US-Kongress: Republikaner-Retreat in den Bergen – 24 Stunden mit der Chaos-Fraktion
White Sulphur Springs. In einem anderen Leben wäre Mike Johnson vielleicht „Jeopardy“-Moderator geworden oder Pastor, jedenfalls bringt er einen entsprechenden Sympathiefaktor mit. Seine Stimme hat Schlagersänger-Schmelz, er trägt eine Designerbrille und lächelt sogar, wenn er über Schuldengrenzen spricht.
Doch der 52-jährige, tief religiöse Republikaner aus dem südlichen US-Bundesstaat Louisiana hat einen der schwierigsten Jobs der Welt.
Johnson ist seit fünf Monaten Sprecher des US-Repräsentantenhauses, in der Kongresskammer vertreten 435 Abgeordnete die 50 US-Bundesstaaten proportional. Johnson hat das dritthöchste Staatsamt der USA nach Präsident und Vizepräsident inne. Doch er weiß, dass jeder Tag sein letzter auf diesem Posten sein könnte.
Teile der Republikanerfraktion drohen alle paar Tage damit, ihn abzusägen. Genau so haben sie es mit seinem Vorgänger Kevin McCarthy gemacht, der es nur zehn Monate im Amt aushielt. Johnsons Macht hängt an der Gunst seiner Gegner, das hat sich nicht geändert.
Nie wurde die Zerrissenheit der republikanischen Abgeordneten so deutlich wie in dieser Woche. Von Mittwoch bis Freitag hielt die Fraktion ihr Jahrestreffen im Greenbrier-Resort ab, einem Luxushotel mit Kasino in den Bergen von West Virginia. Unter dem Anwesen befindet sich ein ehemaliger Atombunker aus dem Kalten Krieg, der bis 1992 als „Panic Room“ für Washingtons politische Elite diente.