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HDE-KonsumbarometerVerbraucherstimmung ist schlechter als bei Ampel-Aus

Steigende Sozialabgaben und wachsende Sorgen vor Arbeitsplatzverlust dämpfen die Kauflaune. Der Handelsverband fordert ein Sofortprogramm der Regierung.Axel Schrinner 01.09.2025 - 04:07 Uhr Artikel anhören
Ein Mann schiebt einen leeren Einkaufswagen: Zunehmende Sorgen vor steigenden Preisen. Foto: Westend61/Getty Images

Düsseldorf. Die Verbraucherstimmung verschlechtert sich zunehmend. Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer, das den zweiten Monat in Folge gesunken ist. Mit 95,67 Punkten liegt es nun sogar knapp unter dem Niveau vom vergangenen Herbst, also jenem Zeitpunkt, als die Ampelregierung zerbrach.

Demnach blicken die Verbraucher pessimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung und ihre eigenen Einkommen. Ihre Erwartungen für September sind deutlich gesunken, während die Sorgen vor steigenden Preisen wieder zunehmen.

Das Konsumbarometer basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten in Deutschland. Es wird vom Handelsblatt Research Institute monatlich für den Handelsverband HDE berechnet.

Die schlechten Konjunkturdaten der vergangenen Tage verstärken die Skepsis der Verbraucher. Überarbeitete Daten zeigen, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zurückging – wodurch der Zuwachs aus dem ersten Quartal aufgehoben wurde.

Im zweiten Quartal stiegen die Reallöhne zwar um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Gleichwohl liegen sie noch immer fast ein Prozent unter dem Niveau des Frühjahrs 2019, vor der Corona-Pandemie. Den Konsumenten fehlen somit mehr als sechs Jahre an realem Einkommens- und Wohlstandswachstum.

Hinzu kommt, dass die Sozialabgaben für die meisten Beschäftigten zur Jahreswende deutlich gestiegen sind, sodass von den höheren Bruttolöhnen netto kaum etwas übrig geblieben sein dürfte.

Zudem verunsichern die öffentlichen Debatten über Löcher im Bundeshaushalt und in den Etats der Sozialkassen die Verbraucher und schüren Sorgen vor möglichen Beitrags- und Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen.

Mehr als drei Millionen Arbeitslose

Zunehmend kritisch ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Im August waren erstmals seit Februar 2015 wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. „Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt“, sagte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, am Freitag.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im August ist üblich; dieses Jahr fiel er etwas schwächer aus als gewöhnlich, sodass die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um 9000 Personen sank. Dies ist der erste Rückgang dieser Kennziffer seit 32 Monaten. Im Vergleich zu den Rekordtiefs vor der Pandemie sind heute fast 750.000 Personen mehr arbeitslos gemeldet.

Arbeitsmarkt

Zahl der Arbeitslosen übersteigt im August erstmals seit 2015 die Grenze von drei Millionen

Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt signalisieren kurzfristig keine Wende zum Besseren. Insbesondere in der Industrie dürfte der Arbeitsplatzabbau anhalten, bis sich ein nachhaltiger Konjunkturaufschwung abzeichnet.

Danach sieht es derzeit nicht aus. Der wöchentliche Aktivitätsindex der Bundesbank notiert bei -0,2. Das bedeutet, dass die wirtschaftliche Aktivität in den zurückliegenden 13 Wochen um 0,2 Prozent geringer war als im entsprechenden Zeitraum davor.

Das DIW-Konjunkturbarometer sank im August erneut auf nunmehr 92 Punkte. Der Indexwert entfernte sich damit weiter von der neutralen 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt.

Bislang gibt es demnach keine Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal wächst. Die Industrie leidet unter den hohen Kosten am Standort Deutschland. Zusätzlich drücken die neuen US-Zölle die Margen im Handel mit den USA. Überdies verteuert der starke Euro Exporte in Länder außerhalb der EU.

Einzelhandel fordert Sofortprogramm

Die trüben Aussichten für die Konsumenten wirken sich negativ auf die Umsätze im Einzelhandel aus. Im Juni nahmen die Einzelhandelsunternehmen kalender- und saisonbereinigt real 1,5 Prozent weniger als im Vormonat ein.

Räumungsverkauf in einem Modegeschäft: Schlechte Stimmung im Einzelhandel. Foto: picture alliance / Rupert Oberhäuser

Laut einer Ifo-Umfrage sank das Geschäftsklima im Einzelhandel im August auf –24,0 Punkte. Dies ist der dritte Rückgang in Folge seit Mai 2025. Negative Indexstände deuten darauf hin, dass es mehr Pessimisten als Optimisten gibt. Die Einzelhändler beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage erneut etwas zurückhaltender. Die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate haben sich leicht verbessert, bleiben aber eingetrübt.

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Der Umsatz mit Lebensmitteln fiel im Juli real um 1,8 Prozent niedriger aus als im Juni. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete sogar einen Rückgang von 3,8 Prozent. Der Branchenverband HDE rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. Real soll es auf einen Zuwachs von 0,5 Prozent hinauslaufen.

Der HDE fordert von der Bundesregierung ein „Sofortprogramm für die Binnenwirtschaft“. Einzelhandel, Dienstleistungssektor und Handwerk seien zwar stark aufgestellt und leistungsfähig. Sie litten jedoch unter hohen Kosten.

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