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Weltwirtschaftsforum Davos Thunberg fordert Tempo beim Klimaschutz – Konzerne tun sich schwer damit

Die Klimaaktivistin diskutiert zum Auftakt des WEF mit Wirtschaftsgrößen. Die verweisen auf bereits erfolgte Maßnahmen – doch das greift zu kurz.
21.01.2020 - 19:23 Uhr Kommentieren
Beim Weltwirtschaftsforum macht die Klimaaktivistin den Unternehmen Druck beim Klimaschutz. Quelle: Reuters
Greta Thunberg

Beim Weltwirtschaftsforum macht die Klimaaktivistin den Unternehmen Druck beim Klimaschutz.

(Foto: Reuters)

Davos Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF), hat ein Gespür für die drängenden Themen der Zeit. Den Auftakt des 50. Treffens der politischen und ökonomischen Elite der Welt überlässt er der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und anderen jugendlichen Aktivisten aus Sambia, Puerto Rico und Kanada. Ein so junges Panel hat es in den fünf Jahrzehnten des Forums noch nicht gegeben. Insgesamt hatte das Weltwirtschaftsforum zehn jugendliche Aktivisten eingeladen.

Denn der Klimawandel und nachhaltiger Kapitalismus stehen im Mittelpunkt der Diskussionen auf dem diesjährigen WEF. Klimaschützerin Thunberg zählt neben US-Präsident Donald Trump zu den prominentesten Besuchern des Gipfels.

WEF-Gründer Schwab mahnte zu einer intensiven Zusammenarbeit aller Stakeholder, um die großen Herausforderungen dieser Zeit zu bewältigen: Politiker, Wirtschaft, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen. Ziel müsse es sein, die Welt nachhaltig besser zu machen.

Umweltaktivisten wie Thunberg beklagen in Davos, dass den Versprechungen nicht genug konkretes Handeln gefolgt sei. Mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen forderte Thunberg die reichen Industrieländer auf, die Kohlendioxidemissionen auf null zu reduzieren. Zugleich sollten wohlhabende Länder den ärmeren Ländern bei der Verringerung der Treibhausemissionen helfen.

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    Mit den Protesten haben die jungen Klimaaktivisten Regierungen und Unternehmen unter Handlungsdruck gesetzt. Doch die Gescholtenen tun sich schwer damit, ihr Tempo zu beschleunigen. Zwar kommt kaum noch ein Unternehmen ohne Bekenntnis zum Klimaschutz aus, und die Schweizer Großbank UBS berichtet von einem „wachsenden Appetit“ der Investoren auf nachhaltige Geldanlagen. Doch die Realität ist komplizierter.

    Die Kluft zwischen Aktivisten und Wirtschaft wird vor allem in einer Diskussionsrunde deutlich, in der der Chef des Versicherungsriesen Allianz, Oliver Bäte, auf Thunberg und eine Bürgerrechtlerin aus dem Tschad trifft. Und das, obwohl die Allianz noch zu den vergleichsweise fortschrittlichen Unternehmen im Bereich des Klimaschutzes zählt. „Die Menschen wollen Wirtschaftswachstum, um ihren Lebensstandard zu verbessern, sie wollen Elektrizität“, sagt Allianz-Chef Bäte.

    „Menschen, die nichts zu essen haben, denken nicht an Elektrizität. Sie wollen erst etwas zu essen, dann kann man über Technologie reden“, kontert Hindou Oumaru Ibrahim. Die Koordinatorin der Association des Femmes Peules Autochtones du Tchad (AFPAT) hatte zuvor eindringlich davon erzählt, dass viele Menschen im Tschad sterben, weil die ausbleibenden Regenfälle das Wasser und gute Ernten knapp werden lassen.

    „Es geschieht noch nicht genug“, räumt Mario Greco, der Chef des Versicherers Zurich Insurance Group, ein. Die Preise für Finanzierungen spiegelten nicht die echten Schäden für das Klima wider. Ein Versicherer könne einer anderen Branche aber nicht sagen, wie sie sich zu verändern habe. „Das Einzige, was wir als Versicherung tun können, ist, die Finanzierung zu stoppen.“

    Wandel statt Finanzierungsstopp

    Die wenigsten Vertreter der Finanzbranche sind von brachialen Methoden überzeugt. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, sprach sich gegen das von Aktivisten geforderte Verbot für Investitionen in nicht regenerative Energien aus. Das würde zu weit gehen, argumentierte Fink.

    Dabei hatte der Blackrock-Chef gerade erst in einem Brief an Topmanager die Unternehmen zu mehr Engagement im Klimaschutz gedrängt. „Klimawandel wird zum Investitionsrisiko“, bekräftigte er in Davos. Er appellierte jedoch dafür, Konzernen finanziellen Spielraum zu lassen. „Energiekonzerne wollen umsteuern. Wir sollten ihnen den Freiraum dazu lassen.“

    Von einem Investitionsstopp hält Axel Weber, der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, aber nichts. Auf die Frage, warum die UBS nicht einfach keine Kredite für Kohlekraftwerke mehr vergibt, sagte er: „Damit würde man viele Schwellenländer vom Wachstum ausschließen.“

    Es sei wichtiger, den Übergang zu finanzieren und in solchen Ländern auf einen besseren Energiemix zu drängen, als manche Länder einfach von der Finanzierung abzuschneiden. Kapital sei vorhanden. „Die meisten langfristigen Investoren werden Projekte zur CO2-Reduzierung finanzieren, wenn sie an den Kapitalmarkt kommen“, meint Weber.

    Der Druck auf Finanzinstitute wächst. Die ersten Bankenaufseher haben angekündigt, in Stresstests überprüfen zu wollen, wie riskant der Klimawandel für die Banken selbst werden könnte. Unter anderem die Bank of England hat dies vor. Obwohl der Handlungsbedarf wächst, suchen Banken und Versicherer bislang lieber das direkte und diskrete Gespräch mit ihren Kunden.

    Die Institute lassen sich erklären, wie Unternehmen, denen sie Kredite geben oder in die sie investiert haben, ihre Klimabilanz verbessern wollen. Allianz-Chef Bäte spricht sich etwa dafür aus, Unternehmen, die sich nicht um eine bessere Klimabilanz bemühen, nicht mehr zu finanzieren. „Wenn die Lieferkette keine Finanzierung mehr erhält, dann ist das auch kein Geschäftsmodell mehr“, sagt er.

    Falsche Anreize aus der Politik

    Der Druck auf die Wirtschaft wächst – allerdings nur allmählich. „Nachhaltigkeitsthemen haben in den vergangenen Monaten deutlich an Relevanz in Investorengesprächen gewonnen, wenngleich aktuell noch andere Themen im Vordergrund stehen“, sagte Frank Appel, der Vorstandschef der Deutschen Post, dem Handelsblatt. Das sei nicht überraschend. Schließlich müssten die Investoren Rendite und Verantwortung ausbalancieren. „Interessanter ist für mich die Frage, wie sich Banken und Investoren verhalten, wenn ein Unternehmen zwar nachhaltig ist, dann aber zwischendurch mal ein schwieriges Jahr hat.“

    Allianz-Chef Bäte nutzte die Davoser Diskussionsrunde auch für Kritik an der Bundesregierung. Die Wirtschaft sei mittlerweile den Regierungen voraus, sagte er. Ohne die Unterstützung der Regierungen werde es aber schwer, Erfolge zu erzielen. „In Deutschland wird zum Beispiel der Energieverbrauch besteuert und nicht die dabei ausgestoßenen Emissionen. Dadurch gibt es keinen Anreiz dafür, den Verbrauch an fossilen Energien zu senken“, mahnte Bäte.

    Der Post-Chef sieht die Politik ebenfalls in der Pflicht. „Um den Klimaschutz voranzutreiben, brauchen wir eine CO2-Bepreisung, weil dies dazu führen wird, dass sich alle gesellschaftlichen Akteure mit dem Thema befassen und dessen Auswirkungen bezahlen“, sagte er dem Handelsblatt. „Solange CO2 nichts kostet, bekommen wir keinen Zug auf alternative Technologien und Kraftstoffe.“

    Die von der Regierung geplante Erhöhung des CO2-Preises sei ein guter Start, da sich die Wirtschaft auch darauf einrichten müsse. „Ich gehe aber davon aus, dass es mittelfristig deutlich teurer wird“, so Appel. Aus seiner Sicht sollte der Preis für Kohlendioxidausstoß aus Wettbewerbsgründen mindestens europaweit, am besten aber global gelten.

    Und wie denken die jungen Aktivisten über Davos? Die Politik habe die Erfahrung, die jungen Leute hätten die Ideen, sagte etwa Natasha Mwansa aus Sambia. Ziel der Bewegungen sei mehr, als nur Kritik zu üben. Man strebe eine echte Partnerschaft mit der Politik an, weil man etwas erreichen und durchsetzen wolle.

    Thunberg klingt da skeptischer: „Vor einem Jahr kam ich nach Davos und habe gesagt, dass unser Haus in Flammen steht und dass ich will, dass ihr in Panik geratet“, sagte sie. Man habe ihr erklärt, es sei sehr gefährlich, so etwas zu sagen. „Dieses Jahr bin ich entspannter, denn ich habe das ja schon einmal gemacht. Und es führte zu nichts.“

    Mehr: In Davos betreibt der US-Präsident mit Wirtschaftserfolgen Wahlkampf. Digitalisierung und Klima ignoriert er – dort muss Europa führend werden.

    Unser junger Podcast #Businessclass erklärt das Weltwirtschaftsforum:

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