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Weißrussland Zehntausende protestieren an Lukaschenkos Geburtstag in Minsk

Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren trotz Verbot und vieler Festnahmen. Der Staatschef verbarrikadierte sich derweil in seiner Residenz.
30.08.2020 - 19:11 Uhr Kommentieren

Lukaschenko lässt Schützenpanzer bei Protesten auffahren

Moskau Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko am Sonntag zu seinem 66. Geburtstag telefonisch gratuliert und ihn nach Moskau eingeladen. Das Treffen soll bereits in „allernächster Zeit“ stattfinden, teilte die staatliche weißrussische Presseagentur Belta mit.

Als Geschenk hatte der Kremlchef schon zuvor die umstrittene Präsidentenwahl in Weißrussland, bei der sich Lukaschenko mit angeblich 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären ließ, für legitim erklärt. Zudem teilte er mit, dass er auf Lukaschenkos Bitte hin ein Kontingent an Sicherheitskräften mobilisiert habe, das in der Nachbarrepublik eingreifen könne, wenn „die Lage außer Kontrolle gerät“.

Den Langzeit-Präsidenten in Minsk „beglückwünschten“ aber auch ungeladene Gäste zu seinem Jubiläum. Vor seiner Residenz, dem „Palast der Unabhängigkeit“ in der weißrussischen Hauptstadt, versammelten sich am Sonntagnachmittag mehr als 100.000 Menschen.

Sie brachten ihm weiße Blumen und einen Beerdigungskranz. Mit „Sascha [Koseform von Alexander] komm raus“, riefen die Demonstranten den Präsidenten zum Gespräch. In anderen Sprechchören forderten sie ihn aber zugleich zum Rücktritt auf und wollten ihn sogar festnehmen lassen. Selbst ein einsetzender Starkregen konnte die Menge nicht von der Residenz vertreiben.

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    Lukaschenko, der die Proteste als vom Ausland gesteuert bezeichnet, der EU zuletzt mit Militär und Gegensanktionen drohte und vor einer Woche noch eine ähnliche Großdemonstration mit Bildern konterte, die ihn mit einer Kalaschnikow in Begleitung seiner schwer bewaffneten Leibwache zeigten, ließ sich nicht vor den Demonstranten blicken. Dafür schickte seine Pressesekretärin Natalja Eismont erneut Bilder an die Presse, die ihn bewaffnet und in Schutzweste vor seinem Palast zeigen.

    Militär und Sicherheitsorgane riegeln Minsk ab

    Spezialeinheiten hatten die Residenz schon am Morgen abgesperrt. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften und Militär, teilweise sogar in gepanzerten Fahrzeugen, war im Zentrum von Minsk zusammengezogen worden, um die Lage zu kontrollieren und notfalls mit Gewalt einzugreifen.

    Das Internet hatte die weißrussische Führung wie an den Wochenenden zuvor ebenfalls wieder gedrosselt, um die Kommunikation der Demonstranten und ihre Handlungsfähigkeit einzuschränken. Lukaschenko bereitet sich nach wie vor auf gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Opposition vor.

    Zentrale Kundgebungsorte und Regierungsgebäude waren von Soldaten und Polizisten gesichert. Quelle: AP
    Absperrung in Minsk

    Zentrale Kundgebungsorte und Regierungsgebäude waren von Soldaten und Polizisten gesichert.

    (Foto: AP)

    Die Oppositionsführerin Maria Kolesnikow hatte die Demonstranten aber dazu aufgefordert, sich friedlich zu verhalten und sich nicht provozieren zu lassen. Die Menge kam der Aufforderung nach, obwohl die Polizei bereits vor dem Abend mehr als 100 Personen festgenommen hatte.

    Vor der Zentrale des Geheimdienstes KGB kam es zu einem Handgemenge, als Beamte in Zivil versuchten, mehrere Demonstranten festzunehmen. Der Menge gelang es, einen Teil der Festgenommen wieder herauszuboxen. Größere Auseinandersetzungen wurden allerdings nicht gemeldet.

    Der Protest ist aber nicht nur auf Minsk beschränkt: Auch in anderen weißrussischen Städten demonstrierten Tausende am Sonntag gegen den Präsidenten. Proteste wurden in fast allen Großstädten des Landes von Brest bis Witebsk gemeldet.

    Die Opposition fordert die Annullierung der Wahl und die Ansetzung von Neuwahlen. Zudem will die Opposition laut Lukaschenkos Herausforderin Swetlana Tichanowskaja, die viele Weißrussen als die eigentliche Wahlsiegerin sehen, die alte Verfassung wiederherstellen, nach der ein Präsident maximal zwei Amtszeiten regieren darf.

    Mehr: Tausende Frauen protestieren in Weißrussland gegen Staatschef Lukaschenko

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