HDE-Konsumbarometer: Verbraucher werden skeptischer und wollen sparen
Düsseldorf. Die Stimmung der Verbraucher hat sich verschlechtert, was Zweifel am erhofften Konjunkturaufschwung aufkommen lässt. Das HDE-Konsumbarometer notiert mit 97,64 Zählern leicht unter dem Vormonatswert. Zuvor war das Barometer sechs Monate in Folge gestiegen.
Der August-Wert liegt zwar nur leicht unter dem Juli-Wert. Doch trotz der jüngsten Anstiege befindet sich die Verbraucherstimmung auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr – und danach folgte im Winter 2024/25 ein herber Konjunkturabsturz.
Das Konsumbarometer basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten in Deutschland. Das Handelsblatt Research Institute berechnet es monatlich für den Handelsverband HDE.
Konsumenten wollen mehr sparen
Die Detailauswertung zeigt, dass die befragten Konsumenten im August mehr sparen wollen. Auch die Sorgen über die Inflation nehmen zu. Etwas besser als im Vormonat schätzen die Verbraucher die Entwicklung der eigenen Einkommen ein. Insgesamt scheint damit fraglich, ob der private Konsum auch im laufenden dritten Quartal die Konjunktur stabilisieren kann.
Nach ersten amtlichen Daten stiegen die privaten und staatlichen Konsumausgaben preis-, saison- und kalenderbereinigt im zweiten Quartal, während die Investitionen in Bauten und Ausrüstungen schrumpften.
Unter dem Strich errechnete das Statistische Bundesamt einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Zudem wurde das Plus im ersten Quartal von 0,4 auf 0,3 Prozent nach unten revidiert. Von einem stabilen Aufschwung ist die deutsche Volkswirtschaft also nach wie vor weit entfernt.
Bald drei Millionen Arbeitslose
Stattdessen entwickelt sich der Arbeitsmarkt mehr und mehr zum Problem. Im Juli stieg die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit den 31. Monat in Folge. 2,97 Millionen Arbeitslose wurden registriert.
Mittlerweile sind rund 750.000 Personen mehr arbeitslos gemeldet als während der Tiefststände im Frühjahr 2019. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet keine rasche Trendwende. „Wir werden im nächsten Monat wahrscheinlich tatsächlich die drei Millionen überschreiten“, sagte BA-Chefin Andrea Nahles bei der Vorstellung der Juli-Daten.
Eine schnelle und nachhaltige Besserung sei nicht in Sicht. Nahles erwartet eine mögliche Trendwende eher 2026 als 2025. Nach Ansicht von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat die Regierung die Weichen für eine Besserung bereits gestellt: „Mit Investitionsboostern und großen Infrastrukturmaßnahmen schaffen wir die Grundlage, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.“
Dass diese Rechnung aufgeht, scheint zumindest fraglich. Oftmals vergehen viele Jahre von der Planung bis zur Fertigstellung eines staatlichen Investitionsprojekts.
Zudem ist weiterhin unklar, wofür genau die zusätzlichen Staatsschulden verwendet werden sollen, mit denen die Bundesregierung die Infrastruktur modernisieren will. Die Städte und Gemeinden, die für einen Großteil der öffentlichen Baumaßnahmen verantwortlich sind, klagen angesichts explodierender Sozial-, Personal- und Zinsausgaben über Rekorddefizite. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der von Ministerin Bas versprochene „Booster“ bald startet.
Datenrevision offenbart Rezession
Die jüngsten Daten-Revisionen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren sogar noch deutlich schlechter war als bislang angenommen. Zwar war die Erholung von den Corona-Schocks zunächst kräftiger als bislang geschätzt. Doch schrumpfte die Wirtschaft 2023 statt um 0,3 sogar um 0,9 Prozent. Und im Jahr 2024 betrug das Minus nicht nur 0,2, sondern 0,5 Prozent.
Sieht man von den schweren Konjunktureinbrüchen während der Finanzkrise 2008/09 und des ersten Corona-Lockdowns ab, so erlebte die deutsche Volkswirtschaft 2023/24 ihren stärksten Einbruch seit Anfang der 1950er-Jahre. Die vermutete Stagnation war nach heutigen Erkenntnissen eine veritable Rezession.
Der am Freitag veröffentlichte „HCOB-Einkaufsmanagerindex“ für Deutschland signalisiert, dass die Schwächephase noch immer nicht überwunden ist. Der Index steige zwar seit Jahresbeginn „fast ununterbrochen“, sagte Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (HCOB).
Doch mit 49,1 Punkten sei die Wachstumsschwelle von 50 Zählern „immer noch nicht überschritten“. Der „andauernde und rasante Lagerabbau“ signalisiere, dass die Unternehmen noch nicht auf einen nachhaltigen Aufschwung umgeschaltet hätten. Vielmehr sei der Optimismus wieder etwas zurückgegangen.
Auch das Bundeswirtschaftsministerium bleibt in seinem jüngsten Monatsbericht vorsichtig: „Die konjunkturelle Entwicklung bleibt im Sommerhalbjahr gedämpft. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit kommt die deutsche Wirtschaft nicht in Schwung.“ Die Auswirkungen der US-Zollpolitik zeigten inzwischen sichtbare Spuren im Außenhandel und auch die Binnennachfrage habe sich zuletzt abgeschwächt. Die konjunkturelle Entwicklung dürfte „zunächst verhalten bleiben“.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betonte, dass es nun darauf ankomme, den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. „Wir brauchen Wirtschaftswachstum und müssen eine mutige Reformagenda verfolgen.“
Was bleibt, ist die Frage, an wen diese Forderung wohl gerichtet ist.