Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Vizepräsident der EU-Kommission Dombrovskis zum Fall Wirecard: „Die Aufsicht muss Verstöße früh aufdecken“

Der Vizepräsident der EU-Kommission will Investoren von börsennotierten Unternehmen besser vor Betrug schützen. Dazu müssten bestehende Regeln verbessert werden.
27.07.2020 - 08:58 Uhr Kommentieren
Die EU-Kommission werde Lehren aus dem Fall Wirecard ziehen, sagte der Vizepräsident. Quelle: AFP
Valdis Dombrovskis

Die EU-Kommission werde Lehren aus dem Fall Wirecard ziehen, sagte der Vizepräsident.

(Foto: AFP)

Der Vizepräsident der EU-Kommission Valdis Dombrovskis will Investoren börsennotierter Unternehmen besser vor Betrug schützen. „Auf Kommissionsseite prüfen wir, welche Lehren aus dem Fall Wirecard für die EU-Finanzmarktgesetzgebung zu ziehen sind und ob wir Regeln verbessern müssen”, sagte Dombrovskis dem Handelsblatt. „Dabei schauen wir uns insbesondere die Transparenzrichtlinie, die Rechnungslegungsrichtlinie, die Regeln für Abschlussprüfer und die Vorschriften gegen Marktmissbrauch an”, fügte er hinzu.

Dombrovskis erwägt auch, nationalen Behörden wie der Bafin die Aufsicht über große Zahlungsdienstleister wie Wirecard zu entziehen und der EU-Bankenaufsicht zu übertragen. „Konzeptionell denken wir in diese Richtung”, sagte Dombrovskis. Im Herbst werde die Kommission einen Fin Tech Action Plan vorlegen. „Darin wird es auch darum gehen, wie wichtige Drittanbieter von Finanzdienstleistungen künftig der EU-Bankenaufsicht unterworfen werden”, sagte Dombrovskis.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Vizepräsident, der Betrugsskandal bei Wirecard beschädigt den Ruf nicht nur des deutschen, sondern des gesamten europäischen Finanzmarkts. Welche Konsequenzen zieht die EU daraus?
Wir haben die EU-Börsenaufsicht Esma gebeten, den Fall Wirecard zu untersuchen. Die Esma hat daraufhin entschieden, eine sogenannte peer review, also ein Expertengutachten im Schnellverfahren zu erarbeiten und das Ergebnis Ende Oktober vorzulegen. Darin wird sie analysieren, welche Ereignisse zum Kollaps von Wirecard geführt haben und wie die Aufsicht in diesem Fall gearbeitet hat. Ein weiteres 2017 von der Esma erarbeitetes Gutachten sollte für zusätzliche Transparenz in diesem Fall sorgen.

Und die EU-Kommission?
Auf der Kommissionsseite prüfen wir, welche Lehren aus dem Fall Wirecard für die EU-Finanzmarktgesetzgebung zu ziehen sind und ob wir Regeln verbessern müssen. Dabei schauen wir uns insbesondere die Transparenzrichtlinie, die Rechnungslegungsrichtlinie, die Regeln für Abschlussprüfer und die Vorschriften gegen Marktmissbrauch an. Als börsennotiertes Unternehmen wäre Wirecard verpflichtet gewesen, den Anlegern verlässliche Informationen zu liefern. Das ist nicht geschehen. Daraus ergibt sich die Frage, ob der Investorenschutz bei börsennotierten Unternehmen verbessert werden muss. Entsprechende Überlegungen werden wir nach der Sommerpause finalisieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Bafin war mit der Aufsicht von Wirecard überfordert. Wäre es nicht besser, große Zahlungsdienstleister künftig der europäischen Bankenaufsicht zu unterwerfen?
    Im Rahmen unserer digitalen Strategie schauen wir uns auch Nicht-Banken an, die Finanzdienstleistungen anbieten. Wenn von diesen Unternehmen ähnliche Risiken für die Finanzmarktstabilität ausgehen wie von Banken, dann müssen sie auch denselben Regeln und derselben Aufsicht unterliegen wie Banken. Bei Wirecard haben wir es mit einem klaren Verstoß gegen Rechtsvorschriften zu tun. So ein Problem lässt sich nicht lösen, indem man die Rechtsvorschriften ändert. Vielmehr braucht man eine Aufsicht, die Verstöße frühzeitig aufdeckt. Im Herbst legen wir einen Fintech-Aktionsplan vor. Darin wird es auch darum gehen, wie wichtige Drittanbieter von Finanzdienstleistungen künftig der EU-Bankenaufsicht unterworfen werden. Konzeptionell denken wir in diese Richtung.

    Auch die Wirtschaftsprüfer haben bei Wirecard versagt. Dürfen Abschlussprüfung und Beratung noch in einer Hand bleiben?
    Wir legen in Kürze einen Bericht zum Abschlussprüfermarkt in der EU vor. Außerdem starten wir in Kürze eine Konsultation/Studie zur Funktionsweise der Wirtschaftsprüfung. Dabei wird es auch um die Frage gehen, ob Prüfung und Beratung getrennt werden müssen.

    In Deutschland ist die Haftung für Wirtschaftsprüfer viel laxer geregelt als in anderen EU-Staaten. Müsste die Haftungssumme nicht europaweit harmonisiert werden?
    Haftungsvorschriften für Wirtschaftsprüfer gibt es bislang nur auf nationaler Ebene. Aber wie gesagt: Wir schauen uns jetzt alles an, auch die Haftungsfrage.

    Mehr: Olaf Scholz will nach dem Skandal die Bankenaufsicht stärken. Die Resonanz auf seine Pläne ist verhalten.

    Startseite
    Mehr zu: Vizepräsident der EU-Kommission - Dombrovskis zum Fall Wirecard: „Die Aufsicht muss Verstöße früh aufdecken“
    0 Kommentare zu "Vizepräsident der EU-Kommission: Dombrovskis zum Fall Wirecard: „Die Aufsicht muss Verstöße früh aufdecken“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%