Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weißrussland Lukaschenko zwingt Ryanair-Flugzeug in Minsk zur Landung – EU berät am Montag über Sanktionen

Ein Ryanair-Flug mit 171 Passagieren auf dem Weg nach Vilnius muss in Minsk zwischenlanden. Ein von Weißrussland gesuchter Blogger wird festgenommen. Die EU droht mit Sanktionen.
23.05.2021 Update: 24.05.2021 - 09:08 Uhr 1 Kommentar
Vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen hat Lukaschenko selbst den Kampf angesagt. Quelle: dpa
Alexander Lukaschenko

Vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen hat Lukaschenko selbst den Kampf angesagt.

(Foto: dpa)

Minsk, Vilnius Behörden in der autoritär regierten Republik Weißrussland haben in Minsk ein Ryanair-Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius (Litauen) zur Landung gebracht. An Bord war auch der vom weißrussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Roman Protassewitsch, der nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna in Minsk festgenommen wurde. Der Vorfall löste in der EU breites Entsetzen aus.

Im Laufe des Abends bestätigte auch Ryanair den Vorfall. Die Besatzung des Fluges sei von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen, teilte die Airline am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Maschine sei sicher gelandet und die Passagiere seien von Bord gegangen, während die lokalen Behörden Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt hätten. Dabei sei nichts Ungewöhnliches gefunden worden.

Die Behörden hätten daraufhin genehmigt, dass das Flugzeug nach schätzungsweise fünf Stunden am Boden wieder zusammen mit Passagieren und Crew starten könne. Später setzte die Maschine die Reise fort und landete in Vilnius.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Vorfall löste international heftige Kritik aus. „Es ist absolut inakzeptabel, den Ryanair-Flug von Athen nach Vilnius zu zwingen, in Minsk zu landen“, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Sonntag auf Twitter. Verletzungen der internationalen Luftverkehrsregeln müssten Konsequenzen haben. Sie sprach von einer „Entführung“. „Die Verantwortlichen der Ryanair-Entführung müssen sanktioniert werden“, twitterte von der Leyen am Sonntagabend. Sie forderte zudem die sofortige Freilassung des Bloggers Protasewitsch.

    Das Vorgehen der Regierung in Weißrussland wird am Montagabend beim ohnehin geplanten EU-Sondergipfel in Brüssel zur Sprache kommen. EU-Ratspräsident Charles Michel werde den Vorfall thematisieren, teilte sein Sprecher am Sonntagabend mit. „Konsequenzen und mögliche Sanktionen werden bei dieser Gelegenheit diskutiert.“ Michel selbst teilte mit, der „beispiellose Vorfall“ werde nicht ohne Konsequenzen bleiben. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg twitterte, es handele sich um einen schwerwiegenden Zwischenfall, der eine internationale Untersuchung erfordere.

    Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat die erzwungene Landung eines Linienflugs durch weißrussische Behörden in Minsk scharf verurteilt und Sanktionen gegen die Verantwortlichen in Aussicht gestellt. Zudem forderte Borrell am Montag im Namen aller 27 EU-Staaten die sofortige Freilassung des weißrussischen Journalisten Roman Protassewitsch. Dessen Festnahme sei ein weiterer offenkundiger Versuch der weißrussischen Behörden, alle oppositionellen Stimmen zum Schweigen zu bringen. Mit diesem erzwungenen Vorgehen hätten die weißrussischen Behörden die Sicherheit der Passagiere und der Crew gefährdet, sagte Borrell nun. Der Vorfall müsse eine internationale Untersuchung zur Folge haben.

    Frankreich bestellte den weißrussischen Botschafter ins Außenministerium ein. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend unter Berufung auf das Pariser Außenamt. An Bord des Flugzeugs hätten sich auch französische Staatsbürger befunden. Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte zuvor via Twitter die Umleitung des Fluges der Luftverkehrsgesellschaft Ryanair als nicht hinnehmbar verurteilt. „Eine entschlossene und geschlossene Antwort der Europäer ist unerlässlich“, forderte Frankreichs Chefdiplomat.

    US-Außenminister Antony Blinken schrieb auf Twitter mit Blick auf den weißrussischen Machthaber Lukaschenko, es habe sich um eine „dreiste und schockierende Tat des Lukaschenko-Regimes“ gehandelt. „Wir fordern eine internationale Untersuchung und stimmen uns mit unseren Partnern über die nächsten Schritte ab. Die Vereinigten Staaten stehen an der Seite der Menschen in Weißrussland.“

    Baerbock spricht von „staatlicher Entführung eines Passagierflugzeuges“

    Auch die Reaktionen aus Deutschland fielen deutlich aus. Die Spitzenpolitiker sprachen sich für eine europäische Antwort aus. CDU-Chef Armin Laschet forderte, dass sich der Europäische Rat mit der Umleitung befasst. Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte in einer Mitteilung, man sei „sehr besorgt“ über die Verhaftung des Journalisten auf diesem Weg. Er stehe in engem Austausch mit den betroffenen EU-Partnern.

    Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte: „Ein solcher Akt verstößt gegen internationales Recht und kann nicht unbeantwortet bleiben.“ Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock setzte den Vorgang mit „einer staatlichen Entführung eines Passagierflugzeuges“ gleich.

    Die litauische Regierung hatte bereits am Nachmittag umgehend die sofortige Freilassung aller Passagiere gefordert. Die Fluggäste und Crew seien auf ihrem Weg von Athen nach Vilnius in Gefahr gebracht worden, erklärte Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte am Sonntagnachmittag auf Twitter.

    Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis schrieb, es seien beunruhigende Nachrichten, dass der Ryanair-Flug zur Landung in Minsk gezwungen worden sei. Seinen Angaben zufolge befanden sich 171 Passagiere an Bord, zu 149 davon habe man Informationen. Unter diesen seien überwiegend Litauer, aber auch drei deutsche Staatsbürger sowie mehrere Menschen aus anderen EU-Staaten.

    Litauens Regierung verurteilte die Umleitung der Maschine scharf und sprach von einem „Akt des Staatsterrorismus“, der sich gegen die Sicherheit der Bürger der EU und anderer Länder richte. Gemeinsam mit internationalen Partnern werde sich Vilnius für die Sperrung des weißrussischen Luftraums für internationale Flüge einsetzen. Außenminister Gabrielius Landsbergis erklärte am Sonntagabend, er habe mit dem stellvertretenden US-Außenminister Philip Reeker über den Vorfall gesprochen. Es sei darüber diskutiert worden, „dass das beispiellose Ereignis eine starke transatlantische Reaktion finden muss“.

    Nach Landung der Maschine in Vilnius nahmen die litauischen Behörden Ermittlungen auf. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius sei eine Voruntersuchung wegen der Entführung eines Flugzeugs eingeleitet worden. Durchgeführt werde sie von der Kriminalpolizei des baltischen EU- und Nato-Landes. Dazu sollen auch die Passagiere und die Besatzung des Flugzeugs befragt werden, das um 21.25 Uhr Ortszeit (20.25 Uhr MESZ) mit mehr als achtstündiger Verspätung in Vilnius gelandet war.

    Blogger Protassewitsch werden terroristische Handlungen vorgeworfen

    Oppositionelle in Weißrussland sprachen am Sonntag von einem beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum. Auch der oppositionelle Nachrichtenkanal Nexta bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redakteurs, der an Bord einer Maschine gewesen sei. Lukaschenko habe unter Verstoß gegen alle Gesetze ein Flugzeug „gekapert“, kritisierte der Kanal.

    Die Behörden in Weißrussland hatten Nexta als extremistisch eingestuft. Der Kanal hatte im vergangenen Jahr nach der umstrittenen Präsidentenwahl immer wieder zu Massenprotesten gegen Lukaschenko aufgerufen. Der Blogger Protassewitsch gehört zu den vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen, denen Lukaschenko selbst den Kampf angesagt hat.

    Der Geheimdienst KGB hatte den Journalisten auf eine Liste mit Menschen setzen lassen, denen die Beteiligung an terroristischen Handlungen vorgeworfen werde, wie das Portal tut.by bei Telegram berichtete. Nach Angaben der Staatsagentur Belta hatte Lukaschenko nach einem Alarm über einen Sprengsatz an Bord der Maschine selbst das Kommando gegeben, das Flugzeug in Minsk landen zu lassen.

    Zur Begleitung sei auch ein Kampfjet vom Typ MiG-29 aufgestiegen, wie der Flughafen bestätigte. Flughafensprecher teilten in Staatsmedien mit, dass die Piloten an Bord der Passagiermaschine um die Landeerlaubnis gebeten hätten. Später habe sich die Information über die mutmaßliche Bombe als Fehlalarm herausgestellt. Der Schichtleiter des Airports, Maxim Kijakow, sagte im Staatsfernsehen, dass die 123 Passagiere im Transbereich auf ihren Weiterflug warteten.

    Mehr: Ratingagentur Fitch senkt Ausblick für Weißrussland wegen politischer Krise

    • dpa
    Startseite
    Mehr zu: Weißrussland - Lukaschenko zwingt Ryanair-Flugzeug in Minsk zur Landung – EU berät am Montag über Sanktionen
    1 Kommentar zu "Weißrussland: Lukaschenko zwingt Ryanair-Flugzeug in Minsk zur Landung – EU berät am Montag über Sanktionen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mir fällt auf, dass der "Westen" viel diskutiert und der "Osten" Fakten (Ukraine, Krim, Ermordungen, Vergifungen...) schafft. Es kommt mir so vor, als ob die zwei Seiten eine verschiedene Sprache sprechen, die der jeweilige Andere nicht versteht. Seit Jahren werden Länder (Russland, Iran....) mit "Sanktionen" belegt, ich kann nicht feststellen, dass diese Santkionen zur Verhaltensänderung beitragen - im Gegenteil. Vielleicht sollte der "Westen" das einmal überdenken und die "Sprache" wechseln.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%