet sie.“

Putin nach dem Anschlag auf die Moskauer U-Bahn im Februar 2004.

Foto: ap

Seinen freien Oberkörper präsentiert Wladimir Putin auch, wenn er nicht im Wasser ist, sondern wie hier auf dem Rücken eines Pferdes sitzt...

Foto: Reuters

Wladimir Putin testet Waffen und Fahrzeuge eben gerne selbst aus. Hier besteigt Putin im Ural gerade einen Panzer.

Foto: Reuters

„Die ganzen acht Jahre habe ich wie ein Sklave von morgens bis abends geschuftet.“

Februar 2008 über seine Zeit als Präsident im Kreml. Peinlich wurde es, als Putin 2011 vor laufenden Kameras vor der Taman-Halbinsel im Süden Russlands im Neoprenanzug in die Ruinen der antiken griechischen Stadt Phanagoria abtauchte, um von dort zwei antike Vasen hochzubringen. Angesichts skeptischer Berichte unabhängiger Medien musste sein Sprecher Monate später einräumen, dass es sich um eine Inszenierung gehandelt hatte. Kritiker hatten Verdacht geschöpft, weil auf den angeblich aus dem sechsten Jahrhundert stammenden Amphoren keine Spuren von Algen oder Muscheln zu sehen waren.

Foto: Reuters

„Wenn Sie aber islamische Radikale werden wollen und deshalb bereit sind, eine Beschneidung vorzunehmen, dann lade ich Sie nach Moskau ein. Wir sind ein Land mit vielen Konfessionen, und wir haben gute Ärzte. Wir empfehlen diese Operation so durchzuführen, dass Ihnen nichts mehr nachwächst.“

November 2002 während des EU-Russland-Gipfels auf die Frage eines Journalisten nach dem Vorgehen der russischen Armee gegen die Zivilbevölkerung in Tschetschenien. Selbst beim Arzt lässt er sich fotografieren. Auch wenn es nur um eine kaputte Schulter geht.

Foto: Reuters

„Unsere russischen Frauen sind die begabtesten und die schönsten“.

April 2008 bei einem Besuch in Rom auf die Frage nach seinem Privatleben. (Foto: Putin-Anhängerinnen gehen für den Staatsmann auf die Straße)

Foto: dpa

„Der Dieb muss im Gefängnis sitzen.“

Dezember 2010 live im Staatsfernsehen zu einer neuen Verurteilung seines inhaftierten Kritikers Michail Chodorkowski. Putin hingegen kann offenbar alles, denn hier sitzt er auf der Bank des Eishockey-Teams.

Foto: Reuters

... holt sich Putin einen tollen Hecht an Land. 2013 etwa zog er ein 21 Kilo schweres Exemplar aus dem Wasser, wie damals der Kreml mitteilte.

Foto: picture-alliance

Wladimir Putin beim Schießtraining in der Halle.

Foto: Reuters

Fotos von Putin in diesem Aufzug sind geradezu eine sommerliche Tradition. Der Kreml zeigt den Bürgern regelmäßig, wie der Staatschef als harter Mann durch die Wildnis streift.

Foto: dpa

Russlands Kandidaten: Diese Herren wollen in den Kreml
Wladimir Putin
Gennadi Sjuganow
Wladimir Schirinowski
Michail Prochorow
Sergej Mironow

Auch als Regierungschef gilt Putin und nicht sein politischer Ziehsohn, Präsident Dmitri Medwedew, als eigentlicher Machthaber der Energiegroßmacht mit dem nach den USA zweitgrößten Atomwaffenarsenal. Als das „Machttandem“ im September 2011 vor der von Putin geführten Regierungspartei Geeintes Russland ankündigte, die Ämter künftig tauschen zu wollen, sahen sich viele um ihre Mitbestimmung betrogen. Der bisher vor allem von seinen Gegnern als „autoritär“ kritisierte Putin, sieht sich nun bisweilen auch bei Gefolgsleuten Vorwürfen ausgesetzt, er sei beratungsresistent und treffe wichtige Entscheidungen nur noch alleine.

Wie sehr es der etwa 1,72 Meter große Putin genießt, im Rampenlicht zu stehen, zeigten seine Auftritte als Judoka, Schützer von Tigern, Leoparden und anderen Raubtieren, als Biker in Lederkluft oder als Reiter und Angler mit freiem Oberkörper. In der Kindheit war er nach eigenen Worten ein „Schlägertyp“. Wegen seiner auffallend glatten Gesichtshaut fast ohne Augenfältchen sagten Experten in Medien ihm zuletzt sogar Schönheitskuren nach.

Kritiker aber bringen Putin vor allem mit den vielen Schwächen des Landes in Verbindung: Korruption, Justizwillkür und Verletzung von Menschenrechten und Druck auf Medien. An dem als durchsetzungsstark und schlagfertig geltenden Menschen scheiden sich aber seit langem die Geister. Der mit ihm befreundete Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder meinte einst, dass Putin ein „lupenreiner Demokrat“ sei. Anders sieht das Friedensnobelpreisträger und Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow, der Putin zuletzt mehrfach zum Rückzug aufforderte. Putin habe ein schlimmeres Machtmonopol geschaffen als einst die Kommunisten.

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