Ukraine: Chinesische Kämpfer belasten Verhältnis zwischen Peking und Kiew
Shanghai. Im Zollstreit mit den USA präsentiert sich China den Europäern als stabiler Partner, auf den man sich wirtschaftlich verlassen kann. International will die Volksrepublik als Friedensmacht wahrgenommen werden. Zuletzt hatte sich auch die politische Stimmung zwischen der EU und China wieder verbessert, nachdem US-Präsident Donald Trump sein Land auf Distanz zur EU gebracht hat.
Die Festnahme zweier chinesischer Staatsbürger im Raum Donezk könnte diese Beziehungen nun jedoch deutlich belasten. Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj zwei Chinesen festgenommen, die auf ukrainischem Gebiet für Russland gekämpft haben sollen. Nach ukrainischen Angaben handelt es sich um die erste Festnahme chinesischer Kämpfer.
Kiew nimmt die Festnahmen sehr ernst. Die Ukraine sei zwar „ein starkes Land“, doch man könne „nicht gegen mehrere Länder gleichzeitig kämpfen“, sagte Selenskyj.
Die Ukraine und die sie unterstützende EU-Kommission kritisieren die Volksrepublik schon länger für ihre Rolle im Ukrainekrieg. China unterstützt den Aggressor Russland politisch und wirtschaftlich. Offiziell schickt das Land aber keine Soldaten in den Krieg. Direkte militärische Unterstützung bekommt Russland nur von Nordkorea, das in den ersten beiden Monaten 2025 weitere 3000 Soldaten nach Russland geschickt haben soll.
China warnt vor Beteiligung am Krieg
China hat die eigene Haltung offiziell nicht geändert. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg deutet eine erste Befragung der festgenommenen 31- und 33-jährigen Männer darauf hin, dass sie als Söldner auf eigene Rechnung nach Russland gereist sind und dort von russischen Armeeangehörigen rekrutiert wurden. Der chinesische Staat ist demnach nicht beteiligt.
Die chinesische Regierung warnt ihre Bürger gar explizit davor, sich in fremde Kriege hineinziehen zu lassen. In der Praxis hindert sie sie aber nicht daran, zu diesem Zweck nach Russland zu reisen. China wies zudem die Aussagen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj als haltlos zurück, dass chinesische Soldaten für Russland in der Ukraine kämpften. „Die Ukraine solle Chinas Bemühungen und konstruktive Rolle bei der Suche nach einer politischen Lösung der Ukraine-Krise richtig einschätzen“, sagt ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. China prüfe derzeit die Lage in der Ukraine.
Tatsächlich kämpfen auf beiden Seiten des Krieges Tausende Ausländer, wie das Handelsblatt berichtete. In der ukrainischen Armee gibt es für gefährliche Fronteinsätze bis zu 4400 Euro im Monat, ein chinesischer Söldner auf russischer Seite berichtete dem Handelsblatt, dass er zwischen 2200 und 2800 Euro im Monat verdient. Zum Vergleich: 2023 lag das chinesische Pro-Kopf-Einkommen bei 5000 Euro – pro Jahr.
Es gibt also durchaus einen finanziellen Anreiz für Chinesen, in Russland in den Krieg zu ziehen. Einer der beiden von der Ukraine festgenommenen Chinesen gab an, wegen eines versprochenen Geldbetrages von rund 23.200 US-Dollar bei den Russen angeheuert zu haben. Er habe zuerst im Internet eine Anzeige der russischen Armee gesehen.
Das Handelsblatt berichtete auch über einen Taiwaner, der für die Ukraine gekämpft hat. Dieser allerdings gab als Grund an, militärische Praxis zu sammeln, die ihm zu Hause in Taiwan fehle.
Russische Quellen berichten von mehr als 13.000 Ausländern, die für die Ukraine kämpfen, die Regierung in Kiew spricht von 20.000 Soldaten. Die tatsächliche Zahl ausländischer Söldner auf russischer Seite ist hingegen unbekannt. Chinesische Söldner kämpfen nach Ansicht von Experten wegen der politisch-ideologischen Nähe und der Partnerschaft der beiden Ländern eher auf russischer Seite.
„Viele Chinesen denken, wenn man Russland hilft, hilft man irgendwie auch China“, sagte der chinesische Söldner dem Handelsblatt. Zugleich beklagt er, dass Ausländer in der Armee nur „Kanonenfutter“ seien und von einigen Befehlshabern schlecht behandelt würden.
Russland und China bauen ihre „strategische Partnerschaft“ seit 2022 demonstrativ aus. In der chinesischen Propaganda wird der Krieg in der Ukraine nicht verurteilt, sondern verharmlost. Russische Medien wecken bei der chinesischen Jugend Sympathien für die „Spezialoperation“, wie der Kreml den Krieg lange Zeit verharmlosend nannte. Vor allem in Nordchina entlang der Grenze zu Russland wird die Partnerschaft der beiden Länder auch im Handel zelebriert.
Die Ukraine betont auch die Verantwortung Chinas für seine Bürger. „Chinesische Staatsbürger, die als Teil der russischen Invasionsarmee in der Ukraine kämpfen, stellen die erklärte Haltung Chinas zum Frieden infrage“, sagte Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X.
Präsident Selenskyi betonte zudem, dass die chinesischen Soldaten auf ukrainischem Territorium kämpften, während die Nordkoreaner in Richtung Kursk unterwegs seien, einer Stadt im europäischen Teil Russlands, rund 60 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Dies sei ein „wichtiger Punkt, den wir mit unseren Partnern besprechen müssen“, sagte Selenskyi.