Arbeitsmarkt: Unternehmen stellen weniger ein – und finden trotzdem kaum Personal
Nur noch 13 Prozent der Unternehmen planen mit mehr Personal.
Foto: Imago/Westend61Berlin. Angesichts der konjunkturellen Schwächephase und wirtschaftlicher Unsicherheiten bauen die Unternehmen nur noch verhalten Personal auf. Doch jene, die neue Mitarbeiter suchen, tun sich weiterhin oft schwer, freie Stellen zu besetzen.
Zwar ist das Ifo-Beschäftigungsbarometer im Oktober wieder leicht auf 96,2 Punkte gestiegen, nach 95,8 Punkten im September. „Die Unternehmen sind aber weiterhin zurückhaltend bei Neueinstellungen“, sagt Klaus Wohlrabe, der beim Ifo-Institut die Befragungen leitet.
Als einen Grund für die Zurückhaltung nennt der Ökonom – neben den hohen Energiepreisen – fehlende Aufträge. In der Industrie ist das Barometer weiter gesunken, vor allem Unternehmen, die viel Energie verbrauchen, denken eher über Entlassungen als über Neueinstellungen nach.
Auch im Handel und im Baugewerbe stehen die Zeichen eher auf Personalabbau. Expansionspläne gibt es noch bei den Dienstleistern, wenn auch deutlich verhaltener als in der Vergangenheit. Vor allem die IT- und die Touristikbranche suchen Personal.
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer beruht auf den Personalplanungen von rund 9000 Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Von Juli bis September war der Indikator drei Monate in Folge gesunken.
Auch wenn die Unternehmen insgesamt weniger Personal suchen, haben einige weiter Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. „Trotz der Zurückhaltung treibt der Fachkräftemangel die Unternehmen weiter um“, sagt Ifo-Ökonom Wohlrabe.
Dienstleistungsbranche besonders vom Fachkräftemangel betroffen
Diese Einschätzung wird auch durch die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bestätigt, in die rund 24.000 Unternehmensantworten eingeflossen sind.
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Demnach ist im Dienstleistungssektor der Fachkräftemangel immer noch das dominierende Geschäftsrisiko für die Unternehmen. In der Industrie steht er noch an dritter Stelle – hinter den hohen Energie- und Rohstoffpreisen und der schwächelnden Inlandsnachfrage.
Über die gesamte Wirtschaft hinweg sehen immer noch knapp drei von fünf Unternehmen (58 Prozent) den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern als Risiko. Dieser Wert liegt nur leicht unter dem Höchstwert von 62 Prozent aus dem Frühsommer dieses Jahres. „Die demografische Entwicklung sorgt dafür, dass selbst in konjunkturellen Schwächephasen der Fachkräftemangel nur geringfügig abnimmt“, schreibt die DIHK.
Insgesamt zeigen sich aber auch die von den Industrie- und Handelskammern befragten Unternehmen zurückhaltender in ihren Beschäftigungsabsichten. Nur noch 13 Prozent planen mit mehr Personal – vier Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage im Frühsommer. Dagegen ist der Anteil von Firmen, die Beschäftigung abbauen wollen, von 15 auf 22 Prozent gestiegen.
Am optimistischsten, was den Beschäftigungsausblick angeht, sind noch die Großunternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten. Auch hier ist aber der Anteil der Unternehmen, die Personal abbauen wollen, leicht höher als der Anteil derer, die Neueinstellungen planen. Nach Wirtschaftszweigen zeigt sich die gedämpfte Einstellungsdynamik laut DIHK-Umfrage aktuell am stärksten im Baugewerbe und im Handel.