HDE-Konsumbarometer: Schwacher Arbeitsmarkt dämpft die Kauflaune
Die Arbeitslosigkeit ist zwar im September auf 2,627 Millionen gesunken.
Foto: dpaDüsseldorf. „Die Kaufkraft kehrt zurück“ – so überschrieben die großen Wirtschaftsforschungsinstitute ihr jüngstes Herbstgutachten für die Bundesregierung und verbanden damit die Hoffnung, dass sich der private Konsum bereits im zu Ende gehenden dritten Quartal vom Einbruch im vergangenen Winter erholt haben würde.
Ab dem vierten Quartal soll der Konsum dann Quartal für Quartal um rund ein halbes Prozent zulegen – und so zum wesentlichen Standbein für den erhofften kleinen Aufschwung in 2024 werden, erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute.
Zweifel an dieser Sicht sind durchaus angebracht. Zwar stieg das HDE-Konsumbarometer für Oktober erneut leicht auf nunmehr 95,06 Zähler – doch notiert es damit lediglich auf dem Niveau des Jahresstarts 2022, als die Ukraine für die meisten Deutschen noch ziemlich weit weg schien. Der Frühindikator schwankte vor dem Ukrainekrieg und vor der Pandemie um etwa 100 Zähler.
Der jüngste Anstieg resultierte vor allem aus der gesunkenen Sparneigung der Konsumenten; sowohl die eigenen Einkommenserwartungen als auch die Konjunktureinschätzungen der Verbraucher waren rückläufig.
Das Barometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet, es basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten in Deutschland. Und glaubt man den Aussagen der befragten Verbraucher, so werden sie in den kommenden Monaten ihr Geld weiterhin beisammenhalten.
Arbeitsmarkt gilt als wichtigste Stütze
Als wichtigste Stütze des privaten Konsums gilt der Arbeitsmarkt – und auch hier schlägt sich die nun schon 15 Quartale währende gesamtwirtschaftliche Schwächephase nieder. „Die einsetzende Herbstbelebung fällt in diesem Jahr vergleichsweise gering aus“, sagte der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Daniel Terzenbach, bei der Vorstellung ihres Monatsbericht.
Die Arbeitslosenzahl sei zwar im September auf 2,627 Millionen gesunken. Doch sei der Rückgang um 69.000 für einen September „gering“ ausgefallen. Verglichen mit dem September des vorigen Jahres war sie um 141.000 höher.
Saisonbereinigt sind heute rund 420.000 mehr Menschen arbeitslos als zu Zeiten der Rekordtiefstände im Frühjahr 2019. Und die Frühindikatoren des Münchener Ifo-Instituts und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verheißen für die nahe Zukunft keine rasche Wende zum Besseren.
Leidtragender der Konsumschwäche ist der Einzelhandel. Nach jüngsten Daten für August sackten die realen Umsätze erneut um 0,8 Prozent zum Vormonat ab. In den ersten acht Monaten dieses Jahres setzte der Handel damit preisbereinigt 3,8 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum.
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Besonders stark waren die Rückgänge im „Facheinzelhandel mit Lebensmitteln“ mit 7,5 Prozent, beim Handel mit „Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf“ mit 7,2 Prozent sowie mit „Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren“ mit fünf Prozent.
Gegen den Trend legte der Einzelhandel mit „Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren“ im bisherigen Jahresverlauf preisbereinigt um 5,3 Prozent zu. Echte Anzeichen für ein rauschendes Weihnachtsgeschäft gibt es bislang jedoch nicht.