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Währungskrise Die Türkei sucht finanzielle Hilfe in China

Das Coronavirus bringt das türkische Finanzsystem ins Wanken. Investoren ziehen Milliarden aus dem Land ab. Staatschef Erdogan schließt trotzdem IWF-Hilfen aus.
28.04.2020 - 11:48 Uhr Kommentieren
Junge Türken vor einer Währungstafel: Angst vor dem finanziellen Absturz. Quelle: Bloomberg
Türkische Lira

Junge Türken vor einer Währungstafel: Angst vor dem finanziellen Absturz.

(Foto: Bloomberg)

Istanbul Dem türkischen Finanzsystem droht der Kollaps – wieder einmal. Im Zuge der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ziehen Investoren Milliarden aus dem Land ab, wie auch aus anderen Schwellenländern. Die Lira hat seit Jahresbeginn zum US-Dollar 15 Prozent an Wert verloren.

Ankara versucht mit finanzpolitischen Maßnahmen, die Währung zu stabilisieren: In der vergangenen Woche senkte die türkische Zentralbank wieder einmal die Leitzinsen, dann intervenierten Staatsbanken mit 600 Millionen Dollar. Der Wechselkurs liegt dadurch seit Wochen stabil knapp unter der Grenze von sieben Lira pro Dollar. Nach Berechnungen des internationalen Bankenverbands IIF schrumpfen die türkischen Devisenreserven deshalb seit Ende Februar so stark wie in keinem anderen größeren Schwellenland.

Geht dem Staat bei der Stabilisierung das Geld aus, könnte der Absturz umso tiefer sein. Gehen die Interventionen weiter, seien die Reserven im Sommer aufgebraucht, vermuten Analysten von TD Securities. Und Experten von der türkischen Investmentfirma Oyak Securities haben ausgerechnet, dass die türkischen Reserven schon jetzt negativ sein dürften, wenn man Swap-Geschäfte der Zentralbank herausrechnet.

„Geschwächte Reserven bedeuten, dass die Türkei weniger widerstandsfähig ist, wenn sich die Kapitalabflüsse beschleunigen oder wenn die Lira weiter abwertet“, warnt Dennis Shen von Scope Ratings. „Die Türkei könnte eine erweiterte Zahlungsbilanzkrise mit den derzeitigen Reserven nicht aufrechterhalten, ohne externe Finanzierungsunterstützung in Anspruch zu nehmen.“

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    Das hört man in Ankara nicht gern. Staatschef Recep Tayyip Erdogan schließt ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) kategorisch aus. Stattdessen könnte China einspringen, dessen Interessen sich gut mit denen Ankaras decken.

    Kein IWF-Programm

    Das Land, in dem die Covid-19-Pandemie ihren Anlauf nahm, wird wohl als eine der ersten großen Nationen schrittweise in den Normalzustand zurückfinden. Am 26. März, in der Hochphase der Coronakrise, einigten sich der türkische Staatsfonds TVF und der staatliche chinesische Kreditversicherer Sinosure auf eine Zusammenarbeit im Rohstoffsektor. Sinosure gibt Garantien im Wert von fünf Milliarden US-Dollar für chinesische Firmen, die Geschäfte mit türkischen Staatskonzernen machen.

    Für die türkischen Firmen ist das eine Einladung zum Geschäftemachen. Ein Segen in einer Phase, die von Nachfragestopp und Rezessionsängsten bestimmt ist.

    China sieht Potenzial in der Türkei. Im vergangenen Jahr kaufte das chinesische Online-Einkaufsportal Alibaba das türkische Pendant Trendyol. Kurze Zeit später kauften Chinesen die Mehrheit an einer Autobahn-Projektgesellschaft. Bei den Bestrebungen, einen zweiten Bosporus-Kanal zu graben, haben chinesische Baufirmen Interesse bekundet. Im Tourismus will die Türkei die Zahl der Gäste aus China bis 2023 verfünffachen.

    Anzeichen für die neue chinesisch-anatolische Partnerschaft gibt es schon lange. Bereits in den 1990er-Jahren, lange vor Erdogan, wandte sich Ankara nach einem Streit mit dem Westen China zu. Im August 2018 war es Erdogan selbst, der ankündigte: „Wir werden Unterstützung von neuen Freunden suchen.“ Er redete von „Iran, Russland und China“.

    In Peking dürften die türkischen Anliegen Gehör finden. Die Türkei als Brücke zwischen Europa und Asien nimmt in der „Belt and Road“-Initiative Chinas eine Schlüsselposition ein.

    Eine besondere Liebe der Staatsführung in Peking zum türkischen Präsidenten Erdogan folgt daraus nicht. Um die Behandlung der muslimischen Uiguren-Minderheit gab es immer wieder Streit. Im April 2019 war China das erste Land, das dem neu gewählten oppositionellen Bürgermeister Istanbuls zum Wahlsieg gratulierte. Kurz danach kritisierte Peking den türkischen Einmarsch in Syrien.

    Mehr: Brasilien, Südafrika und die Türkei: Drei Schwellenländer in der Schuldenfalle.

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