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Quarantäne Spanien beginnt mit dem Weg aus dem Shutdown

In Spanien dürften seit heute dürfen kleine Geschäfte öffnen – für Kunden mit Termin. Ein Großteil der Läden bleibt dennoch zu, Verbände machen Fehl-Informationen verantwortlich.
04.05.2020 - 16:00 Uhr Kommentieren
Ab heute dürfen in Spanien Geschäfte, die nach Terminvereinbarung arbeiten, wieder öffnen. Quelle: dpa
Friseursalon in Spanien

Ab heute dürfen in Spanien Geschäfte, die nach Terminvereinbarung arbeiten, wieder öffnen.

(Foto: dpa)

Madrid Nach sieben Wochen strengster Quarantäne können ab diesem Montag in Spanien kleine Geschäfte wieder öffnen – und die Kunden bedienen, die vorher einen Termin vereinbart haben.  Das gilt selbst für Boutiquen oder Schuh-Händler.

José Manuel Vega hat in seinem Leben noch nie einen Termin vergeben, aber heute klingelt in seiner Schlüssel- und Schuh-Werkstatt schon zum zweiten Mal das Telefon mit Kunden, die sich anmelden wollen. „Viel Umsatz erwarte ich nicht, aber aufmachen ist besser als gar nichts zu verdienen“, sagt er.

Sieben Wochen lang galt in Spanien eine der härtesten Ausgangsperren Europas. Zwar durften Industriebetriebe bis auf zwei Wochen ihre Arbeit aufrechterhalten. Bars, Restaurants, ein Großteil des Handels und Dienstleister wie Vega blieben aber abgeschlossen. Anbieter mit weniger als 400 Quadratmetern Fläche dürfen seit diesem Montag wieder öffnen. Doch nur wenige machen am ersten Tag davon Gebrauch.

„Die Lockerungen scheitern, und nur 20 Prozent der kleinen Händler öffnen“, titelt die Wirtschaftszeitung El Economista. Der spanische Handelsverband CEC macht dafür unter anderem fehlende Schutzausrüstung und eine zu kurzfristige Information der Regierung zu den Sicherheitsprotokollen verantwortlich.

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    Die konkreten Vorschriften hatte die Regierung erst am Sonntag veröffentlicht. Und sie sind streng: Boutiquen müssen etwa jedem Kunden die Umkleidekabine desinfizieren,  ebenso wie die Kleidung, die der Kunde probiert hat.

    Eine Branche aber hat am Montag sehr wohl ihre Tore geöffnet: die Friseure. Der Verband der Selbständigen, ATA, geht davon aus, dass die Hälfte aller Salons den Betrieb wieder aufgenommen hat.

    Im Wohnviertel Chamberi im Zentrum von Madrid haben zahlreiche Friseur- und Beautysalons ihre Rollgitter hochgefahren. „Ich bin die ersten beiden Wochen komplett ausgebucht“, sagt Julio Pérez Carmona, Inhaber des Friseursalons Renovación Peluqueros.

    Für seine Kunden hält er Überzieher aus Plastik für die Schuhe, Mundschutz und Einweg-Handschuhe bereit. Nach jedem Klienten desinfiziert er den Stuhl, einmal am Tag den kompletten Laden. Julio selbst hat eine Lungeninsuffizienz und gehört deshalb zur Risikogruppe für Covid-19. Doch er kann es sich nicht leisten, sein Geschäft noch länger geschlossen zu lassen. „Ich habe schon Angst, aber ich versuche, mich davon nicht verrückt machen zu lassen“, sagt er.  

    Es herrscht noch viel Unsicherheit und Angst

    Während in Deutschland der Druck auf eine schnellere Normalisierung wächst, herrscht in Spanien noch viel Unsicherheit und Angst. Das Land hat gemessen an der Einwohnerzahl die meisten Infizierten in Europa. In vier Phasen will der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez die Spanier nun schrittweise bis Ende Juni in eine „neue Normalität“ führen, in der es keine Vorschriften zur sozialen Distanz oder Restriktionen für den Großteil der Branchen mehr gibt. Doch sein Exit-Plan stößt nicht nur beim Handelsverband auf Kritik.

    Zunächst hatte sich das Gastgewerbe beschwert, weil Sánchez ihnen in der zweiten Stufe der Lockerungen nur erlauben wollte, 30 Prozent der Plätze in den Terrassen zu besetzen. Dann lohne sich die Öffnung nicht, argumentierte der Verband. Nun sind es 50 Prozent. Der Arbeitgeberverband CEOE warnt dennoch, dass auch das nicht reiche und viele Hotels, Bars und Restaurants bis Ende Juni nicht öffnen würden.

    Der Tourismus macht in Spanien rund zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung aus. „Er wird sich erst dann wieder vollständig erholen, wenn die Epidemie vollkommen besiegt ist“, meint Antonio González González, Vizepräsident der Ökononmenvereinigung „Economistas frente a la crisis“.

    Die Ostersaison ist bereits ausgefallen und im Sommer würden kaum ausländische Touristen nach Spanien kommen, erwartet er. Die Hoffnung der Hoteliers ist nun, dass sie im Sommer zumindest etwas Umsatz mit spanischen Reisenden machen können.

    Das große Gewicht der Branche in Spanien ist ein Grund dafür, dass die Prognosen für den Wirtschaftseinbruch besonders düster ausfallen. Die spanische Regierung rechnet mit einem Einbruch um 9,2 Prozent in diesem Jahr und einer Erholung von 6,8 Prozent im kommenden Jahr.

    Das bedeutet, die spanische Regierung geht nicht von einem Konjunkturverlauf in Form eines „V“ aus, sondern her in Form des Nike-Logos: Die Aufwärtsbewegung ist deutlich flacher als der Absturz. Die Arbeitslosigkeit wird den Prognosen zufolge in diesem Jahr von knapp 14 auf 20 Prozent steigen und im kommenden Jahr auf 17 Prozent sinken.

    Auch die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit hebt Spanien nur in vorsichtigen Schritten auf. Am Samstag durften die Spanier nach sieben Wochen zum ersten Mal zum Sport oder spazieren auf die Straße – geordnet nach Uhrzeiten für jedes Alter. Von sechs bis zehn Uhr konnte man alleine Sport an der frischen Luft treiben, danach durften zwei Stunden die über 70-Jährigen vor die Tür, tagsüber ein Elternteil mit maximal drei Kindern und am Abend wieder eine Stunde die Senioren und von 20 bis 23 Uhr die Sportler.

    Menschenmassen zum Ende des Ausgehverbots

    Das hat dazu geführt, dass die Straßen etwa in Madrid am Samstag und Sonntag rappelvoll waren. Am Samstagabend sah aus, als wären alle Madrider gleichzeitig vor die Tür gegangen. Die Bürgersteige quollen über vor Leuten, die – oft erfolglos - versuchten, den Mindestabstand von einem Meter einzuhalten. Sie wichen häufig auf die Auto-Fahrbahnen aus, auf denen außer Fahrrädern und ein paar Skatern kaum Fahrzeuge unterwegs waren.

    Die strenge Quarantäne – die Spanier durften nur alleine und nur zum Einkaufen oder arbeiten vor die Tür – hat dazu geführt, dass die Zahl der registrierten Neuinfektionen und der Toten deutlich gesunken sind. Am Montag zählten die Behörden 356 neue Infektionen, nur noch 0,16 Prozent mehr als am Vortag. Die Zahl der Toten steig um 164 auf 25.428.

    Mehr: Spanien meldet niedrigsten Zuwachs an Covid-19-Toten seit März.

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