Tech-Regulierung: Vorstoß aus dem Weißen Haus – US-Regierung führt Hürden für KI-Tools ein
Der Vorstoß spiegelt die Bemühungen der US-Politik wider, die rasant wachsende KI-Industrie zumindest in Teilen zu regulieren.
Foto: APWashington, San Francisco. Das Weiße Haus hat am Montag erstmals ein Konzept zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) veröffentlicht. Jeff Zients, Stabschef von US-Präsident Joe Biden, sagte: „Wir müssen uns schnell, wirklich schnell bewegen, idealerweise schneller als die Technologie selbst.“
Der Vorstoß spiegelt die Bemühungen der US-Politik wider, die rasant wachsende KI-Industrie zumindest in Teilen zu regulieren. Auch die Europäische Union und China, der größte Tech-Rivale der USA, arbeiten an eigenen Richtlinien. Großbritannien richtet am Mittwoch den ersten internationalen KI-Gipfel aus, für die USA wird Vizepräsidentin Kamala Harris daran teilnehmen.
Die neue Verordnung baut auf freiwilligen Verpflichtungen auf, auf die sich das Weiße Haus mit 15 Technologieunternehmen geeinigt hatte, darunter Microsoft und Google. Konkret sind folgende Maßnahmen geplant, die binnen eines Jahres umgesetzt werden sollen:
- Industrie in der Pflicht: Auf Grundlage des amerikanischen „Defense Production Act“, eines Gesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit, verpflichtet die Verordnung führende Entwickler, KI-Standards zu entwickeln. Diese müssen an das staatliche National Institute of Standards and Technology gemeldet werden. Die Behörde prüft wiederum, ob potenziell kritische KI-Tools „sicher sind, bevor sie veröffentlicht werden“, heißt es in dem Dekret. Dieser Zwischenschritt gilt als wichtigste Neuerung.
- Militärischer Einsatz: Die US-Regierung will sich dazu verpflichten, dass KI nicht genutzt wird, um zum Beispiel biologische Waffen zu produzieren.
- KI in Regierungsbehörden: Die wichtigsten US-Ministerien, darunter das Pentagon, das Energieministerium und die Geheimdienste, sind künftig dazu verpflichtet zu prüfen, wie sie KI „auf allen Ebenen ihrer Arbeit“ einbinden können. Der Kauf von KI-Tools soll gefördert werden.
- Fachkräfte und Arbeitsmarkt: Die US-Regierung will Einwanderungsbeschränkungen speziell für KI-Entwickler lockern, damit sie einfacher in den USA studieren und arbeiten können. Gleichzeitig adressiert das Dekret Ängste, dass KI Millionen von Arbeitsplätzen überflüssig machen könnte. Das US-Arbeitsministerium soll eine nationale Strategie zum „Schutz von Arbeitnehmerrechten“ vorlegen.
- Verbraucherschutz: KI-gesteuerte Betrugsmaschen und Desinformationskampagnen sind bereits im Umlauf, an dieser Stelle bleibt das Dekret vage. Das Weiße Haus empfiehlt, dass Fotos, Videos und Audiodateien, die von einer KI stammen, mit entsprechenden Hinweisen versehen werden. Unabhängige US-Behörden gehen schon einen Schritt weiter: Im Juli hatte die US-Handelskommission eine Untersuchung gegen OpenAI, den Hersteller von ChatGPT, wegen möglicher Verletzungen des Verbraucherschutzes eröffnet.
Keiner der großen US-Technologiekonzerne stellt die Regulierung von Künstlicher Intelligenz grundsätzlich infrage. OpenAI-CEO Sam Altman verglich die Gefahren von KI sogar mit denen von Atombomben und rief die US-Abgeordneten auf, klare Regeln festzulegen. Sieben führende KI-Firmen – Amazon, Anthropic, Google, Inflection, Meta, Microsoft und OpenAI – kündigten nach einem Treffen im Weißen Haus im Juli an, sich an strengere Vorgaben für Sicherheit und Transparenz beim Einsatz von KI zu halten.
In den Details weichen die Interessen der US-Konzerne jedoch zum Teil stark von denen der US-Regulierung ab. Altman sprach sich beispielsweise dafür aus, nur besonders starke KI-Modelle strengen Regeln zu unterwerfen. „In unserer Branche wird viel über Regulierung geschimpft. Wir haben eine Regulierung gefordert, aber nur für die stärksten Systeme“, sagte Altman bei einer Technologiekonferenz in Taiwan.
Weiter Weg bis zu verpflichtenden Standards
Meta-CEO Mark Zuckerberg sprach sich zwar auch prinzipiell für eine Regulierung von KI aus, warnte jedoch, dass eine zu starke Regulierung die Innovationskraft der Branche hemmen könnte. „Ich stimme zu, dass der Kongress sich mit KI befassen sollte, um Innovation und Schutzmaßnahmen zu unterstützen. Es handelt sich um eine aufstrebende Technologie, bei der es wichtige Gleichgewichte abzuwägen gilt“, sagte Zuckerberg nach einem Treffen mit dem demokratischen Abgeordneten Chuck Schumer.
Keiner der großen US-Technologiekonzerne stellt die Regulierung von Künstlicher Intelligenz grundsätzlich infrage.
Foto: APZudem gibt es Streit über die richtige Regulierung unter den Tech-Firmen. Chris Padilla von IBM warnt, eine Regulierung könnte die dominante Position mächtiger Tech-Konzerne festigen und Neueinsteiger lähmen: „Es würde neue Marktteilnehmer ausschließen und die Open-Source-Gemeinschaft mehr oder weniger lahmlegen.“
Biden unterstrich kürzlich die Dringlichkeit einer KI-Regulierung, die meisten führenden KI-Unternehmen wie Google, Microsoft und OpenAI haben ihren Hauptsitz zudem in den USA. „Ich glaube nicht, dass es in der Geschichte der Menschheit jemals einen so grundlegenden potenziellen technologischen Wandel gegeben hat wie den, den die Künstliche Intelligenz darstellt“, sagte Biden kürzlich. Im US-Präsidentschaftswahlkampf sind die Auswirkungen von KI bereits zu spüren, im Internet finden sich viele künstlich erstellte Fotos und Videos.
Bis es allerdings tatsächlich verpflichtende Standards gibt, können Jahre vergehen. Das Weiße Haus hat über Exekutivmaßnahmen nur bedingt Einfluss. Gesetzlich bindende Vorschriften könnte der US-Kongress erlassen.
Dort stecken Ansätze zur KI-Regulierung allerdings noch in den Anfängen, bislang konnte sich der zwischen Demokraten und Republikanern gespaltene Kongress nicht einmal auf Grundzüge einer Big-Tech-Reform einigen.
Auf internationaler Ebene arbeiten die USA an einem gemeinsamen KI-Rahmen mit der EU, den man wiederum den anderen G7-Industrienationen als Vorlage präsentieren kann. Ein wichtiges Element der amerikanischen KI-Strategie ist die Abgrenzung von China.
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So haben die USA radikale Exportkontrollen gegen chinesische Hochleistungschips erlassen, um Pekings technologischen und militärischen Fortschritt zu bremsen – vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz.