US-Regierung: Hegseth teilte Huthi-Angriffspläne in weiterem Signal-Chat
Washington. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat einem Zeitungsbericht zufolge Details des Angriffs auf die radikal-islamische Huthi-Miliz im März in einer weiteren Chatgruppe des Messenger-Dienstes Signal geteilt. Zu dieser gehörten auch seine Frau, sein Bruder und sein persönlicher Anwalt, berichtete die „New York Times“ am Sonntag (Ortszeit).
Hegseth teilte demnach angeblich dieselben Informationen des Angriffs, die letzten Monat von „The Atlantic“ publik gemacht wurden. Außerdem sollen die Nachrichten in der Chatgruppe Angaben über den Zeitplan der Luftangriffe enthalten haben, schrieb die US-Zeitung „The Times“ und berief sich auf vier mit der Nachrichtengruppe vertraute Quellen.
Hegseths Frau Jennifer, eine ehemalige Produzentin von Fox News, hat laut Wall Street Journal auch an sensiblen Treffen mit ausländischen Militärs teilgenommen. Eine Stellungnahme des Außenministeriums lag nicht vor. Das Weiße Haus allerdings sprach dem Minister das Vertrauen aus. US-Präsident Trump habe „absolutes Vertrauen“ und stehe hinter Hegseth.
Trump-Sprecherin bezeichnet Medienbericht als „Fake News“
Derweil berichtete der US-Radiosender NPR unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Regierungsbeamten, dass das Weiße Haus das Verfahren zur Suche nach einem Nachfolger für Hegseth eingeleitet habe. Trump-Sprecherin Karoline Leavitt bezeichnete das als „Fake News“ – und verwies darauf, dass der Präsident Hegseth Stunden zuvor öffentlich den Rücken gestärkt hatte.
Das Weiße Haus sieht eine Verschwörung gegen Hegseth im Verteidigungsministerium. „Das passiert, wenn das gesamte Pentagon gegen einen arbeitet und gegen den monumentalen Wandel arbeitet, den man umsetzen will“, erklärt die Sprecherin des Weißen Hauses, Leavitt.
Hegseth hat hochrangige Generäle und Admiräle entlassen, um die nationale Sicherheitsagenda von Präsident Trump umzusetzen und Initiativen zur Förderung der Vielfalt und Gleichberechtigung zu unterbinden, die er als diskriminierend bezeichnet.
Politiker fordern Entlassung
Dennoch forderten einige Politiker die tatsächliche Entlassung von Hegseth. Dazu gehört auch der demokratische Senatsführer Chuck Schumer. „Wir erfahren immer wieder, wie Pete Hegseth Leben gefährdet“, schrieb der demokratische Minderheitsführer im Senat auf X. „Aber Trump ist immer noch zu schwach, ihn zu entlassen. Pete Hegseth muss entlassen werden.“
Erstmals forderte am Montagnachmittag (Ortszeit) auch ein Abgeordneter der Republikaner von Präsident Trump Konsequenzen für Hegseth. Der Kongressabgeordnete Don Bacon, ein ehemaliger Luftwaffen-General und Mitglied im Verteidigungsausschuss, sagte dem Magazin „Politico“, Hegseth agiere amateurhaft.
Wenn die Berichte über den zweiten Signal-Chat stimmten, sei das „völlig inakzeptabel“. Er wolle dem Weißen Haus nicht vorschreiben, wie damit umzugehen sei, aber: „Wenn ich das Sagen hätte, würde ich das nicht tolerieren.“
„Atlantic“-Chefredakteur aus Versehen in Chatgruppe aufgenommen
„Atlantic“-Chefredakteur Jeffrey Goldberg hatte im März berichtet, dass er – außer einigen der ranghöchsten Sicherheitsvertreter der US-Regierung – aus Versehen in eine Chatgruppe zu dem Angriff aufgenommen worden war. Seitdem steht die Regierung von Präsident Trump unter Druck zu erklären, wie es dazu kommen konnte. Eine interne Untersuchung wurde eingeleitet, die zu der Suspendierung von drei Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums führte.
Am Sonntag äußerten sich Dan Caldwell, einst einer der ranghöchsten Berater von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, Darin Selnick, der stellvertretende Stabschef des Ministers, und Colin Carroll, Stabschef des stellvertretenden Verteidigungsministers Stephen Feinberg, zum ersten Mal dazu.
„Wir sind unglaublich enttäuscht über die Art und Weise, wie unser Dienst im Verteidigungsministerium beendet wurde“, schrieb Caldwell auf X. Er fügte hinzu: „Man hat uns immer noch nicht gesagt, weswegen genau gegen uns ermittelt wurde, ob es immer noch eine aktive Untersuchung gibt oder ob es überhaupt eine echte Untersuchung der ,Leaks’ gab.“
Laut Sean Parnell, Sprecher des Außenministeriums, hätten die Medien die Beschwerden verärgerter ehemaliger Mitarbeiter als einzige Quelle für ihren Artikel genutzt. „Die Trump-hassenden Medien sind weiterhin besessen davon, jeden zu zerstören, der sich für Präsident Trumps Agenda einsetzt. Wir haben bereits so viel für die amerikanischen Soldaten erreicht und werden niemals nachgeben“, schrieb er auf X.
Hegseth beschuldigt ehemaligen Vertrauten
Hegseth selbst beschuldigt seine ehemaligen Vertrauten und engen Mitarbeiter, gegen ihn zu agieren. „Was für eine große Überraschung: Ein paar undichte Stellen werden gefeuert und schon gibt es einen Haufen negativer Schlagzeilen“, sagte der ehemalige Fox-News-Moderator auf einer Osterfeier im Weißen Haus.
Zu den Informationen über den zweiten Signal-Chat sagte er, die Vorwürfe beruhten auf Informationen von verärgerten ehemaligen Angestellten, die versuchten, „Leute niederzumachen und ihren Ruf zu ruinieren. Das funktioniert bei mir nicht.“