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KonjunkturBundesregierung erwartet Aufschwung vom nächsten Jahr an

Wirtschaftsministerin Reiche präsentiert an diesem Mittwoch die Herbstprojektion. Dem Handelsblatt liegt das Papier bereits vor. Das sind die wichtigsten Punkte.Julian Olk 10.10.2025 - 18:14 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Kanzler F. Merz (l., CDU), Wirtschaftsministerin K. Reiche (CDU), Finanzminister L. Klingbeil: Zweischneidige Prognose. Foto: REUTERS

Berlin. Die Bundesregierung erwartet nach einem erneut schwachen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit 0,2 Prozent im laufenden Jahr einen deutlichen Aufschwung ab dem nächsten Jahr. 2026 werde das BIP um 1,3 Prozent steigen, 2027 um 1,4 Prozent.

Das ist das Ergebnis der neuen Konjunkturprognose der Bundesregierung. Sie liegt dem Handelsblatt vor. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wird die „Herbstprojektion“ am Mittwoch in Berlin vorstellen. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Reuters über die BIP-Zahlen berichtet.

Im Frühjahr hatte die damalige geschäftsführende Regierung aus SPD und Grünen eine Stagnation des BIP für 2025 und für das kommende Jahr nur ein Wachstum von einem Prozent erwartet.

Aus den neuen Eckwerten geht allerdings auch hervor, dass der Aufschwung im kommenden Jahr vor allem staatlich getrieben ist. Der Konsum der privaten Haushalte steigt nach 0,9 im laufenden Jahr dann 2026 um nur 0,8 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent.

Der Staatskonsum steigt die meiste Zeit über deutlicher an. 2025 erst 2,5 Prozent, 2026 noch einmal genauso viel. 2027 sind es 0,6 Prozent.

Die Wirtschaftsministerin hat am Mittwoch die Konjunkturprognose der Regierung vorgestellt. „Im kommenden Jahr dürften dann die wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen zunehmend greifen und Wachstumsimpulse geben“, sagte Katherina Reiche.

Die Bundesregierung plant in den nächsten Jahren mit Rekordschulden, nachdem sie das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur aufgelegt und die Schuldenbremse-Ausnahme für Verteidigungsausgaben in Kraft gesetzt hat.

Exporte legen nur langsam zu

Der Effekt zeigt sich nicht zuletzt in den Investitionszahlen der „Herbstprojektion“. Die Investitionen in Ausrüstung, also Maschinen und Fahrzeuge, sollen im kommenden Jahr um 6,5 Prozent und im Jahr danach um 5,5 Prozent steigen.

Auch an den Zahlen zur wichtigen deutschen Exportwirtschaft zeigt sich, dass der Aufschwung kaum durch eine Wiedererstarkung der heimischen Wirtschaft getrieben ist. Die deutschen Ausfuhren steigen demnach preisbereinigt nur um 1,2 Prozent (2026) und 1,6 Prozent (2027).

Wirtschaftsministerin Reiche dürfte am Mittwoch die Zahlen als weiteren Nachweis darlegen, für Strukturreformen in den Bereichen Arbeitsmärkte und Rente, Energie und Bürokratie zu werben. Denn ein staatlich getriebener Aufschwung hat erst einmal nur geringe Auswirkungen auf das Wachstumspotenzial.

Dieses zeigt die Wachstumsmöglichkeiten bereinigt um externe Faktoren an, also das, was die Wirtschaft aus sich selbst heraus leisten kann. Das Wachstumspotenzial in Deutschland sinkt seit Jahren, bis zum Ende des Jahrzehnts geht es auf etwa 0,5 Prozent jährlich zurück.

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Nach der Berechnungsmethode der führenden Wirtschaftsinstitute ist die Situation noch dramatischer: Sie haben kürzlich erstmals projiziert, wie hoch das Wachstumspotenzial 2030 nach aktuellem Stand noch sein wird. Es liegt dann bei nur noch 0,2 Prozent. Zwischen 1996 und 2014 lag es im Durchschnitt noch bei 1,2 Prozent jährlich.

Ruf nach Strukturreformen

Damit die vielen Staatsaufträge das Wachstumspotenzial erhöhen können, müssten die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten ausweiten. Doch es ist nicht ausgemacht, dass sie das tun. Ohne die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen die vielen Staatsaufträge bloß für höhere Preise.

Einige Branchen sind durch die anhaltende Konjunkturkrise zwar unterausgelastet und können ihre bestehenden Kapazitäten durch die Staatsaufträge wieder stärker auslasten. Doch insbesondere der Tiefbau, der die vielen neuen Straßen und Schienenwege errichten beziehungsweise sanieren soll, ist bereits gut ausgelastet. Dort ist die Gefahr besonders groß, dass die Aufträge nicht zu mehr Wertschöpfung, sondern nur zu höheren Preisen führen.

Damit Unternehmen ihre Kapazitäten ausweiten, benötigen sie gute Rahmenbedingungen, also Anreize, das am Standort Deutschland zu tun. Nach Ansicht vieler Ökonominnen und Ökonomen ist das aber aktuell nicht gegeben.

So werden diese Investitionen zurückgehalten, weil sie sich beispielsweise aufgrund der hohen Bürokratielast nicht lohnen oder wegen des demografischen Wandels die Aussicht auf genügend Arbeitskräfte fehlt. Deshalb fordern die Experten Strukturreformen, um den Unternehmen entsprechende Anreize für die Investitionen zu geben.

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Reiche etwa hat mehrfach ein späteres Renteneintrittsalter gefordert, um das Arbeitskräfteangebot in Deutschland zu erhöhen. Das brachte ihr allerdings deutliche Kritik vom Koalitionspartner SPD und auch aus Teilen ihrer eigenen Partei ein.

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Am Montag stützte sie hingegen ihr neuer Ökonomen-Beraterkreis. Veronika Grimm, Justus Haucap, Stefan Kolev und Volker Wieland forderten in einer Kurzstudie eine Reihe von Strukturreformen für einen „klaren Kurswechsel“ in Deutschland.

Nur mit einschneidenden Reformen wie der Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung, dem Aufheben mehrerer Gesetze sowie der Umstellung der staatlichen Förderung, weg von der Industrie hin zur Grundlagenforschung, könne sich Deutschland aus seiner „erheblichen Strukturkrise“ befreien. Reiche dürfte manchen Vorschlag am Mittwoch aufgreifen.

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