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KonjunkturChinas Wirtschaft erholt sich stärker als erwartet

Seit dem Ende der Null-Covid-Strategie wächst die chinesische Wirtschaft wieder schneller. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal deutlich zu.Julian Olk 18.04.2023 - 09:20 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die chinesische Wirtschaft ist nach Regierungsangaben stark gewachsen.

Foto: dpa

Berlin. Die chinesische Wirtschaft ist im ersten Quartal nach dem Ende der strikten Corona-Politik spürbar gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte.

Das Wachstum fiel damit höher aus, als die meisten Analysten erwartet hatten. Die ING-Bank etwa hatte bloß ein Plus von 3,8 Prozent erwartet.

Der Hauptgrund dafür sei das wesentlich stärkere Wachstum der Einzelhandelsumsätze gewesen, sagte Iris Pang, China-Ökonomin der ING.

Nach der Aufhebung der strengen Corona-Regeln zieht es die Chinesen wieder deutlich mehr in die Geschäfte. Die Einzelhandelsumsätze sind im ersten Quartal um 5,8 Prozent gestiegen. „Ein derart schnelles Wachstum der Einzelhandelsumsätze wurde seit Juni 2021 nicht mehr verzeichnet“, erklärte Pang.

Im vierten Quartal 2022, als China noch an seiner Null-Covid-Politik festgehalten hatte, waren die Umsätze im Einzelhandel noch um 2,7 Prozent zurückgegangen. Insgesamt hatte die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im letzten Quartal 2022 lediglich ein Plus von 2,9 Prozent geschafft.

Wachstumstreiber: Einzelhandel und Dienstleistungen

Zudem trieb der Dienstleistungssektor das Wachstum an. Die Dienstleistungen wuchsen im ersten Quartal um 5,4 Prozent. Vor allem der Bereich Beherbergung und Gaststätten zog mit 30 Prozent deutlich an.

Oxford Economics rechnet damit, „dass der von den Verbrauchern getragene Aufschwung noch Luft nach oben hat“. Es sei zu erwarten, dass das Vertrauen der Verbraucher stetig steige und noch weiteres Wachstum aus der Corona-Zeit nachgeholt werde.

Die überraschend guten Konjunkturzahlen sind eine positive Nachricht für die globale Wirtschaft. Insbesondere in Europa wurden die konjunkturellen Entwicklungen infolge der schwachen Nachfrage aus China gedämpft.

Die Hoffnung ist, dass der Konjunkturimpuls sich noch verstärkt. Die Pekinger Staatsführung hat für 2023 insgesamt ein Wachstumsziel von fünf Prozent ausgegeben.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) traut der Volksrepublik in diesem Jahr gar ein Wachstum von 5,3 Prozent zu, nachdem es 2022 lediglich zu einem Plus von drei Prozent gereicht hatte. 2024 soll es mit 4,9 Prozent einen ähnlich kräftigen Zuwachs geben.

Nach dem Ende der strikten Corona-Politik hat die chinesische Wirtschaft stark beschleunigt. Das BIP legte von Januar bis März um 4,5 Prozent zu, teilte das Statistikamt in Peking mit. Es ist der kräftigste Quartalszuwachs seit einem Jahr.

Wachstumsschwäche: Industrie

Was sich im ersten Quartal nun allerdings schwächer entwickelte, war die Industrie. „Die Industrieproduktion war eine Enttäuschung“, erklärten die Konjunkturforscher von Oxford Economics.

Die Industrieproduktion wuchs nur um drei Prozent im ersten Quartal. Das waren bloß 0,3 Punkte mehr Wachstum als im Vorquartal. „Im Vergleich zu den Wachstumsraten, wie sie vor der Pandemie verzeichnet wurden, sind die Werte noch recht bescheiden“, konstatierten die Commerzbank-Ökonomen Tommy Wu und Brandon Yu Sheng Tan.

Laut Oxford Economics liegt die Schwäche vor allem daran, dass die Nachfrage aus dem Ausland zurückgegangen ist. Außerdem werde der Abschwung in der Technologiebranche widergespiegelt. Doch es gibt deutliche Ausreißer nach oben im Bereich grüner Technologien. Die Produktion von Solarzellen in China stieg im ersten Quartal um 53 Prozent, die Herstellung von Elektroautos um 23 Prozent.

Die Null-Covid-Strategie hatte die Wirtschaft des Landes schwer getroffen.

Foto: Getty Images

China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Deutschlands. Die deutsche Industrie will den Handel mit der Volksrepublik trotz der Warnungen aus der Politik vor einer wachsenden Abhängigkeit weiter ausbauen.

„Diversifizierung bedeutet nicht, uns von China zu entkoppeln, sondern, einseitige Abhängigkeiten zu verringern und idealerweise zu überwinden“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, auf der Hannover Messe. „China ist und bleibt ein zentraler Markt für deutsche Unternehmen“, erklärte er.

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Es gebe einen ziemlich breiten Konsens, dass die deutsche Wirtschaft China brauche. Sorge bereite die Abhängigkeit bei kritischen Materialien und Komponenten. „Das ist nichts, was sich innerhalb eines Jahres umdrehen lässt.“

Mit Material von dpa

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