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Russische Söldner für AssadWie Putins Oligarchen vom syrischen Öl profitieren

Feuerkraft gegen Öl: Putins Nähe zu Assad und die russische Militäroperation in Syrien bringen erste wirtschaftliche Erfolge. Davon profitieren vor allem Oligarchen mit engsten Verbindungen zum Kreml.André Ballin 01.07.2017 - 17:43 Uhr Artikel anhören

Russische Soldaten bei einem Einsatz in der syrischen Stadt.

Foto: AP

Moskau. Öl gegen Waffen, so heißt die Formel, auf die sich die syrische Regierung und der russischen Geschäftsmanns Jewgeni Prigoschin geeinigt haben sollen. Russische Zeitungen sind sich sicher: Konkret verpflichtet sich Prigoschins Firma „Euro Police“, Raffinerien sowie Öl- und Gasquellen für die Regierung von Baschar al-Assad zu erobern und vor Angriffen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu schützen.

Im Gegenzug erhält sie die Förderrechte für ein Viertel der dortigen fossilen Reserven. Sollten die militärischen Ausgaben höher sein, werden diese extra abgerechnet. Eine entsprechende Absichtserklärung soll bereits im Dezember unterzeichnet worden sein und für fünf Jahre gelten, meldet die Petersburger Internetzeitung Fontanka unter Berufung auf einen Informanten aus dem russischen Energieministerium.

Offiziell nannte das Ministerium die Vereinbarungen „Betriebsgeheimnis“ und lehnte weitere Kommentare ab. Syriens Ölminister Ali Ghanem bestätigte in einem Interview die geplante Zusammenarbeit beider Länder im Öl- und Gassektor sowie ein Treffen mit russischen Ölgesellschaften, „die in Syrien arbeiten“. Namen wurde keine genannt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, ihm sei nichts bekannt über ein solches Abkommen. „Wir haben keine Informationen dazu.“ Der Kreml verfolge auch nicht die Interessen russischer Geschäftsleute im Ausland, sagte Peskow.

Auch an Eroberung von Palmyra beteiligt

Für die Aktivität von „Euro Police“ in Syrien sprechen zahlreiche Indizien: Die erst 2016 gegründete Firma hat zu Jahresbeginn ihr Grundkapital deutlich aufgestockt und ihr Profil geändert. Aus einer gewöhnlichen Handelsgesellschaft – vor allem mit Lebensmitteln – wurde laut Firmenregister ein Öl-, Gas- und Erzförderer mit einer Förderkonzession im Ausland. Im Mai eröffnete Euro Police eine Filiale in Damaskus.

Die Verantwortung für die militärische Komponente des Deals übernimmt Generaldirektor Oleg Jerochin. Der hohe pensionierte Ermittlungsbeamte aus St. Petersburg hat enge Kontakten zum Chef des Sicherheitsdienstes von Prigoschin, Jewgeni Guljajew. Dieser Sicherheitsdienst wiederum ist eng verflochten mit der privaten Söldnertruppe „Wagner“. Benannt ist sie nach dem Decknamen des ehemaligen Oberstleutnants Dmitri Utkin vom russischen Armeegeheimdienst GRU, der die Einheit führt. Die Männer der Einheit trainieren eng mit russischen Soldaten und Sondereinheiten zusammen, und waren in der Krim, der Ostukraine und später auch in Syrien im Einsatz.

Obwohl Söldnertum in Russland eigentlich verboten ist, soll die Gruppe auch bei der Eroberung von Palmyra – dort liegt das Gros der Ölquellen – im Einsatz gewesen sein. Einige Mitglieder der Einheit wurden später im Kreml ausgezeichnet. „Wagner“ könnte entsprechend die Sicherheitsaufgaben für Euro Police wahrnehmen.

Wie hoch die Gewinne sind, darüber lässt sich derzeit allenfalls spekulieren: Ghanem bezifferte zuletzt die Förderung auf täglich 8.000 Barrel Öl und neun Millionen Kubikmeter Gas. Von „Supergewinnen“ könne angesichts des geringen Förderumfangs derzeit nicht die Rede sein, sagt Russlands früherer Energievizeminister Wladimir Milow. Perspektivisch ist das Geschäft schon: Die erkundeten Ölreserven des Landes werden auf 2,5 Milliarden Barrel, die Gasvorräte auf 241 Milliarden Kubikmeter geschätzt. 2002, auf dem Höhepunkt der Produktion, wurden 677.000 Barrel Öl täglich gefördert.

Prigoschin selbst, der Chef von Euro Police, stammt nicht aus der Ölbranche, sondern hat sein erstes Kapital im Restaurantbusiness und Catering-Service von St. Petersburg gemacht – zu der Zeit, als Putin dort in der Stadtverwaltung saß. Nach mehreren Staatsempfängen, die er organisierte, wurden die Medien auf ihn aufmerksam. Erst bewirtete er Putin auf seinem Restaurantschiff New Island, später wurde er zum „Proviantmeister“ der russischen Streitkräfte, seine Firma „Konkord AG“ bekommt seit Jahren über 90 Prozent der Lieferaufträge für die Feldküchen. 2012 organisierte er den Empfang für die erneute Amtseinführung Putins und gilt als einer der Vertrauten des Kremlchefs.

Inzwischen hat Prigoschin seine Geschäfte längst diversifiziert, ist auch im Immobilien- und Mediensektor aktiv. 2014 wurde bekannt, dass die „Trollfabrik“ ebenfalls von Prigoschin finanziert wird. Die Einrichtung in St. Petersburg, beschäftigt Mitarbeiter für Foreneinträge mit Kritik am Westen und der liberalen Opposition in Russland sowie Lob für Putin.

Prigoschin ist nicht der einzige kremlnahe Oligarch, der in Syrien aktiv geworden ist: Milliardär Gennadi Timtschenko, aktuell mit 16 Milliarden Dollar Nummer vier auf der Reichenliste in Russland und wie Prigoschin von westlichen Sanktionen betroffen, bekommt nach ganz ähnlichem Schema die Rechte an zwei Phosphatminen bei Palmyra. Vor dem Bürgerkrieg war Syrien einer der größten Phosphorexporteure weltweit.

Wiederaufbau der Förderung

In den Timtschenko zugeschlagenen Phosphatminen lag die Gesamtproduktion einst bei 3,5 Millionen Tonnen, wovon drei Millionen Tonnen in den Export gingen. 2015, nachdem der IS das Gebiet erobert hatte, wurde die Förderung eingestellt. Erst Ende Mai wurden die Islamistenkämpfer endgültig aus der Region vertrieben.

Bereits Anfang Juni habe Timtschenkos „Stroitransgas Logistika“ mit dem Wiederaufbau der Förderung begonnen, teilte die Hauptverwaltung für Geologie und Bodenschätze Syriens mit. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits im April von Präsident Assad ratifiziert. Zu der Zeit wurden im Hafen von Tartus – dort ist eine russische Militärbasis – auf russischen Schiffen auch erste Ausrüstungsgüter für die Phosphatproduktion gesichtet. Stroitransgas selbst kommentierte die Berichte nicht.

„Das ist eins der vielen Objekte auf dem von Damaskus kontrollierten Territorium, das Vertretern von russischen, iranischen oder chinesischen Unternehmen übergeben wird, da sie ohne deren Hilfe bei Technologie, Investitionen und Exportmöglichkeiten nicht wiederaufgebaut werden können“, sagte der russische Politologe Grigori Lukjanow.

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Seinen Angaben nach wird das Gebiet derzeit von einer privaten russischen Söldnertruppe kontrolliert, die nicht nur gegen den IS kämpft, sondern auch vom Iran unterstützte Bürgerwehren von den Minen fernhält. Auch für „Stroitransgas Logistika“ ist eine der Aufgaben der militärischer Schutz der Objekte

Syrien versucht derweil das Straßennetz aus dem Landesinneren zum Hafen Tartus und Richtung Türkei wiederherzustellen und militärisch abzusichern. Wenn die Öl- und Gasfelder und die Phosphorminen im zentralen Teil Syriens wieder funktionieren, muss auch der Export der Güter wieder anlaufen, um die brachliegende Wirtschaft anzukurbeln.

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