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Urlaub trotz HitzewelleWaldbrände in Ferienländern – was Touristen jetzt wissen müssen

In Europa herrschen Rekordtemperaturen, vielerorts drohen Waldbrände. Kann man den Urlaub nun kostenlos stornieren? Fragen und Antworten im Überblick.Alexandra Beste 21.07.2022 - 10:18 Uhr Quelle: TagesspiegelArtikel anhören

Waldbrand in der Nähe der Dune du Pilat in Frankreich.

Foto: imago images/NurPhoto

Berlin. Mitten in der Hauptferienzeit rollt eine Hitzewelle über Europa hinweg, die auch Dürre und Waldbrände mit sich bringt. In einigen Ferienländern wüten aufgrund von Rekordtemperaturen, Trockenheit und starken Winden bereits große Waldbrände. Viele Deutsche haben ihren Urlaub am Atlantik und am Mittelmeer allerdings bereits vor Monaten gebucht.

Wie ist die aktuelle Lage? Sollte der Flug trotz Waldbrand im Urlaubsland noch angetreten werden? Und welche Stornierungsregelungen muss man beachten, wenn es im Urlaubsland brennt? Wir klären die wichtigsten Fragen und Antworten.

In welchen Ländern herrschen aktuell Waldbrände?

Gleich mehrere Länder in Südeuropa sind in diesem Sommer von Waldbränden betroffen: Dazu zählen Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Allgemein sind die Brände jedoch örtlich begrenzt, bislang sind bekannte Urlaubsregionen kaum bedroht.

Eine Übersicht über größere Brandherde in Europa bietet die interaktive Karte des „Copernicus Programms“ der Europäischen Union. Für eine detaillierte Ansicht der aktuellen Brände muss in der Auswahlmaske links unter dem Punkt „Active Fires“ einen Haken bei „MODIS“ und „VIIRS“ gesetzt werden.

Die Temperaturmessdaten werden von verschiedenen Satelliten bezogen. Die Website weißt jedoch darauf hin, dass die Feuer nicht immer punktgenau lokalisiert werden können.

Welche Regionen in Frankreich sind von den Waldbränden betroffen?

In Frankreich wüten die verheerenden Waldbrände vorrangig an der Atlantikküste. Derzeit kämpfen Einsatzkräfte vor Ort gegen zwei große Feuer in der Nähe von Bordeaux. Fast 1.700 Feuerwehrleute aus ganz Frankreich sind dort im Einsatz.

Nach Angaben der Behörden wurden innerhalb einer Woche mehr als 19.000 Hektar Land südlich der Metropole zerstört. In den umliegenden Gebieten mussten bereits am Montag rund 16.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Westlich von Bordeaux und unweit der höchsten Sanddüne Europas, der Dune du Pilat, brannten nach Behördenangaben fünf Campingplätze bis „zu 90 Prozent ab“. 6.000 Urlauber waren dort bereits in der vergangenen Woche evakuiert worden.

Brennendes Feuerwehrfahrzeug bei einem Waldbrand in der Nähe von Brasparts, Frankreich. (Foto: Loic Venance/AFP/dpa)

Foto: dpa

Dennoch gibt es leichte Entwarnung: Der französische Wetterdienst „Météo-France“ hob bereits am Dienstag die höchste Hitze-Warnstufe für 15 Départements an der Atlantikküste auf. Die zweithöchste Warnstufe gilt jedoch auch weiterhin für 73 der 101 Départements in Frankreich. In den kommenden Tagen soll die Hitze in den Osten des Landes wandern. Dann soll es dort mancherorts bis zu 40 Grad heiß werden.

Wie ist die aktuelle Lage in Spanien und Portugal?

Auf der Iberischen Halbinsel wüten derzeit mehrere Brände, teils auch in der Nähe von beliebten Reisezielen. In Spanien waren zuletzt die Regionen Kastilien und León sowie Galicien im Westen und Nordwesten des Landes betroffen.

Als besonders kritisch wird die Lage in Zamora nahe der Grenze zu Portugal und in Ávila nordwestlich von Madrid eingestuft. In diesen zwei Provinzen mussten seit Sonntag rund 10.000 Menschen aus etwa 50 Ortschaften evakuiert werden. Allein in Zamora verbrannten 30.000 Hektar Wald, unzählige Häuser wurden durch die Flammen zerstört.

In Portugal sind derweil noch drei größere Waldbrände aktiv, die von knapp 800 Einsatzkräften bekämpft werden (Stand Dienstag). Nach Angaben der Naturschutzbehörde „ICNF“ haben die diesjährigen Brände in Portugal bereits fast 60.000 Hektar zerstört - mehr als doppelt so viele als noch im Jahr 2021.

Rauch steigt hinter den Vororten von Athen auf.

Foto: imago images/NurPhoto

Welche Gebiete in Griechenland haben mit Bränden zu kämpfen?

Brände herrschen derzeit vor allem im Nordosten der griechischen Hauptstadt Athen. Rund 500 Feuerwehrleute, 120 Löschfahrzeuge, drei Flugzeuge und vier Helikopter waren in den Morgenstunden am Mittwoch im Einsatz, um zu verhindern, dass die Feuer auf die Ortschaften Penteli, Pallini, Anthousa und Gerakas übergreifen.

Die Flammen wüten bereits in bewohnten Gebieten und haben zahlreiche Häuser zerstört. Etliche Wohnhäuser, eine Kinderklinik und das nationale Observatorium in Athen mussten vorsorglich evakuiert werden. In der Metropole wurden Teile der Ringstraße, die um die Stadt herum führt, für den Verkehr gesperrt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Landesweit war die Feuerwehr zuletzt wegen 117 Waldbränden im Einsatz. Zuvor haben Feuer bereits große agrarwirtschaftlich genutzte Flächen auf Kreta verwüstet.

Im Gegensatz zu Westeuropa blieb Griechenland bisher von der extremen Hitze verschont. Starker Wind sowie zunehmende Trockenheit begünstigen die Feuer jedoch.

Welche Regionen in Italien sind von den Waldbränden betroffen?

Seit einigen Tagen kämpft die italienische Feuerwehr gegen einen Waldbrand in der Toskana. Rund 500 Bewohner aus der Gegend der Gemeinde Massarosa nahe der Stadt Lucca wurden bereits in Sicherheit gebracht. Mehr als 100 Feuerwehrleute sind im Einsatz, aus der Luft unterstützen vier Löschflugzeuge und ein Helikopter.

Seit Wochen kämpfen Einsatzkräfte in Italien immer wieder gegen auflodernde Brände. Ähnlich wie in Griechenland sorgen starke Winde und die seit Wochen anhaltende Trockenheit für eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Auf der beliebten Urlaubsinsel Sardinien wurde die Waldbrand-Warnstufe erhöht. Auf Sizilien gilt bereits Stufe drei, die höchste Warnstufe.

Kann ich eine gebuchte Pauschalreise wegen der Waldbrände kostenfrei stornieren?

Grundsätzlich haben Pauschalurlauber das Recht, ihre Reise ohne anfallende Gebühren zu stornieren, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die Reise wird durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände absehbar erheblich beeinträchtigt. Wie der Rechtsanwalt Roosbeh Karimi aus Berlin gegenüber dpa erklärt, sei etwa ein Brand in der Nähe des Hotels mit Asche und Rauch in der Luft ein solcher Grund. Extreme Hitze allein reiche aber nicht für eine kostenlose Stornierung.
  • Die Reise wird erst kurzfristig storniert. Beginnt die Reise erst in ein paar Wochen, gibt es kein Recht auf eine kostenlose Stornierung. Denn es kann nicht sicher vorhergesagt werden, wann die Feuer konkret gelöscht sein werden. Karimi rät, allenfalls kurzfristig zu stornieren.
  • Der Urlaubsort ist direkt betroffen. Ein Brand irgendwo im Ferienland reicht als Begründung für eine kostenlose Stornierung nicht aus.

Sobald das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen in ein Land abrät, gelten für Pauschalurlauberinnen die gleichen Rechte wie während der Coronapandemie, erklärt Karimi. „Bei außergewöhnlichen Umständen können Urlauber kostenlos zurücktreten.“ Dazu zählen Waldbrände genauso wie politische Gefahren und Ausbrüche von Pandemien.

Während des Urlaubs bricht ein Waldbrand aus – was nun?

Kommt es im Pauschalurlaub erst während der Reise zu verheerenden Waldbränden, gibt es laut der Verbraucherzentrale Bremen zwei Möglichkeiten:

  • Vertrag kündigen und zurückreisen: Diese Variante ist möglich, sobald die Reise durch das Feuer erheblich beeinträchtigt wird. Den Vertrag kündigen Urlauberinnen am besten, indem sie sich zunächst telefonisch an ihren Reiseveranstalter wenden. Dieser müsse laut Verbraucherzentrale klären, wie und von wo aus die Rückreise erfolgen kann. Alle anfallenden Kosten wie Flug- oder Bahntickets können Reisende sich zusätzlich zu der nicht erbrachten Leistung – also dem ausgefallenen Resturlaub – erstatten lassen. Sind durch den Brand etwa Zufahrtsstraßen blockiert und müssen Urlauber deshalb länger bleiben, zahlt der Veranstalter für die Unterkunft für einen Zeitraum von maximal drei Tagen.
  • Reisepreis mindern: Auf diese Möglichkeit können Urlauber zurückgreifen, sobald einzelne Reiseleistungen wie der Transport, die Verpflegung und die Unterkunft nicht mehr dem gebuchten Standard entsprechen. Für Individualreisende gilt (nach deutschem Recht): Sie können die bereits gebuchten Leistungen wie Flug und Unterkunft dann erstattet bekommen, wenn diese nicht erbracht werden konnten. Aber auch hier gilt: Nicht lange zögern, sondern den Veranstalter lieber schnellstmöglich informieren. Das erhöht die Chancen auf Erstattung.

Was gilt bei Waldbränden für Individualreisende?

Auch wenn bereits eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts besteht, sollten sich Individualreisende nicht darauf verlassen, dass eine kostenfreie Stornierung generell möglich ist. Die Möglichkeit auf eine kostenfreie Stornierung hänge stark davon ab, in welchem Land der Anbieter, etwa eine Fluggesellschaft, seinen Sitz hat und welche Gesetze dort gelten, so der Rechtsanwalt Karimi.

In der Regel würden Individualreisende ihr Geld vermutlich nicht wiedersehen. Daher empfiehlt es sich, die Reise schon vorab mit der Option „kurz vorher kostenfrei stornierbar“ zu buchen. (mit dpa)

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