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KonjunkturReallöhne steigen wieder – um 0,1 Prozent zum Vorjahr

Für 2024 stehen Experten zufolge die Chancen gut, dass den Beschäftigten mehr im Portemonnaie bleibt. Für die Wirtschaft ist die steigende Kaufkraft eine gute Nachricht. 29.02.2024 - 09:32 Uhr
2020 trug der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit wegen der Corona-Krise zu sinkenden Reallöhnen bei, während 2021 und 2022 die hohe Inflation den Nominallohnanstieg aufzehrte. Foto: dpa

Berlin. Inflationsausgleichsprämie und ein höherer Mindestlohn haben die Kaufkraft der deutschen Verbraucher im vergangenen Jahr erstmals seit 2019 steigen lassen – allerdings nur minimal. Die Reallöhne wuchsen um durchschnittlich 0,1 Prozent im Vergleich zu 2022, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Demnach legten die Löhne zwar mit 6,0 Prozent so stark zu wie seit 2008 nicht mehr. Doch blieb davon real kaum etwas übrig, weil die Verbraucherpreise mit 5,9 Prozent fast genauso kräftig stiegen.

2020 trug der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit wegen der Corona-Krise zu sinkenden Reallöhnen bei, während 2021 und 2022 die hohe Inflation den Nominallohnanstieg aufzehrte.

Für 2024 stehen Experten zufolge die Chancen allerdings gut, dass den Beschäftigten deutlich mehr im Portemonnaie bleibt. „Wir sollten dieses Jahr den stärksten Anstieg der Reallöhne seit 2015 sehen“, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. „Bei einer Inflationsrate von rund drei Prozent und einem Nominallohnwachstum von vier bis fünf Prozent stehen für Arbeitnehmer gute Zeiten an.“

Zuletzt zeigte die Tendenz schon deutlich nach oben: Im vierten Quartal 2023 legten die Reallöhne um 1,8 Prozent zu, auch weil die Inflation deutlich nachgelassen hat.

Für die akut rezessionsbedrohte deutsche Wirtschaft ist die steigende Kaufkraft eine gute Nachricht. Einen Konsumboom erwartet ING-Experte Brzeski gleichwohl nicht: „Dem Konsum wird das kaum helfen, da Angstsparen wohl wieder zunehmen wird“. Die Verbraucher halten wegen der Konjunkturflaute ihr Geld zusammen und legen so viel auf die hohe Kante wie seit fast 16 Jahren nicht mehr, wie die GfK-Marktforscher und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) bei ihrer Umfrage ermittelten.

Umsatz im Einzelhandel sinkt

Bestätigt wird das vom überraschend schwachen Jahresauftakt der Einzelhändler: Ihr Umsatz schrumpfte im Januar inflationsbereinigt (real) um 0,4 Prozent zum Vormonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet. „Der Einzelhandel setzt seinen Krisenkurs fort“, kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger, die Entwicklung. „Für eine Umsatzwende müssten Verbraucher erst einmal ihre schlechte Laune abschütteln.“

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Bestätigt wird das vom überraschend schwachen Jahresauftakt der Einzelhändler. Foto: dpa

Zur positiven Entwicklung der Reallöhne im vergangenen Jahr trug die Inflationsausgleichsprämie bei. Diese steuer- und abgabefreie Zahlung von bis zu 3000 Euro je Arbeitnehmer, die auch in mehreren Teilbeträgen ausgezahlt werden kann, ist eine freiwillige Leistung der Arbeitgeber. Auch die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde im Oktober 2022 hatte einen positiven Effekt. Das führte dazu, dass im vergangenen Jahr unter den Vollzeitbeschäftigten das Fünftel mit den geringsten Verdiensten das größte Lohnplus erhielten: Sie stiegen um 11,4 Prozent.

rtr
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