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TouristenattraktionMindestens 17 Tote bei Unglück von Standseilbahn in Lissabon

Augenzeugen sprechen von Szenen „wie im Actionfilm“: Nach dem Unglück einer Kult-Bahn in Lissabon herrschen Schock und Trauer. Und es gibt viele offene Fragen zur Sicherheit des beliebten Fahrzeugs. 04.09.2025 - 11:37 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Rettungskräfte arbeiten an der Stelle, an der eine Standseilbahn entgleist ist: Der Unfall hat sich am Mittwochabend aus noch unbekannter Ursache ereignet. Foto: Armando Franca/AP/dpa

Lissabon. Eine der berühmtesten Touristenattraktionen Lissabons ist innerhalb von Sekunden zur Todesfalle geworden: Bei der Entgleisung der historischen Standseilbahn „Elevador da Gloria“ kamen am Abend im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt mindestens 17 Menschen ums Leben. Fünf Menschen wurden schwer verletzt, 13 weitere nur leicht, wie ein Sprecher der Notfallbehörde INEM mitteilte.

Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass auch Deutsche von dem schweren Standseilbahn-Unglück in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon betroffen sind. Portugiesischen Medienberichten zufolge ist ein Deutscher unter den Toten.

Die weiteren Identitäten und Nationalitäten der Opfer sind bislang unbekannt. Am Donnerstag könne es dazu Informationen geben, sagte ein Sprecher des Rathauses. Das Institut für Rechtsmedizin will die Obduktionen bis zum Vormittag abgeschlossen haben. Es ist zu erwarten, dass unter den Toten und Verletzten auch mehrere Touristen aus dem Ausland sind.

„Portugal trauert“, sagte Bürgermeister Carlos Moedas dem TV-Nachrichtensender „SIC Notícias“ sichtlich niedergeschlagen. Es sei vor allem für die Stadt Lissabon „tragisch, ein schrecklicher Abend“. Moedas rief eine dreitägige Trauer aus. Portugals Ministerpräsident Luís Montenegro sagte alle seine Termine erst einmal ab.

Fahrzeug kam von den Schienen ab

Der „Elevador da Glória“ fährt auf der Rua da Glória hin und zurück über eine Strecke von rund 265 Metern und überwindet dabei einen Höhenunterschied von rund 45 Metern. Kurz nach 18.00 Uhr Ortszeit (19.00 MESZ) war das straßenbahnähnliche Fahrzeug am Mittwoch mit vielen Insassen wieder auf dem Weg nach unten, als es plötzlich von den Schienen abkam, die Straße mit lautem Getöse hinunterrutschte und seitlich gegen ein Gebäude unweit des Platzes Praça dos Restauradores krachte.

TV-Bilder zeigten den Wagen auf der Seite liegend und total zerstört. In Liveübertragungen mehrerer Sender waren dichte Rauchschwaden und Trümmer zu sehen. Sirenen heulten, während Rettungsteams hektisch und unermüdlich arbeiteten. „Es war wie im Actionfilm“, sagte eine Augenzeugin. Schnell seien Sanitäter und Polizisten eingetroffen, berichtete die junge Frau, die noch sichtlich erschüttert war.

Die Standseilbahn ist auch bei Touristen beliebt: Der „Elevador da Gloria“ wurde im Jahr 1885 eröffnet und ist eine der drei historischen Standseilbahnen Lissabons. Foto: Ágata Xavier/dpa

Die Ursache ist bisher unbekannt. Experten vermuten, dass ein Seil gerissen sein könnte und vielleicht auch noch die Bremsen versagt haben. Vorwürfe, die Instandhaltung der Bahn sei womöglich nicht gut genug gewesen, wies der Betreiber, die Lissabonner Verkehrsgesellschaft Carris, zurück. „Die monatlichen und wöchentlichen Wartungsprogramme sowie die tägliche Kontrolle werden sorgfältig durchgeführt“, hieß es in einem Bericht.

Trotzdem ließ die Stadtverwaltung von Lissabon den Betrieb aller drei Standseilbahnen aussetzen und ordnete sofortige Inspektionen an. Die portugiesische Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf. Sie sei mit mehreren Beamten vor Ort gewesen, berichtete der Sender „SIC Notícias“.

Einen solchen Unfall mit einer der drei Standseilbahnen, die seit dem 19. Jahrhundert betrieben werden, hat es in Lissabon bisher nicht gegeben.

Staatsoberhaupt fordert schnelle Aufklärung

Portugals Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa bedauerte den Unfall „zutiefst“ und forderte, dass der Vorfall „rasch von den zuständigen Stellen aufgeklärt“ werde. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Der „Elevador da Gloria“ wurde im Jahr 1885 eröffnet und ist eine der drei historischen Standseilbahnen Lissabons. Er verbindet den zentralen Platz Praça dos Restauradores mit dem höher gelegenen Stadtteil Bairro Alto. Die Bahn ist heute in erster Linie eine Touristenattraktion, sie wird aber auch von vielen Einheimischen benutzt, denen die Strecke zu Fuß zu steil ist.

dpa, rtr
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