Wirecard: Spionage-Prozess um Marsaleks Agenten-Team wird immer irrer
Berlin, Düsseldorf, London. Seit Donnerstag vergangener Woche führt Alison Morgan vor dem Londoner Strafgericht Old Bailey ihre Spionageanklage gegen eine Gruppe bulgarischer Staatsbürger. Sie sollen unter Anleitung des früheren Wirecard-Vorstands Jan Marsalek für Russland spioniert haben. Marsalek ist seit dem Zusammenbruch des Dax-Konzerns auf der Flucht und wird in Russland vermutet.
In dem Verfahren kommen nun täglich neue Details der Spionageaktivitäten ans Licht. Im Visier der Marsalek-Agenten waren offenbar auch eine Kaserne in Deutschland und eine Botschaft in London.
„Wir müssen Ukrainer in einer deutschen Kaserne auskundschaften“, schrieb Marsalek laut Staatsanwaltschaft im Oktober 2022 an seinen Verbindungsmann Orlin Roussev. Der Bulgare gilt als Kopf des Teams, das für Russland spioniert haben soll. Roussev sollte ein Abhörgerät liefern, um die Militäreinrichtung in Stuttgart auszuspionieren.
Er könne das Gerät zur Verfügung stellen, antwortete Roussev: „Es staubt in meiner Indiana-Jones-Garage vor sich hin.“ Um die Agententeams auf die Mission vorzubereiten, richtete Roussev eine Gruppe im Messengerdienst Telegram ein. Ihr Name: „Germany Surveillance“. Später fanden die Behörden bei Roussev ein ganzes Arsenal modernster Überwachungstechnik.